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Schon der erste Brief war ein Abschied
Helmuth Caspar von Moltke berichtet in der AKS von seinem Vater, einem der Attentäter des 20. Juli
Helmuth Caspar von Moltke war als Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs an der Altkönigschule zu Gast. Sein Vater bezahlte den Widerstand gegen das Hitler-Regime mit dem Leben.
Von David Schahinian
Kronberg. ![]()
Helmuth Caspar von Moltke in der Diskussion mit Schüler der Altkönigschule. Foto: Jochen Reichwein Als Helmuth Caspar von Moltke von dem geheimen Briefwechsel zwischen seiner Mutter, Freya von Moltke, und seinem 1944 von der Gestapo in Schutzhaft genommenen Vater, Helmuth James Graf von Moltke, erzählte, wurde es ruhig im Foyer des Campus B in der Altkönigschule (AKS): "Zunächst konnten sie nur über zensierte Briefe miteinander kommunizieren."
Andere Geschichtsstunde
Nach dem Anschlag auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 sei sein Vater nach Berlin-Tegel geschafft worden, wo er auf sein Verfahren vor dem Volksgerichtshof wartete. "Der Gefängnispfarrer Harald Poelchau hat fast tagtäglich heimlich Briefe hin- und hergebracht. Nach Monaten der Zensur konnten sie sich endlich aussprechen, dabei wussten sie: Schon der erste Brief war ein Abschied." Der Widerstandskämpfer wurde am 23. Januar 1945 hingerichtet.
Die vom Lions Club Kronberg initiierte Veranstaltung zum Thema "Das alte und neue Kreisau" bot rund 200 Schülern und Lehrern die Möglichkeit, eine Geschichtsstunde der besonderen Art zu erleben. Dass von Moltke dafür nach Kronberg kam, war kein Zufall: "Sie sind mir schon lange bekannt", begann er seine Ausführungen, "die AKS hat nach der Wende als erste Schule den Weg nach Kreisau gefunden." Zu verdanken war dies vor allem dem ehemaligen Schulleiter Walter Heist, der das "Projekt Kreisau" seinerzeit ins Schulprogramm aufgenommen hatte. In Kreisau, dem heutigen Krzyzowa in Polen, trafen sich 1942 und 1943 die Widerstandskämpfer des "Kreisauer Kreises", um über eine Zukunft Deutschlands ohne Hitler zu diskutieren.
Kriegserinnerungen
Helmuth Caspar von Moltke wurde 1937 geboren und erlebte den Krieg als kleiner Junge. Für ihn seien das aufregende Tage gewesen, weil viel Besuch dagewesen sei. Er habe zwar gewusst, dass Krieg herrsche, doch habe er bewusst nie etwas anderes erlebt. Die Aufregung im Haus sei damals interessant für ihn gewesen – oben habe er gespielt, während unten geheime Treffen abgehalten worden seien.
Von einem Schüler danach gefragt, was er denn als kleiner Junge vom Krieg mitbekommen habe, schilderte er: "Breslau war im Januar 1945 von der Roten Armee umzingelt. Nachts ließen sie Leuchtkörper auf die Stadt fallen, die wie Christbäume aussahen, die langsam zu Boden sinken. Trotzdem war einem bewusst, welches Unheil darunter angerichtet wurde – das habe ich nie vergessen."
Bedeutung der 68er
Er selbst habe nicht unter Ablehnung zu leiden gehabt, doch seien die Widerstandskämpfer vor allem nach dem Krieg von vielen als Verräter betrachtet worden. Es habe eine ganze Weile gedauert, bis das Verständnis gewachsen sei: "Im Grunde kam die Akzeptanz erst mit den 68ern. Für die Menschen damals mag diese Generation eine ungemütliche Angelegenheit gewesen sein. Doch wenn man zurückblickt, war diese Entwicklung sehr gesund und nützlich für Deutschland. Die Demokratie wurde dadurch fester verankert."
Heute werden Völkerverständigung und das gemeinsame Erinnern unter anderem durch die "Freya von Moltke-Stiftung für das Neue Kreisau" gefördert. Das mache Kreisau aus, so von Moltke: "Man trifft sich für die Zukunft Europas auf der Basis des Geschehenen."
Zum besseren Verstehen tragen auch Veranstaltungen wie jene in der AKS bei. "Die Dimensionen des Krieges", sagte Maximilian Thaysen (17) aus Steinbach, "kann man sich sicher nicht vorstellen. Aber ich denke schon, dass das Thema immer noch wichtig ist." Heute sei vieles einfacher, und er sei froh, dass man sich in Deutschland für Dinge einsetzen könne, die einem wichtig seien. Ähnlich sah es Max Merz (17) aus Kronberg: "Politik geht jeden etwas an, und auch in sozialen Projekten kann man großen Einfluss ausüben."
Insofern war das Zitat von Freya von Moltke, das hinter dem Podium hing, mehr als treffend ausgewählt: "Es lohnt sich immer, etwas zu tun, was man nicht für sich tut."


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