PS auf die Straße bringen

Kulturprofil soll Kronbergs Einzigartigkeit besser wahrnehmbar machen

Kronberg hat jetzt ein Kulturprofil. Die Stadtverordneten haben es nach heftiger Debatte angenommen. Ob es greift, wird die Praxis zeigen

Von Boris Schöppner

Kronberg. Wie wichtig das richtige Profil ist, wissen Autofahrer insbesondere an frostigen Tagen zu berichten. Natürlich hat das Kulturprofil nichts mit den Rillen in den Pneus zu tun, doch wie formulierte es ein Besucher der jüngsten Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses treffend? Es gehe darum, die PS auf die Straße zu bekommen, also das Bestmögliche aus dem kulturellen Potenzial der Stadt herauszuholen.

Ganz so pragmatisch wollten allerdings nicht alle Stadtverordnete in der jüngsten Sitzung des Plenums die Diskussion über das Kulturprofil der Stadt Kronberg führen. So war es Gabriele Hildmann, Stadtverordnete der KfB, die der Stadt vorwarf, mit dem Profil die Kultur in "nützliche" und "nicht-nützliche" Kultur unterteilen zu wollen. Nach dieser Lesart seien all jene Kulturangebot nützlich, die dem Image der Stadt dienten, und diejenigen weniger nützlich, die der eignen Bevölkerung zugute kämen. Zudem wandte sich die KfB-Stadtverordnete gegen "jede Ökonomisierung der Kultur" und nannte das gesamte Konzept gar einen "Schildbürgerstreich".

Vereine bieten Vielfalt

Dies wiederum wertete Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) als eine Unverschämtheit und als einen Affront den städtischen Mitarbeiterinnen und anderen Mitwirkenden gegenüber, die in den vergangenen Jahren viel Zeit in die Erarbeitung des Konzeptes gesteckt hätten. Eine Unterteilung in nützliche und nicht-nützliche Angebote nehme die Stadt nicht vor, sondern setzte lediglich die Praxis fort, zwischen allgemeiner und besonderer Förderung zu unterscheiden.

Wolfgang Haas von der SPD-Fraktion sah dies ähnlich, nannte das Profil eine Grundlage, die "glaubwürdige und nachhaltige" Kulturarbeit der Stadt fortzuführen und hob hervor, dass das Konzept der "vereinsgetragenen Vielfalt" den Rücken stärke.

CDU-Stadtverordneter Prof. Dr. Helfried Moosbrugger, der bei der redaktionellen Überarbeitung des Konzepts mitgewirkt hatte, sieht in dem Profil ein "Leitbild" und die "rationale Basis" für die Vergaberichtlinie von Fördermitteln. Und Oliver Schneider (UBG), der der KfB-Fraktion vorwarf, die Realitäten nicht mehr zu erkennen, hält ein Kulturprofil für das "Standardwerk einer jeden Kommune".

Das Kulturprofil wurde von der Stadtverordenversammlung mit großer Mehrheit angenommen, lediglich die KfB-Fraktion stimmte dagegen, während sich die Grünen ihrer Stimme enthielten. Die Richtlinien der Vereinsförderung wurde auch von den Grünen angenommen, hier votierten nur die beiden Stadtverordneten der KfB dagegen.

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