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Zoo: Kein Platz für wilde Tiere?
Dr. Thomas Kauffels schlägt angesichts der Forderungen von Naturschützern Alarm
Stehen der Opel-Zoo und auch andere Zoos vor dem Aus? Davor warnt der Direktor des Kronberger Tierparks, der sich derzeit in einer Bundestagskommission mit den Forderungen von Tierschützern auseinandersetzen muss.
Von Klaus Späne
Kronberg. ![]()
Ginge es nach Tierschützern, dürften Elefanten im Opel-Zoo nicht mehr gehalten werden. Archiv-Foto: Schöppner Keine Elefanten, keine Giraffen, keine Geparden: Ein Opel-Zoo ohne diese Tierarten ist nur schwer vorstellbar. Die Zukunft für den Tierpark könnte aber noch düsterer ausfallen, warnt Dr. Thomas Kauffels. "Wenn sie sich mit ihren Forderungen durchsetzen, ist der Zoogedanke gefährdet, dann hätte die Kronberger Einrichtung nur noch sieben Tierarten." Mit "sie" meint der Direktor des Opel-Zoos die Vertreter verschiedener Tier- und Naturschutzverbände, mit denen Kauffels, der auch Präsident des Verbandes der Deutschen Zoodirektoren ist, sich seit vorigem Jahr alle zwei Monate in einer Kommission zusammensetzt. Anlass ist das sogenannte Säugetiergutachten (siehe "Zum Thema").
Dieses Papier formuliert die Mindestanforderungen an die Haltung von rund 4500 Säugetierarten. Seit 1996 bestehen die Standards, die nun nach einem Beschluss des Bundestags überarbeitet werden, weil mittlerweile teils neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Unter der Regie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) versucht daher eine zehnköpfige Expertengruppe, diese in eine neue Orientierungshilfe in Sachen Tierhaltung umzusetzen.
Sechs Mal hat die Kommission bislang getagt, und was die Tier- und Naturschützer an Forderungen vorgebracht haben, hat Kauffels so sehr in Rage gebracht, dass er gestern Alarm geschlagen hat. Um seinen Anliegen mehr Gewicht zu geben, hat sich Kauffels Unterstützung in Gestalt der Bundestagsabgeordneten Hans-Michael Goldmann, Dr. Erik Schweickert und Dr. Stefan Ruppert (alle FDP) geholt, die sich auch ein Bild von der Situation im Opel-Zoo machten.
"Ich bin ziemlich geladen", schickt der Zoodirektor seinen Ausführungen voran und nennt konkrete Beispiele. So hätten die Tierschützer für Elefanten das 40-Fache der Fläche gefordert, wie sie noch im Gutachten von 1996 enthalten ist. Dabei sei gerade das Gehege im Opel-Zoo von 1958 bis 2005 die größte Außenanlage für Elefanten in deutschen Zoos gewesen. Und derzeit laufen gerade die Planungen für eine neue Anlage.
Ein anderes Beispiel sei die Forderung, dass Delfine 850 Meter geradeaus schwimmen dürfen. Wenn sich solche und andere Standards durchsetzten, wäre das "faktisch die Eliminierung der Tierhaltung in Zoos", befürchtet Kauffels.
"Das geht in die falsche Richtung", gibt Hans-Michael Goldmann dem Zoo-Direktor Rückendeckung. "Wir wollen Verbesserungen, wo sie notwendig sind, wir wollen aber weiterhin die Wildtierhaltung in den Zoos ermöglichen." Man sei nicht gegen eine periodische Überprüfung des Säugetiergutachtens, sagt sein Parteikollege Schweickert. Die Tier- und Naturschutzorganisationen wollten aber in der Kommission keine Verbesserungen umsetzen, sondern Verbands- und Interessenspolitik.
Zoos haben Nachholbedarf
"In der Arbeitsgruppe sind Tierschutzorganisationen, die das Thema instrumentalisieren, weil sie grundsätzlich gegen Zoos sind. Ihnen fehlt aber der Fachverstand", sagt auch der Direktor des Frankfurter Zoos, Professor Manfred Niekisch. Er sieht den künftigen Mindeststandards gelassen entgegen. Angst, seinen Tiergarten deswegen schließen zu müssen, hat er keine. "Die Richtlinien haben durchaus ihre Berechtigung. Und dass einige Zoos Nachholbedarf haben, das sehen wir auch bei uns." Neue Standards würden die Bemühungen der Zoos beschleunigen, zu kleine und ungeeignete Gehege zu modernisieren. In Frankfurt würden etwa die Gehege für Flusspferde und Nashörner keiner Überprüfung standhalten.
Er sei zuversichtlich, dass am Ende der Beratungen "etwas Vernünftiges herauskommt". Vorausgesetzt, dass sich Fachverstand und wissenschaftliche Erkenntnisse durchsetzen. Daran glaubt auch Goldmann, der als Vorsitzender des Bundestagsauschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein gewichtiges Wort bei der Reform des Säugetiergutachtens hat. Er zeigt sich optimistisch, dass auch die Tierschützer von ihren Maximalforderungen abrücken und zu einem Konsens bereit sind. Das letzte Wort hätten sowieso die Parlamentarier. Goldmann: "Wir nehmen Einfluss auf die Umsetzung des Gutachtens."


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