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Zwei Profis beim Fassanstich
Feuerwehr freut sich über Tausende von Besuchern bei der Weißkirchener Kerb
Kerbeburschen oder Kerbebaum sucht man vergeblich auf der Weißkirchener Kerb. Dafür findet man viel gute Live-Musik von jungen Rockbands, eine Weinlaube und ganz viele Brandbekämpfer, die mit großem Engagement das Mega-Ereignis im Ort auf die Beine stellen. Und Bosner bekommt man auch.
Von Manuela Reimer
Weißkirchen. ![]()
Ortsvorsteher Nikolaus Jung (Mitte) schenkte, unterstützt von Thorsten Schorr, das Freibier aus. Fotos: ReichweinWer oder was sind denn Bosner, werden Sie sich vielleicht fragen – zumindest dann, wenn Sie am Samstag zwischen 17 und circa 21.30 Uhr nicht auf der Weißkirchener Kerb am Feuerwehrhaus waren. In Rekordzeit war die oberösterreichische Spezialität zu je 3 Euro in diesem Jahr ausverkauft.
"Das san die Bosner-Weckerl", deutet Horst Neulinger auf die Weizen-Baguettebrötchen, Pardon, Weckerl, die auf dem Grillrost gerade knusprig angebraten werden. Der Feuerwehrmann aus Weißkirchen an der Traun (Österreich) ist mit sieben Mitstreitern eigens zur Kerb angereist, um hier 300 Portionen des gehaltvollen Snacks zu verkaufen. Ins Weckerl kommen gleich zwei Würste – "eigentlich goanz normale Bratwürste" – und dazu die spezielle Bosner-Soße. Geheime Zutaten, mehr will der Österreicher dazu nicht verraten.
Ein bisschen ähnelt das Ganze einem Cocktail-Dressing, könnte der deutsche Laie vermuten. Doch nicht nur Würste und Soße machen den Bosner, nein, zusätzlich werden gehackte rohe Zwiebeln ins Weckerl gegeben und eine Prise Curry streuen die Experten auch noch oben drauf. Wer es extra-scharf mag, dem empfiehlt Neulinger, ein paar der frisch geschnittenen Chili-Schoten dazuzunehmen. Das mundet im Taunus.
Seit acht Jahren kommen die Österreicher nunmehr zur Kerb. Der Kontakt entstand über Weißkirchener Brandbekämpfer, die die Kameraden in Österreich besuchten. "Es ist zur Tradition geworden und eine sehr erfolgreiche Kooperation", sagt der hiesige Wehrführer Dirk Brandstädter, seines Zeichens auch Vorsitzender des Feuerwehr-Fördervereins, dessen Kerbeausschuss die Weißkirchener Kerb organisiert. Dort gilt: von den Brandbekämpfern für die Brandbekämpfer. Denn alle Überschüsse, auch aus dem Bosner-Verkauf, kommen ausschließlich der heimischen Feuerwehrarbeit zugute. Dafür hängen sich die Kameraden richtig rein, 1155 ehrenamtliche Stunden sind es, wie Ortsvorsteher Nikolaus Jung (CDU) bei der offiziellen Eröffnung betont. Dazu kommen 102 Stunden der Jugendwehr, denn auch die Kleinsten tun bei der Kerb alles dafür, ihren Gästen ein tolles Fest zu bieten.
Erfolgsgeschichte
Ein mehr als löblicher Einsatz. Und so dankt auch Stadtkämmerer und Feuerwehrdezernent Thorsten Schorr (CDU) den großen und kleinen Helfern, dass sie dieses "zentrale Fest von Weißkirchen organisieren". Und er fordert die Kerbbesucher auf: "Bleiben Sie am besten gleich alle drei Tage hier am Festplatz!" Am Samstag lohnt es sich in jedem Fall, mit von der Partie zu sein, denn nach der Begrüßung nehmen Schorr und Jung fachmännisch den Fassanstich vor, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Und danach gibt‘s erst einmal Freibier.
Auch das Programm am Freitagabend lockte die Besucher zur Kerb. Knapp 1200 Menschen wollten den sechs jungen Bands lauschen, die mächtig Stimmung machten. "So viel Publikum war noch nie da", freut sich Martin Jung, Vorsitzender des Kerbeausschusses. Aber auch sechs Gruppen waren es seit 2008 noch nie, als der Freitag erstmals Jugendbands gewidmet wurde. Eine Erfolgsgeschichte also, die Fortsetzung findet. "Aber mehr als sechs Bands gehen nicht, das ist das Maximum", schränkt Jung ein. Klar, spielt doch jede Gruppe weit über eine Stunde. Wer es ruhiger mag, für den gibt‘s die Weinlaube im Feuerwehrhaus, in der es sich gepflegt einen guten Tropfen genießen lässt. Für alle wollen sie etwas bieten, betonen Jung und Brandstädter unisono, und das werde auch angenommen. Bei all dem Engagement – ohne Sponsoren geht es trotzdem nicht. "Vor zwei Jahren haben wir Geld drauflegen müssen", erklärt Jung, wie es zu der Idee kam. Mit Sponsoren-Unterstützung konnte im letzten Jahr dann ein Rekordbetrag – "im vierstelligen Bereich" – in die Kassen fließen. Ob der wohl heuer mit 24 Sponsoren geknackt wird?
Der Samstagabend jedenfalls mit dem "Aischtal-Express" lief ebenfalls super. "Der Besuch war sehr gut, die Band hat eine tolle Stimmung gemacht. Und alles blieb wie schon am Freitag friedlich", so Dirk Brandstädter. Heute gibt‘s pünktlich um 12 Uhr Erbsensuppe, später die Abschlussparty. Und Bosner wieder im nächsten Jahr.


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