Villa Winter: Schicksal besiegelt

Sozialausschuss stimmt Schließung des Kronberger Jugendzentrums zu – Oberhöchstadt wird gut angenommen

In der Praxis ist das Jugendzentrum Villa Winter schon längst "vom Netz". Jetzt wurde die Schließung vom Fachausschuss festgezurrt. Die Sozialarbeiter sind gar nicht traurig drum.

Von Boris Schöppner

Kronberg. Diese Jugendliche fühlen sich beim Kinoabend im Jugendzentrum Oberhöchstadt wohl. Die Villa Winter in Kronberg hat geschlossen. Foto: SchöppnerDie Mitarbeiter des Jugendzentrums in Oberhöchstadt dürften die Entscheidung des Kultur- und Sozialausschusses am Mittwochabend mit Erleichterung aufgenommen haben. Nicht, dass sie sich freuen, dass das Jugendzentrum Villa Winter im Zentrum Kronbergs dicht gemacht wird. Aber die Sicherheit, dass sie sich jetzt auf die Arbeit in Oberhöchstadt konzentrieren können, dürften sie begrüßen. Darauf, dass sie sich jetzt daran machen können, ihre neue pädagogische Konzeption in die Praxis umzusetzen, haben sie sich gefreut. Eine langwierige Diskussion in den politischen Gremien wäre den engagierten Mitarbeitern wie verlorene Zeit vorgekommen. Eine Zeit der Verunsicherung, denn wie sollten sie sich auf die neuen Aufgaben einstellen, wenn es nun eine politische Mehrheit gegeben hätte, die Villa Winter doch noch als Jugendzentrum zu halten, das Jugendzentrum mit aller Gewalt am Leben zu halten?

Punkt des Umbruchs

In der Sitzung machte Marion Bohn-Eltzholtz, die Leiterin des Fachbereichs Soziales, Kultur und Bildung, noch einmal darauf aufmerksam, dass die Villa Winter auch ohne Stellenkürzung an einem "Umbruchpunkt" angekommen war, an einem Punkt, an dem überlegt werden musste, wie es mit dem Jugendzentrum hätte weitergehen sollen. Denn obwohl der Raum top ausgestattet war, gingen die Besucherzahlen zurück. Das ursprüngliche Konzept hat, so erzählen es zumindest die Sozialarbeiter, nicht mehr gegriffen.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: So sollten Jugendliche von der Straße, beziehungsweise vom Berliner Platz und aus dem Schulgarten geholt werden, die sich dort zum Saufen trafen. Den Nachschub für das feuchte Hobby erhielten sie ganz praktisch beim örtlichen Supermarkt. Nun lässt sich leicht vorstellen, dass sich nicht jeder Jugendlicher oder junger Erwachsener, der hochprozentige Alkoholika trinken will, von einem Angebot in einem Jugendzentrum angesprochen fühlt. "Wir können nicht alle Jugendliche erreichen", erklärte Sozialarbeiter Uwe Urban. Schließlich könne man Jugendliche nicht dazu zwingen, das Jugendzentrum zu nutzen. Zudem hätte ein zum Teil schwieriges Klientel dafür gesorgt, dass andere Jugendliche der Villa fernblieben.

Wäre die Stelle in Kronberg nicht gekürzt worden, wäre für die Villa Winter ein neuer Schwerpunkt gesetzt worden: der der Jugendkulturarbeit, schließlich eignet sich der große Raum vor allem für Veranstaltungen. Ein solches Konzept wäre vermutlich jedoch nicht geeignet gewesen, jene Jugendliche anzusprechen, die in der Öffentlichkeit unangenehm aufgefallen waren.

"Ressourcen orientiert" nennt Bohn-Eltzholtz die Entscheidung, die Arbeit in Oberhöchstadt zu konzentrieren. Die Praxis hat übrigens jene Befürchtungen widerlegt, wonach Kronberger Jugendliche das Angebot in Oberhöchstadt nicht annehmen würden. Am Freitag vor einer Woche erlebten die Mitarbeiter im Juz Oberhöchstadt einen regelrechten Run. Rund 60 Jugendliche waren gekommen, darunter auch etliche aus Kronberg. "Wir waren froh, dass wir zu viert waren", erzählte Andreas Ramp.

Die Fraktion der Grünen macht sich ohnehin sorgen darüber, ob die Personaldecke in Oberhöchstadt ausreicht, um die Mehraufgaben zu bewältigen. Mit einem entsprechenden Antrag scheiterten sie jedoch in der jüngsten Sitzung. Sie hatten eine Aufstockung der Stellen und des Sachmittelpostens gefordert.

Keines der Ausschussmitglieder votierte für den Antrag der KfB-Fraktion, die dafür plädiert hatte, "die personellen Voraussetzungen zu schaffen, dass die Kinder- und Jugendarbeit in der Villa Winter umgehend wieder aufgenommen werden kann".

Noch nicht überzeugt zeigten sich die Stadtverordneten von der Idee, ein ausgedientes Feuerwehrfahrzeug für die Jugendarbeit zu nutzen. An dem Konzept, wie das Gefährt eingebunden werden kann, feilen Stadtverwaltung und Sozialarbeiter noch.

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