Wenn Länder auf Ramschniveau gestuft werden

Wie viel Macht haben Ratingagenturen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Finanzexperten und Besucher bei einem Diskussionsabend. Dabei zeigte sich, dass das Geschehen in der Finanzwelt auch von Bad Homburg aus mit beeinflusst wird.

Von Klaus Späne

Bad Homburg. "Standard & Poor’s droht Deutschland und anderen EU-Staaten mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit." "Fitch, hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands erneut heruntergestuft. Die Bonität der Regierung in Athen wird nur noch mit CCC bewertet." "Die chinesische Ratingagentur Dagong hat die Kreditwürdigkeit Frankreichs herabgestuft. " Schlagzeilen wie diese versetzen seit Wochen und Monaten Börsen und Regierungen in heillose Aufregung, verunsichern Otto Normalverbraucher und lassen bei vielen Zeitgenossen immer häufiger die Frage aufkommen: "Wird die Welt eigentlich von einigen Finanzhaien beherrscht?

An Zündstoff herrschte also keine Mangelware bei der letzten Ausgabe der "Bad Homburger Gespräche" der Friedrich Naumann Stiftung in diesem Jahr. "Die Macht der Ratingagenturen" lautete das Thema des Abends, das erstaunlich viele Menschen ins Hotel Steigenberger lockte.

"Die Ratingagenturen sind Privatunternehmen, die keine demokratische Legitimierung haben", stellte Referent Dr. Andreas Buschmeier, Berater für Finanzkommunikation und Rating sowie Lehrbeauftrager an der Uni Kassel, die Rolle der Finanzdienstleister klar. Diese gäben reine Meinungsäußerungen über die künftigen Entwicklungen von sich. "Das ist ein bisschen wie die Wettervorhersage", meinte Buschmeier. Probleme dabei sei die mangelnde Transparenz der Methoden für die Bonitätseinschätzungen sowie die zumindest bis zum Ausbruch der Finanzkrise fehlende Regulierung. Dies versuche die Europäische Union nun nachzuholen. Diskutierten Lösungsansätzen wie eine Zerschlagung der Rating-Riesen oder die Gründung einer Agentur durch die Europäische Zentralbank erteilte er eine Absage.

Als eines der größten Dilemmas nannte Buschmeier aber das zurzeit noch herrschende Oligopol. 95 Prozent des Weltmarktes kontrollieren die US-Ratingagenturen Standard&Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch, die restlichen fünf Prozent des Kuchens teilen sich 157 weitere Agenturen, zu denen unter anderem auch die in Bad Homburg ansässige Feri EuroRating Services gehört, die auf Länder-Ratings spezialisiert ist.

Lieber mehr Meinungen

"Die Herabstufungen haben nicht zur Verschärfung der Krise beigetragen", rückte Axel D. Angermann, Geschäftsleitungsmitglied von Feri, aus seiner Sicht den Einfluss der Ratingagenturen zurecht. Deren Aufgabe sei es, die Anleger vor einem Verlustrisiko zu warnen. Es sei nun an der Politik, für mehr Wettbewerb in diesem Bereich zu sorgen. "Darin würden wir uns ganz wohlfühlen", machte Angermann deutlich, dass das herrschende Oligopol aufgelöst werden müsste. Noch gebe es aber Vorschriften, die die Macht der drei Großen zementierten. Dieser Meinung teitle auch Björn Sänger, FDP-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Finanzausschuss. Sein Credo: "lieber mehr Meinungen als mit der Haftungskeule drohen." Damit werde die Prognosefähigkeit erhöht.

Wird es in fünf Jahren mehr Ratingagenturen und mehr Regulierung mit einer richtigen Haftung geben? fragte FDP-Bundestagsabgeordneter Dr. Stefan Ruppert, der die Diskussion leitete, in die Runde. "Es müssen zumindest mehr als drei Agenturen akzeptiert werden", meinte Andreas Buschmeier. Und Feri-Experte Angermann war sich sicher, dass es eine weitergehende Regulierung geben wird, bei der die Methoden der Agenturen und die Qualifikation ihrer Mitarbeiter überprüft wird. "Es geht auch um die Rückgewinnung von Vertrauen", so das Fazit von Ruppert. Dies könne aber nicht holzschnittartig geschehen.

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