Wie Ulrich Krebs sich durchboxt

Landrat hält sich mit einem Personaltrainer fit – Und wenn nicht, gibt’s Ärger mit dem Vorzimmer

Wie hält sich ein Landrat eigentlich fit – und das auch noch zu Wahlkampfzeiten? Landrat Ulrich Krebs (CDU) hat einen Personaltrainer, der ihn auf Zack bringt. TZ-Redakteur Marc Kolbe hat sich der unbekannten Seite des bekannten Politikers gewidmet und Ähnlichkeiten mit einer Legende ausgemacht.

Hochtaunus. Projektion ist alles: Wessen Konterfei Landrat Krebs wohl auf den Pratzen seines Personaltrainers Christoph Hermes sieht? Die Szenerie hätte jedem Rocky-Film zur Ehre gereicht: Es ist kalt und feucht. Große Pfützen säumen die Feldwege. Am diesigen Horizont ist die Skyline von Frankfurt verschwommen zu erkennen. Ein unwirtliches Wetter, bei dem man nicht mal seinen Hund vor die Tür schicken würde. Doch zwei Männer haben sich draußen am Ober-Eschbacher Feld nahe der Walter-Böckel-Ruh‘ getroffen, um Sport zu treiben. Ansonsten ist weit und breit niemand zu sehen; nur ein Spaziergänger kommt vorbeigelaufen, den Kragen hochgeschlagen, die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Doch der nimmt keine Notiz von den beiden Sportlern. Ja, hier draußen, wo der Wind pfeift und man nur das Rauschen der nahen Autobahn hört, würde sich Rocky Balboa auch wohlfühlen. Hier würde sich der berühmte Filmboxer auf seinen nächsten Fight vorbereiten – vielleicht auf den Kampf gegen Apollo Creed.

Auch einer der beiden Sportler auf dem Feldweg bereitet sich auf einen Kampf vor, auf einen Wahlkampf – das Landrats-Duell gegen Herausforderer Norman Dießner (Grüne). Gedresst mit einer Sporthose, Funktionsjacke und orangefarbenem T-Shirt (Aufdruck: "Hochtaunuskreis . . . da läuft‘s") quält sich der amtierende Landrat Ulrich Krebs (CDU) durch sein ganz persönliches Fitness-Programm.

Der Mann an seiner Seite ist Christoph Hermes – Sportwissenschaftler und Personaltrainer beim Netzwerk Privates Training. Er ist sozusagen der "Mickey" Goldmill (Rockys Coach) des Landrats. Seit einem Jahr arbeitet Hermes an der Fitness von Krebs. Interessant: Das erste Treffen fand am 22. Januar vergangenen Jahres statt – exakt ein Jahr vor dem Termin zur Landratswahl.

"Ich mache das zum Ausgleich, um Stress abzubauen", betont Krebs und schiebt die Erklärung, warum er mit einen Personaltrainer arbeitet, gleich hinterher: "Geht man ins Fitnessstudio, gibt es tausend gute Gründe, warum es gerade heute nicht geht. Hat man einen Termin mit dem Coach, gibt es kein Entrinnen." Außerdem gibt es da ja noch die vier Damen aus dem Vorzimmer von Krebs. "Die sind mit Herz und Seele bemüht, ihren Landrat in Form zu bringen", verrät Hermes, wer seine besten Verbündeten im Landratsamt sind. Wenn‘s hinhaut, wird mehrmals in der Woche geschwitzt, mindestens aber ein Mal. Besonders beliebt: das Fitness-Boxen. "Daran hat der Landrat besonders Spaß." Und schon stehen sie sich gegenüber, und der Landrat haut mit seinen Boxhandschuhen auf die Pratzen seines Coaches ein. Jeder Schlag eine verspeiste Weihnachtsgans – und davon muss ein Landrat einige futtern.

