13.09.2010

Abgrundtief lachen und schaudern

«Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug» heißt der Roman, mit dem Kurt Vonnegut berühmt wurde. «Ein dreifach Hoch auf die Milchstraße!» versammelt unveröffentlichte Geschichten aus dem Nachlass des amerikanischen Schriftstellers.

Es gibt diese seltenen Momente im Leben, in denen alles genau so zu sein scheint, wie man es sich wünscht. Kurt Vonnegut ist ein Meister im Aufspüren solcher Situationen. Henry zum Beispiel, ein kleiner Tüftler in einer Firma namens «Akustiplus» (das Buch hat Harry Rowohlt übersetzt), gelingt eines Tages der ganz große Wurf. Ein unscheinbares Gerätchen, das Wunderbares kann: denjenigen, der mit ihm spricht, wirklich verstehen. «Confido» nennt Henry die Box. Unterdrückte Träume von Unabhängigkeit und Reichtum rücken in den Bereich des Möglichen. «Mit dem Leben anfangen, statt nur zu existieren», jubelt Henry. Das Gerät läuft einwandfrei, aber es öffnet den Blick in Abgründe. Wenn sich der Mensch wirklich versteht, hat er nichts mehr zu lachen.

Diese Abgründe sind es, die Vonnegut eigentlich interessieren. Ein unbescholtenes Paar will in «Ed Lubys Schlüsselclub» seinen 14. Hochzeitstag feiern und gerät in einer korrumpierten Stadt in einen aberwitzigen Strudel aus Mord und infamen Verleumdungen. Der Besuch zweier Stadtinspektoren bei einem Hypnotiseur führt zu einem blutigen Geballere in einem Spiegelkabinett, in der die Frage, wer gut ist und wer böse, bis zur kompletten Orientierungslosigkeit des Lesers durcheinandergeschüttelt wird.

Vonnegut schreibt schnell, hart – und witzig. An zwei, drei Stellen geht der Gaul mit ihm durch und seine auf realistisch getrimmten Schilderungen kippen ins Unwahrscheinliche. Schade– aber was sind zwei, drei Stellen gegen 14 alles in allem wunderbare Geschichten.

Kurt Vonnegut: «Ein dreifach Hoch auf die Milchstraße». Kein & Aber, Berlin. 288 S., 18,90 Euro

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