Naschwiese auf dem Platzenberg

Warum man am Platzenberg künftig ganz legal Äpfel „klauen“ darf und Hunde nicht angeleint werden müssen

Obst zum Naschen, bunte Bänke, "Apfeltag" – die Stadt hat noch viel vor, um das "Naturerlebnis Platzenberg" mit Leben zu erfüllen. Bei einer Bürgerinformation stellten jetzt OB Korwisi und Stadtplaner Holger Heinze ihr Konzept für das Areal vor. Das Publikum hatte ordentlich Diskussionsbedarf.

Von Manuela Reimer

Bad Homburg. "Raus mit der Stadt aus dem Platzenberg!" – auch solche Stimmen waren am Donnerstagabend im Kurhaus bei der Bürgerinformation in Sachen Platzenberg zu hören. Wie berichtet soll der Platzenberg als Naturrefugium und Erholungslandschaft entwickelt werden. "Irgendwann kann man gar nichts mehr mit seinem Grundstück machen", monierte ein Anwohner und erntete vereinzelt Zustimmung. Aus einer Bebauung des landschaftlich reizvollen Areals, das sich über Homburger und Oberstedter Gemarkung zieht, wird auf unbestimmte Zeit jedenfalls nichts, so viel scheint sicher. Dieser Umstand wurde auch von der eindeutigen Mehrheit der rund 80 anwesenden Bürger begrüßt. "In einer Region, die so dicht besiedelt ist wie das Rhein-Main-Gebiet, können wir kaum mit unseren Grundstücken noch machen, was wir wollen", sagte Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne), der mit Holger Heinze vom Fachbereich Stadtplanung auf dem Podium Platz genommen hatte.

Schutz vor Bebauung

Eine Aussage, die diskutiert werden wollte. Bevor die Diskussion allerdings Fahrt aufnahm, beleuchtete Stadtplaner Heinze das Bau- und Planungsrecht am Platzenberg und stellte die Maßnahmen des "Handlungskonzepts Naturerlebnis Platzenberg" vor, das den Platzenberg vor Bebauung schützen soll.

Planungsrechtlich stellt sich das Ganze allerdings etwas kompliziert dar: Das Areal ist unterteilt in drei Bereiche. Einmal gilt es – hauptsächlich im Südwesten – als "Außenbereich", der "qua Gesetz bereits geschützt ist". Eine Siedlungsbebauung ist dort ausgeschlossen.

Daneben gibt es für den Platzenberg den B-Plan Nummer 99, dessen Aufstellungsbeschluss 2005 gefasst wurde, um die Pestalozzischule dort anzusiedeln. Das ist bekanntlich lange vom Tisch. Heinze: "Das Verfahren zu diesem Plan soll jetzt eingestellt werden, der Bereich wird zum Außen- und zum Innenbereich." Des Weiteren gibt es für den Platzenberg den rechtskräftigen B-Plan Nummer 93, der die dortige Kleingartennutzung in ökologisch verträgliche Nutzung lenken sollte. "Der tut uns nicht weh, der bleibt", so Heinze.

Doch nicht nur das Sichern des Gebiets, auch die Entwicklung sei Ziel des Konzepts. Hier sollen vor allem die überalterten Baumbestände nachgepflanzt und ein Wegenetz angelegt werden. Außerdem wird Unrat und Verbuschung der Streuobstwiesen der Kampf angesagt. Auch "Identifikationsmaßnahmen" wie individuell gestaltete Bänke, eine Wiederbelebung des "Apfeltags" (am 23. September) oder der "Platzenberger Frühjahrsputz" sind vorgesehen. Auf einer "Naschwiese" sollen sich Spaziergänger legal Äpfel pflücken können. Die vielen Eigentümer und Pächter sollen mit Rat und Tat unterstützt werden (Abholung von Schnittgut, Baumschnittkurse, Pflanzungen) – mit dem Ziel, dass sich möglichst viele dem Konzept anschließen.

Anwohner sind gefragt

Wie man denn diejenigen dazu bringen solle, etwas zu machen, die ihre Grundstücke verwildern ließen, wollte ein Anwohner wissen. "Die Menschen, die sich seinerzeit gegen die Bebauung eingesetzt haben, sind jetzt gefragt, sich zu engagieren und auch Grundstücke zu pflegen, die nicht ihnen gehören", forderte Korwisi und erhielt dafür breite Zustimmung auch vom Verein Landschaftsschutz Platzenberg. Auch das Thema freilaufende Hunde und deren Hinterlassenschaften wurde diskutiert. "Ich finde, man sollte die Hunde dort nicht anleinen müssen, sie brauchen ja ihren Auslauf. Und eine Leinenpflicht bringt auch nichts gegen Hundehaufen", meinte ein junges Mädchen. Leinenzwang-Schilder werde man nicht aufstellen, aber über Öffentlichkeitsarbeit Verständnis dafür wecken, die Hunde doch anzuleinen, antwortete Heinze. "Wir sind ja kein Polizeistaat." Und für die Entsorgung der Hinterlassenschaften der Hunde würden Tüten in Dog-Stations bereitgestellt.

Für weitere Anregungen oder Kritik ist es übrigens noch nicht zu spät: "Das Konzept lebt und wird fortgeschrieben", so Korwisi. Auch in Kooperation mit Oberursel. Nächsten Monat trifft der OB den Rathauschef der Brunnenstadt, Hans-Georg Brum (SPD), um konkrete Maßnahmen zu besprechen.

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