Fremde Riten und Gebräuche
Trotz enormer technischer Möglichkeiten wie Satellitennavigation oder Google Earth gibt es immer noch einige Regionen weltweit, die topographisch nicht vollständig erschlossen sind. Papua Neuguinea, das Amazonasdelta und – Niederbayern.
Kurz hinter Passau dringt man in eine seltsame Welt fremder Riten und Gebräuche ein. Düster dreinblickende Menschen mit Gamsbärten und Lederhosen sitzen mit der Ausdruckslosigkeit eines toten Karpfens dicht gedrängt in alkoholgeschwängerten Räumen und kommunizieren in einer seltsam abgehackt klingenden Sprache, die gänzlich ohne die erste, geschweige denn die zweite Lautverschiebung auszukommen scheint.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Region jedoch hochinteressant. Viele Niederbayern sind bis heute der Auffassung, dass die Erde eventuell doch eine Scheibe sein könnte. Wenn der Nachbar für ein paar Tage die Gegend verlässt, wird im ganzen Dorf gemunkelt: «Der Josef? Der ist bestimmt hinter Landshut über die Kante gerutscht...»
Sogar auf fundamentale physikalische Grundfragen findet man in Bayern Antworten. Zum Beispiel war es lange Zeit vollkommen ungeklärt, warum es feste Materie gibt. Ein Tisch besteht aus einer regelmäßigen Anordnung von Atomen. Diese Atome wiederum bestehen zu 99,999999 Prozent aus leerem Raum.
Wenn Sie zum Beispiel ein beliebiges Atom auf die Größe der Allianz-Arena aufblasen würden, dann wäre der Atomkern etwa so groß wie eine Stecknadelkopf, ganz außen auf den billigen Plätzen würden winzig klein die Elektronen herumschwirren und dazwischen wäre absolut NICHTS.
Warum aber bleibt dann auf einem Tisch trotzdem ein Bierglas stehen? Der Grund liegt nicht an der Materie selbst, sondern einzig und alleine an den elektromagnetischen Abstoßungskräften der Elektronen. 1924 fand der österreichische Physiker Wolfgang Pauli heraus, dass sich zwei Elektronen im gleichen Zustand so abstoßend finden, dass sie sich niemals am gleichen Ort aufhalten können.
Das ist der Grund, weshalb es feste Materie gibt. Dieses sogenannte Pauliverbot ist also dafür verantwortlich, dass ein Bierglas nicht durch die Tischplatte fällt, aber auch für den Rücktritt des Ministerpräsidenten Edmund Stoiber durch die Fürther Landrätin Gabriele Pauli.
Es gibt nur ein einziges Phänomen, in dem das Pauliverbot ausgehebelt wird: Schwarze Löcher. Ein Begriff, der ebenfalls nicht zufällig an die CSU erinnert. Physikalisch entstehen Schwarze Löcher, wenn ein großer, altersschwacher Stern aufgrund seines eigenen Gewichts zusammenbricht (wer noch Franz Josef Strauss kannte, weiß, was gemeint ist).
Dieser Zusammenbruch setzt sich unaufhaltsam fort, bis der Stern unendlich dicht geworden ist. Und zwar so dicht, dass sogar die Abstoßungskräfte der Elektronen aufgehoben werden.
Die Eigenschaften eines solchen Schwarzen Loches sind höchst bizarr: Überschreiten Sie eine magische Grenze, den sogenannten Ereignishorizont (in Bayern «Weißwurstäquator» genannt), dann haben Sie keine Chance, jemals wieder zurückzukehren.
Denn Schwarze Löcher sind Einbahnstraßen. Ihre Anziehungskraft ist so stark, dass nichts, noch nicht einmal das Licht, das Innere verlassen kann. Jede Form von Materie oder Information (wie z.B. Parteispenden, Schmiergelder oder Baupläne für den Transrapid) sind also unwiederbringlich verloren.
Was aber passiert innerhalb eines Schwarzen Loches (respektive der CSU-Zentrale)? Über diese Frage zerbrechen sich Kosmologen und Elementarteilchenphysiker den Kopf. Denn das schwarze Zentrum ist für alle Außenstehenden tabu. Hier versagen sämtliche physikalische Messmethoden.
Daher kann man über die Vorgänge im Inneren lediglich Mutmaßungen anstellen. Nicht wenige Fachleute sind der festen Überzeugung, dass in einem Schwarzen Loch Raum und Zeit vollständig stillstehen muss. Aber das wissen die Niederbayern schon seit Ewigkeiten.


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