Tatort Rathaus

Wie Amtsherren ihre Angestellten vor Attacken schützen und wo sie an Grenzen stoßen

Nach der Messer-Attacke in Oberursel macht man sich auch in anderen Rathäusern Gedanken um das Thema Sicherheit. In einigen Amtsstuben gibt es bereits Alarmknöpfe.

Hochtaunus. Kurz nach der Messer-Attacke im Oberurseler Rathaus stellt sich Bürgermeister Hans-Georg Brum den Fragen der Journalisten. Dabei spielte das Thema Sicherheit eine große Rolle. Foto: Reichwein Die Messerattacke im Oberurseler Rathaus hat die Menschen im gesamten Taunus schockiert. Vor allem in den Amtsstuben macht man sich Gedanken, wie man eine solch abscheuliche Tat verhindern kann. Viele fühlten sich auch noch gut an den Zwischenfall in einem Frankfurter Arbeitsamt vom Mai dieses Jahres erinnert. Eine Frau war damals von einer Polizeibeamtin erschossen worden, nachdem die Täterin zuvor einen Kollegen mit Messerstichen schwer verletzt hatte. Auslöser des Angriffs war ein Streit der Frau mit Angestellten der Arbeitsagentur.

Im Landratsamt gibt es schon seit längerem Sicherheitsvorkehrungen. "Vor allem in den sozialen Bereichen haben wir Mechanismen – die wir allerdings nicht publik machen wollen", sagt Sprecherin Pamela Ruppert. "Sonst würden wir die Sicherheit gleich wieder reduzieren."

Wer das Amtsgericht in Bad Homburg besucht, muss eine Sicherheitsschleuse passieren. Zudem sitzt immer ein Pförtner im Eingangsbereich. Und auch im Finanzamt hat man Vorkehrungen für den Notfall getroffen. So gibt es Alarmknöpfe, über die man Kollegen über den PC über einen Notfall informieren kann. "Aber solche Situationen kommen so gut wie gar nicht vor", erklärt Direktor Kai Wieczorek. Und wenn, dann seien die Mitarbeiter in Deeskalations-Strategien geschult.

Im Bad Homburger Rathaus gibt es keinen konkreten Alarmplan. Allerdings gibt es in einigen Büros einen akustischen Alarm, der per Knopfdruck ausgelöst werden kann. "Generell sind wir ein offenes Rathaus und wollen das auch bleiben", sagt Stadtsprecher Andreas Möring.

"Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht", weiß auch Königsteins Bürgermeister Leonard Helm (CDU). Allerdings seien die Mitarbeiter angehalten, sich zu melden, wenn sich jemand auffällig verhält. Den Einsatz von Scannern oder Kameras hält Helm für nicht verhältnismäßig. "Nach dem Vorfall in Oberursel sollten wir jedoch bei Gelegenheit zusätzliche Schulungen für die Mitarbeiter in Erwägung ziehen. Wichtig ist, dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht zu so einem Ernstfall kommt", so Helm.

Klicken, um weiterzulesen: Instinkt ist gefragt

Instinkt ist gefragt

Kronbergs Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) verweist darauf, dass die Tat in Oberursel ein absoluter Ausnahmefall sei. Etwas Ähnliches sei in Kronberg in den vergangenen Jahren nicht vorgekommen. Selbst in den Bereichen der Stadtverwaltung, wo es möglicherweise ein höheres Konfliktpotenzial gebe, Temmen nannte als Beispiele die Bauplanung oder das Ordnungswesen, hätten die Auseinandersetzungen nie den Rahmen des Verbalen verlassen. In solchen Situationen sei dann der Instinkt der Mitarbeiter gefragt.

In Neu-Anspach soll in den kommenden Jahren ein neues Rathaus entstehen. "Dabei denken wir an die Installation von Panik-Tasten", sagt Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU). Zu überlegen sei, ob diese mit der Ordnungspolizei in der Stadtverwaltung oder der Polizeistation in Usingen verbunden werden. Letztere bräuchte allerdings einige Minuten, bis sie im Rathaus ankommt. "Da geht‘s dann nur noch um die Festnahme", sagte Hoffmann. Vielleicht könnten jedoch die Ordnungspolizisten eine Attacke verhindern. "Die sind mit einem waffenscheinpflichtigen Pfefferspray ausgerüstet", sagt Hoffmann. Ausschließen könne man eine solche Attacke ohnehin nicht. "Da müsste man Maßnahmen ergreifen, die das gewünschte Prinzip der Bürgernähe ad absurdum führen würden."

Klicken, um weiterzulesen: Können Code-Wörter helfen?
Gregor Sommer (CDU) kann den Schrecken nachvollziehen, der bei den Rathausmitarbeitern in Oberursel geherrscht haben dürfte. "Mich hat ein Mann im Rathaus vor einigen Jahren mit dem Messer bedroht", erinnert sich Wehrheims Bürgermeister. "Ich konnte den Mann so weit beruhigen, dass er das Messer weggelegt hat", so Sommer, der sich zu dem Vorfall nicht weiter äußern wollte. "Zu hundert Prozent kann man so einen Vorfall auch nicht ausschließen." Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) will die Messerstecher-Attacke zum Anlass nehmen, über konkrete Maßnahmen nachzudenken. "Im Landratsamt hatten wir für solche Situationen Code-Wörter, mit denen Hilfe alarmiert werden konnte." Glashüttens Bürgermeister Thomas Fischer (CDU) ist "schockiert" über das, was in Oberursel vorgefallen ist. "Wir haben eine Videoüberwachung im Eingangsbereich, zu den Sprechzeiten sind aber natürlich alle Türen für die Bürger offen", sagt Fischer.

Ausweise an der FIS

Aber auch an der Frankfurt International School (FIS) in Oberursel wird Wert auf Sicherheit gelegt. Der riesige Campus ist umzäunt und am Haupttor sowie an der Primary School an der Alfred-Lechler-Straße gibt es Zugangskontrollen. Lehrer und Personal müssen einen Ausweis tragen. "Besucher können also nicht einfach so das Gelände betreten", so Vera Thiers, die für die Pressearbeit der Schule zuständig ist. Seite 21

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