Profilscharfes Spiel

Hába Quartett widmete sich in der Johanniskirche den Gegensätzen

Ein an Kontrasten reiches Programm bot das Frankfurter Hába Quartett bei seinem Kammerkonzert in der evangelischen Johanniskirche.

Von Ulrich Boller

Kronberg. Neuansätze gelingen nicht immer. Diese Erfahrung machte Franz Schubert anfangs der 1820er Jahre häufiger. Von einem geplanten viersätzigen Streichquartett c-moll, im Deutsch-Verzeichnis unter der Nummer 703 geführt, existieren nur der erste sowie 40 Takte eines zweiten Satzes. Schubert sah sich an dieser anspruchsvollen Aufgabe scheitern, ähnlich wie am Projekt einer großen Sinfonie, die später als "Unvollendete" berühmt wurde.

Ein zuvor entdeckter neuer Weg erwies sich hingegen für den gebürtigen Hanauer Paul Hindemith gut 100 Jahre später als so tragfähig, dass er ihn konsequent weiterging. Sein drittes Streichquartett C-Dur opus 16 lebt von unaufhörlicher motorischer Bewegung, prägnanten Rhythmen und ausdrucksstark erweiterter Harmonik.

Scheitern und Gelingen

Fragment und Werkganzes, Scheitern und Gelingen einander gegenüberzustellen, verlieh der Soiree des Frankfurter Hába Quartetts in der Johanniskirche ihre charakteristische Spannung über die Werkgrenzen hinaus. Was nicht heißt, dass die beiden Geiger Sha Katsouris und Hovhannes Mokatsian, Bratscher Peter Zelienka und Cellist Arnold Ilg nur in Bausch und Bogen musiziert hätten.

Ganz im Gegenteil führten sie einmal mehr gediegene Detailarbeit vor. Wie sie das nervöse An- und Abschwellen am Beginn des Schubert-Satzes unter der ganz unsentimental ausschwingenden Melodie gleichsam fortzittern ließen, fesselte nachdrücklich.

Aber auch die drei Hindemith-Sätze bestachen dank des intensiven, profilscharfen Spiels. Der moderne Mensch des motorisierten und mechanisierten Zeitalters findet keine oder nur wenig Ruhe, wird stetig fortgetrieben, dem Takt der industrialisierten Umwelt unterworfen. Dem zaristischen Russland ein halbes Jahrhundert zuvor waren solche Entwicklungen noch fremd, als Peter Tschaikowsky seinen Erstling für diese Besetzung (D-Dur opus 11) komponierte.

Entspannungsbad

Wie ein Entspannungsbad wirkten die vier Sätze nach der geistig-mentalen Kraftanstrengung. Besonders gefiel das zauberhaft schlicht vorgetragene Andante nach dem mit musikantischem Schwung gebotenen Kopfsatz. Im rasch angegangenen Finale besaßen die vier versierten Musiker noch genügend Reserven für eine mitreißend energische Stretta.

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