Reizvolles Auswärtsspiel der Plaschis

Starke Kombination: Kernstadt-Fastnachter finden die richtige Mischung aus Eigengewächsen und auswärtigen Zugpferden

Die große Sitzung des Königsteiner Narrenclubs "Die Plasterschisser" war das letzte – das letzte Auswärtsspiel in der Schneidhainer Heinrich-Dorn-Halle. Das hoffen zumindest die Plaschis – und nicht nur die.

Von Stefan Jung

Königstein. Die Tänzerinnen von Lascivia. Fotos: sj (4) So gut die närrischen Kernstädter von ihren Freunden im Stadtteil "Kuckuckshausen" in den zurückliegenden Kampagnen auch aufgenommen wurden, so sehr sehnen sich die Kurstadt-Fastnachter doch danach, endlich in ihre eigene Narrhalla – das Königsteiner Haus der Begegnung (HdB) – zurückkehren zu können.

Wie ein roter Faden zog sich denn auch das Warten der Fastnachter auf die längst überfällige Heimkehr in den Schoß der Narretei durch die gelungene Sitzung am Samstagabend. Während Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) hoch droben vom Elferrat aus den Plaschis versprach, dass dieses Jahr alles gut und die Miete für den Saal in der kommenden Kampagne erträglich werde, ging Protokoller Rolf Krönke auf überaus amüsante wie spitzfindige Art der Frage nach, wie sich mit dem wohl bald fertig sanierten Haus etwas Geld verdienen lasse.

Getreu dem Motto "Von Kronberg lernen, heißt Werben lernen", warb der Plaschi-Protokoller dafür – so wie beim "Maggi-Turm" – die Schuhkastenform des HdB zu nutzen, um dort die Signets von Sportartikel-Herstellern anzubringen. Also runter mit dem "Königsteiner Engel" und her mit dem Puma – schließlich habe die katholische Kirche eh nichts zur Sanierung des Saalbaus beigesteuert, spöttelte der Mann mit der spitzen Feder und schob gleich noch den nächsten Vorschlag nach: Warum nicht das HdB für zehn Millionen Euro als Elefantenhaus an den benachbarten Opel-Zoo verkaufen? Das Rathaus als "Affenhaus" könnte der Tierpark gleich noch dazubekommen.

Allrounder Florian Glässer feierte in der Bütt seinen 15. Geburtstag.Ja ja, Krönke und die Stadtverwaltung, das ist seit Jahr und Tag eine innige Beziehung, die der Ur-Königsteiner bei der großen Plaschi-Sitzung mit reichlich Wortwitz befeuerte. Sei es der fantasielose "Platz des Himmlischen Friedens" mit Freibad-Ambiente im Königsteiner Stadtzentrum, oder das neue Luxus-Burgklo, das sich auch als Gulaschkanone nutzen lässt – im Protokoll fand sich viel Hintergründiges und Aberwitziges zum Stadtgeschehen.

Während sich der Mann vom Protokoll vornehmlich auf die lokalen Schwächen stürzt, stützen sich die Königsteiner Fastnachter offensichtlich wieder verstärkt auf die heimischen Stärken und den eigenen Nachwuchs. Ein wohltuend zu beobachtender Trend, den am Samstag die Jüngsten – die "Plaschi-Minis" – mit einem schwungvollen Piratentanz setzten und dem im Anschluss viele vereinseigene Akteure folgten.

Für Sitzungspräsident Rainer Kowald genau der richtige Weg. Das betonte der oberste "Komitäter" mit Nachdruck – auch wenn Jungspund Florian Glässer bereits an den Stühlen des Elferrates sägt. Der Nachwuchs-Revolutionär machte in der Bütt keinen Hehl daraus, dass er selbst ins Präsidium rein und dort für frischen Wind sorgen möchte. Dass er dabei auch über Opa Jochen und Papa Robert hinwegbrausen müsste, bereitet dem jungen Mann, der am Samstag seinen 15. Geburtstag feierte, keine Magenschmerzen. Schließlich weiß er um seine wachsende Bedeutung bei den Plaschis auf und vor der Bühne. Wenn Florian nämlich nicht gerade eine Rede hält oder tanzt, dann kellnert er zwischendurch auch noch.

Nicole Hülsmann las einer Edel-"Falkensteinerin" die Leviten.Solche närrischen Allrounder und Vereinsmenschen – kombiniert mit auswärtigen Zugpferden wie sie am Samstag mit dem brillanten "Heddemer Dreigestirn", den "Schlüsselrapplern" aus Nidderau oder auch dem "Hoppes" aus Flörsheim antraten – brauchen die Plaschis, wenn sie die Kurstadt-Fastnacht in eine erfolgreiche Zukunft führen wollen.

Dass das auch nach der Rückkehr ins HdB kein Kinderspiel, sondern eine echte Herausforderung werden dürfte, zeigte ein Blick in die Schneidhainer Heinrich-Dorn-Halle. Längst nicht alle Eintrittskarten hatten einen Abnehmer gefunden. Die allerdings, die gekommen waren – noch dazu erfreulich viele kostümiert – hatten ihren Spaß.

Wer übrigens glaubt, die Kurstadt-Fastnacht wäre nur etwas für die "Alt-Königsteiner", den belehrten Nicole Hülsmann und Ela von der Heijden eines Besseren. Erstmals im Zwiegespräch vereint, nahm Hülsmann in Kittelschürze und mit Lockenwicklern im Haar zwar zunächst die piekfeine Falkensteinerin in ihrer "Königsteiner Uniform" (Pelzmantel und Perlenkette) aufs Korn. Je länger sich die beiden Damen unterhielten, desto deutlicher wurde, dass sie ein gemeinsames Problem haben: Ihre Männer.

Dabei können sich die beiden streitbaren Geschlechter – gerade in jüngeren Jahren – doch durchaus harmonisch und optisch reizvoll in Szene setzen. Dafür sind die Tänzerinnen und Tänzer von "Lascivia" ein schön anzuschauendes Beispiel. In Anlehnung an den Kinofilm "Burlesque" tanzte die starke Truppe mit ihrem Publikum hinaus aus dem bitterkalten Taunus und hinein in die sündig-heißen Varietés von Paris.

Heiße Rhythmen

Afrika oder Paris? Egal! Die Resi-Dancers ließen die Temperaturen steigen. In gleichermaßen warme, wenn auch etwas weniger lasterhafte Gefilde zog es die Resi-Dancers. Die charmante Kult-Gruppe, die zur Plaschi-Fastnacht längst gehört wie Luftschlangen und Bütt, holte die Sonne Afrikas nach Schneidhain und sorgte mit "Waka Waka" und anderen Hits für reichlich "Rummel im Dschungel". Dass es den im vergangenen Jahr auch bei den Plasterschissern gab (wir berichteten) und einige Ur-Plaschis danach den Narrenclub verließen, wollte Präses Kowald – bei aller Freude über die aktuellen Leistungen der Eigengewächse – nicht verschweigen. Für Kowald war der Streit "überzogen, man hätte besser geglättet die Wogen".

Vielleicht ja ein guter Ansatz für die kommende Kampagne: Hier die Rückkehr in die alte Narrhalla und da das Comeback verdienter Kurstadt-Fastnachter auf einer Bühne mit den aufstrebenden Nachwuchskräften – das hätte schon was von einem geglückten Neuanfang an alter Wirkungsstätte.

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