Keine Zeit für Tennis

Früher hat Krebs gerne Tennis gespielt, das ist jetzt mit seinem Terminplan nicht mehr kompatibel. "Wer hat schon Lust, abends um 22 Uhr noch den Schläger zu schwingen?", fragt Krebs. Denn in der Regel endet sein Arbeitstag erst um diese Zeit. Aber er jammert nicht, schließlich hat er sich das selbst ausgesucht. Das Nordic-Walking, dem er noch als Flörsheimer Bürgermeister frönte, hat ihn nie gepackt. Bleibt noch das Skifahren. "Das mache ich zur Not auch untrainiert."

Wenn Coach Hermes so was hört, trifft ihn der Schlag, das geht doch nicht. Also packt er gleich den vier Kilo schweren Medizinball aus, mit dem der Rumpf gestärkt wird. Das ist wichtig, vor allem wenn man viel im Sitzen arbeitet.

Um abzuschalten fährt der Bundesbürger gerne mal in den Urlaub. Und ein Landrat hat doch auch feste Urlaubstage, oder? Krebs: "Vergangenes Jahr habe ich erstmals, seit ich Landrat bin, drei Wochen Urlaub am Stück gemacht. Aber selbst dann reist der Job mit." Was er sich aber nicht nehmen lässt ist das verlängerte Ski-Wochenende mit Freunden. Auch wenn die Pflege von persönlichen Freundschaften schwer geworden ist. "Es tut einem schon leid, wenn man Einladungen wegen Terminkollisionen absagen muss." Es gebe nun mal Projekte, bei denen irgendwie nie alles erledigt ist, die eine permanente Begleitung notwendig machen. "Nehmen Sie die Kliniken, da will man auch persönlich, dass alles gut läuft."

Gut läuft es auch, wenn der Coach an den "weltbesten Fettverbrenner" bittet, die Eisenkugel mit praktischen Haltegriff. Beim Kettlebell-Training wird das Gewicht hin und her geschwungen. Dann ist es ja auch nicht schlimm, dass man dabei aussieht wie die starken Männer auf dem Jahrmarkt. Gut ist, was gut tut.

Wenn es die Zeit zulässt, gibt sich der Landrat auch dem Fußball hin – allerdings als Fan. Die Eintracht ist seine große Liebe. Zuletzt hat er das Heimspiel gegen Fürth im Stadion gesehen. "Na ja, das war nicht so berühmt." Wenn er morgens die Zeitung aufschlägt – Achtung, das ist jetzt ein Geheimnis – liest er als erstes den Sportteil. Ansonsten ist das mit Hobbys so eine Sache, die Termine und so. "Ich lese gerne, Belletristik, Biografien und historische Romane." Krupp-Manager Berthold Beitz war zuletzt an der Reihe. Früher ist er gerne mal durch Antiquariate oder über Flohmärkte geschlendert, ganze Nachmittage gingen dafür drauf. Aber heute . . ., nein, nicht schon wieder von Terminen sprechen.

Ob er in seinen Büchern schon mal etwas über Burpees gelesen hatte, bevor er seine sportliche Seele an Coach Hermes verkauft hat? Nun, jetzt weiß Krebs, was es bedeutet, Burpees zu machen. Da geht es aus dem Stand in die Liegestütze, wieder zurück auf die Beine und dann in einen Strecksprung. "Ein heftiges Konditionstraining, klassische Militärübung", erklärt Hermes, und der Landrat keucht.

Frankfurt inkognito

Macht nichts, es erkennt ihn ja keiner. Das ist übrigens auch so, wenn er mit seiner Freundin Daniela in Frankfurt ausgeht. "Da ist es von Vorteil, Vorsitzender des Kulturfonds zu sein; man wird zu interessanten Veranstaltungen eingeladen." Das ist Zeit zum Genießen. "Im Hochtaunuskreis wird man halt doch sehr häufig angesprochen. Das ist schon in Ordnung – aber manchmal ist es eben schön, inkognito zu bleiben." Kommt ja auch selten genug vor, fügt er hinzu.

Übrigens: Krebs will sein Training auch nach dem "Fight" am kommenden Sonntag gegen Norman Dießner (Grüne) fortsetzen. Er ist überzeugt, den entscheidenden Punsch landen zu können. Obwohl der Kampf ja eigentlich unfair ist: unterschiedliche Gewichtsklassen. Aber das hat Rocky Balboa auch nie gestört.

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