Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.
Überfallen wir mal ’ne Bank!
Das Frankfurter Volkstheater feierte Premiere mit „Rommé zu dritt“
Drei alte Damen, seit Jahren eng befreundet, sind ins Romméspiel vernarrt. Doch plötzlich hat eine der Kartenspielerinnen einen ungewöhnlichen Einfall.
Die fidele Kartenrunde ist eine lang gepflegte Tradition. Bis die rüstige Herta auf eine bessere Idee kommt: «Überfallen wir doch mal ’ne Bank und verhelfen damit Menschen im finanziell mager bestückten Altersheim zu etwas mehr Lebenslust!»
Gesagt, getan. Was Autorin Petra Blume in ihrem plattdütschen Schwank «Rommé to drütt» hübsch erzählte, ist im Volkstheater durch die von Sylvia Hoffman mit optischen und verbalen Gags gespickte, gründlich aufgemöbelte hessische Bearbeitung und eine witzige, funkensprühende Inszenierung zu einer überaus munteren Kriminalkomödie geworden. Drei versierte Charakterdarstellerinnen verleihen als Herta, Agnes und Lisa der Sache zusätzlichen Schwung.
Liesel Christs Garderobe
Auch Rainer Schönes charmanter Bühnenbild-Mix aus Gelsenkirchner Barock und Wiesbadener Jahrhundertwende-Geschmack lässt nichts zu wünschen übrig, genauso wenig wie die Garderobe des Damentrios. «Da habe ich beherzt auf Mutter Liesel Christs frühere Privatgarderobe zurückgegriffen», verriet Kostümgestalterin Bärbel Christ-Hess. Wie die plapperlustigen Herta, Agnes und Lisa mit Hilfe von Männerkleidung mutig zu über 21 000 Euro kommen, der Polizei und Nichte Kerstins Spürsinn sowie den Ränken ihres Freundes Norbert entrinnen? Da ist Schweigen geboten, weil Ausplaudern das Vergnügen mindern würde. Zu diesem tragen Brigitte Goebel (Agnes), Margit Sponheimer (Lisa) und Anette Krämer (Herta) gewaltig bei. Unterstützt werden sie von Verena Wüstkamp, die Hertas naseweise Nichte Kerstin spielt und Detlef Nyga, der als ihr doppelgesichtiger Lover Norbert am Ende der Gelackmeierte ist.
Hoffman peppte das Stück mit in Rot-, Blau- und Weißlicht gebetteten Tanzszenen auf, die ihre Tochter Julia Waldacher witzig arrangierte. Dabei kommen auch so bekannte Songs wie «Kriminal Tango» oder « Money, Money» zum Zug.
Den etwas blassen Pointen von Petra Blume setzt Hoffmann glitzernde Text-Gags auf. Sie geben der Etepetete-Dame Agnes alias Brigitte Goebel die Möglichkeit, alle Raffinessen ihrer feingestrickten Körpersprache auszukosten. Sie lassen Margit Sponheimer (Lisa) mit einem Männerbärtchen zum Cocktailkleid glänzen und Anette Krämer nach dem «Banknoten-Erfolg» schon lüstern vom Juwelenraub träumen. Blut geleckt haben alle Drei, nachdem sie höchst attraktiv in Ohnmacht gefallen sind. Vom Nervenkitzel beim Rommé werden sie jedoch nicht lassen. Eine enttäuschte Nichte kehrt zum Ex-Verlobten zurück; der gefoppte Norbert fährt wohl ins Kittchen ein.
Für Hoffman, deren «Tatort-»Erfahrungen hier beste Früchte trugen, und ein munteres Ensemble gab’s donnernden Applaus. jwt jwt

Welt der Bücher: Ausführliche Datenbank mit Buch-Besprechungen. Kostenlos.




Kommentare