30.08.2010

Die Stasi in den Köpfen

«Die komische Frau»: Ricarda Junge erzählt in ihrem Roman von den Erlebnissen einer Mutter aus Westdeutschland in einer Ostberliner Wohnung.

Am Anfang eine lockere Junge-Leute-wollen-sich-etablieren-Story, in der Mitte eine Gespenstergeschichte, zum Schluss ein Stasi-Spitzel-Nachwende-Verschwörungstraktat. Die Erzählerin hat sich von ihrem Freund getrennt. Sohn Adrian erzieht sie allein – in ihrer jüngst bezogenen Wohnung in der Berliner Karl-Marx-Allee. Dort stehen die stalinistischen Vorzeigewohnungen der DDR-Zeit. Und dort geht nicht alles mit rechten Dingen zu.

Der kleine Sohn sieht eine «komische Frau» in der Wohnung. Die Erzählerin findet Möbel verrückt, das Kind nachts anders zugedeckt oder die Kaffeemaschine an. Wird sie observiert? Sind die alten Stasi-Seilschaften des Hauses noch aktiv?

Immer besorgniserregender, düsterer wird die Situation. Die Erzählerin sucht Hilfe, bei der Mutter, einer Freundin, bei Nachbarn: «So etwas setzt sich fest in den Mauern, das hängt im Gebälk, das wächst und modert wie ein widerlicher Pilz zwischen den Steinen.»

Die Stasi lebt in den Köpfen: ein eigenwilliger DDR-Abrechnungsroman. Solange Misstrauen herrscht, gibt es keinen Frieden. wol

Ricarda Junge: «Die komische Frau». S. Fischer, Frankfurt. 190 S., 17,95 Euro

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