Sie sind Retter in der Not

Mehr Einsätze für Homburgs THW – und nun fallen auch noch die Zivis weg

Hochwasserkatastrophen, Zugunglücke, Schneechaos: Das Technische Hilfswerk (THW) ist heute an vielen Fronten im Einsatz. Grund genug für den Ortsverband Bad Homburg, den 60. Geburtstag mit einem Tag der offenen Tür zu feiern – und etwas besorgt in die Zukunft zu blicken.

Von Klaus Späne

Bad Homburg. Der Verletzte liegt bewegungslos im ersten Stock, während der Keller nach einem Wasserrohrbruch langsam vollläuft. Ein Horrorszenario für jeden Hausbesitzer, was sich da abspielt. Aber Hilfe ist bereits unterwegs. Sechs Leute montieren am Boden eine Steckleiter, über die drei Leute zu dem am Rücken Verletzten aufsteigen. Der wird in einen Schleifkorb verfrachtet, gesichert und über eine Art Flaschenzug abgeseilt. Auch im Keller ist die Lage derweil unter Kontrolle. Dort haben Helfer den Rohrbruch abgedichtet und das Wasser herausgepumpt.

Der ganze Spuk hat nur wenige Minuten gedauert – und war auch kein Ernstfall. Vielmehr handelte es sich um eine Übung, mit der das Technische Hilfswerk am Montag seine Leistungsfähigkeit zur Schau stellte. Bei dem Verletzten handelte es sich somit nur um eine blaue Stoffpuppe, das vermeintliche Haus war ein Gerüst mit montierter Seitenwand, der Keller ein großes Becken. Grund ist der Tag der offenen Tür auf dem Gelände der THW-Unterkunft, mit dem man zugleich das 60-jährige Bestehen feiert. Aus diesem Anlass demonstriert die Organisation die Bandbreite ihrer Einsatzmöglichkeiten.

Die Fachgruppe Infrastruktur hat eine Dekontaminationsschleuse aufgebaut, in der sie den Besuchern zeigt, wie ein Fahrzeug nach einem Einsatz in verseuchtem Gebiet gereinigt wird. Publikumsmagneten sind die Einsatzfahrzeuge, etwa die Gerätekraftwagen (GKW), mit denen das THW Betonkettensägen, Aufbrechhammer, Schweißgeräte und sonstiges Equipment transportiert. Benjamin Hardt (13) aus Oberursel hat es der Radlader angetan, mit dem sich bis zu 4000 Kilo schwere Gegenstände beseitigen lassen.

Von solchen Fahrzeugen haben Homburgs THWler der ersten Stunde nicht einmal zu träumen gewagt. Das erste Dienstfahrzeug, ein Moped, sei 1953 beantragt worden, erzählt Sprecher Richard Schopp. "Aus Kostengründen wurde es nicht genehmigt." Stattdessen gab‘s ein Fahrrad mit Dreigangschaltung. Das erste motorisierte Fahrzeug erhielt man es erst im Mai 1964.

Ganz anders als früher

In der Dekontaminationsschleuse werden verunreinigte Autos gereinigt. Fotos: jrSeither hat sich einiges verändert beim THW. Nicht nur, dass der Fuhrpark auf 14 Fahrzeuge angewachsen ist. Auch der Hilfsdienst ist mit dem vor 60 Jahren nicht mehr zu vergleichen. Besonders markant war eine Veränderung 1982. Damals wurden die Ortsverbände Bad Homburg und Oberursel zusammengelegt, als in der Urseler Straße eine Unterkunft gebaut wurde, die derzeit renoviert wird.

Bereits zehn Jahre vorher hatte sich schon der Stellenwert des THW verändert, als die Organisation durch eine Gesetzesänderung vom "Zivilschutz im Verteidigungsfall" auf den "friedensmäßigen Katastrophenschutz" umgemünzt wurde. Dies schlägt sich auch in einer Zunahme der Einsätze nieder. "Voriges Jahr waren es 72", bilanziert Ortsbeauftragter Wolfgang Frank. In den Jahren davor seien es immer 40 bis 50 gewesen. Auch dieses Jahr bewege sich die Zahl schon wieder in Richtung 70. Diese zu stemmen, wird allerdings zunehmend schwieriger. Denn wie auch andere Hilfsdienste leidet das THW unter dem Wegfall des Wehrdienstes, der bislang immer auch für Zivildienstleistende sorgte. In diesem Jahr konnte man den Wegfall einigermaßen ausgleichen. Franke: "Die Auswirkungen werden wir wohl erst 2012 richtig merken."

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