11.06.2010 Kultur

«Meine Entscheidung hat mit Daniel Barenboim zu tun»

Jürgen Flimm wird zur nächsten Spielzeit Intendant der Berliner Staatsoper. Dort will der bisherige Chef der Salzburger Festspiele neu durchstarten.

Noch steht Jürgen Flimm der letzte Sommer als Intendant bei den Salzburger Festspielen bevor, da ist er auch schon an seiner neuen Wirkungsstätte unabkömmlich: Die Berliner Staatsoper Unter den Linden sitzt auf gepackten Kisten, der große Umzug wegen Sanierung des Hauses ins Schiller-Theater steht in der Sommerpause bevor. Von September an ist der umtriebige 68-jährige Theatermann, der in Gießen geboren wurde, neuer Intendant des traditionsreichen Berliner Opernhauses. In Frankfurt inszenierte Flimm 1978 die deutschsprachige Erstaufführung von Luigi Nonos Oper «Al gran sole carico d’amore». Für Bayreuth setzte er im Jahr 2000 Richard Wagners «Ring» in Szene. Über das Entdecken neuer Horizonte, italienischen Operngeschmack und den Umzug aus dem Berliner Ostteil in den Westen sprach Angelika Rausch mit ihm in Berlin.

Herr Flimm, wie stellt man für sich selbst fest, ob ein Opernhaus zu einem passt, wenn die Anfrage kommt? Hätte es in Berlin auch die Deutsche Oper oder die Komische Oper sein können?

JÜRGEN FLIMM: Meine Entscheidung hat mit Daniel Barenboim zu tun. Etwas anderes hätte ich sicher nicht gemacht. Barenboim hatte mich 2001 schon mal gefragt. Ich hatte gerade 15 Jahre Thalia-Theater in Hamburg hinter mir und war ziemlich müde. Jetzt kam die Anfrage noch einmal, vom Senat. Der zweite Grund, die Intendanz zu übernehmen, ist natürlich die Stadt Berlin, die sich so toll entwickelt mit einem sehr hohen Anteil von Kultur. Und der dritte Grund ist der Umzug der gesamten Oper ins Schiller-Theater. Dieser Umzug dorthin und wieder zurück ist natürlich von hoher Qualität.

Kommt es Ihnen entgegen, dass Ihr Start nicht in dem Repräsentationsbau Unter den Linden beginnt? Bedeutet das mehr Freiheit?

FLIMM: Da muss man ganz andere Sachen machen, das muss sehr attraktiv werden. Das ist was ganz Neues, sozusagen eine Expedition. Wir haben dort 16 Premieren – 8 im großen Haus und 8 kleine Sachen. Und für die Kollegen im Berliner Osten ist das auch neu, dass sie jetzt in den Westen gehen.

Sie verlassen die Salzburger Festspiele nach diesem Sommer mit einer gewissen Resignation. Was ist dort passiert?

FLIMM: Es ist sehr schwer, dieses große Festival sozusagen etwas näher an die Zeit zu bringen. Salzburg ist sehr schwerfällig in dem Entdecken neuer Horizonte. Da ist im Kuratorium, in dem fast nur Politiker sitzen, Neues sehr schwer durchzusetzen. Und denen ist schwer beizubringen, wie wichtig Luigi Nono ist. Es gab einmal eine Sitzung, in der es mal wieder hoch her ging. Und danach kam das Angebot aus Berlin.

Die Option Ruhestand kam für Sie mit 68 Jahren gar nicht in Betracht?

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