Citan – der Kangoo von Mercedes
Im Herbst kommt das erste neue Modell aus der Kooperation mit Renault auf den Markt.
Von Thomas Geiger
Stuttgart. ![]()
So soll der künftige Mercedes Citan auf der technischen Basis des Renault Kangoo aussehen. Bald fahren auch Postboten, Kurierfahrer, Pizzaflitzer, Elektriker und Gartenbauer wieder Mercedes – das zumindest ist die große Hoffnung von Volker Mornhinweg, der bei den Schwaben das Geschäft mit den Vans verantwortet und Autos wie dem Sprinter und dem Viano nun einen kleinen Bruder zur Seite stellt. Denn als Antwort auf den Boom beim E-Commerce und den stetig anschwellenden Lieferverkehr in den Innenstädten bringt Mercedes jetzt den Citan auf den Weg. Er soll von diesem Herbst an in die Phalanx von Citroën Berlingo, Peugeot Partner, Fiat Doblo und Renault Kangoo einbrechen und zum Helden von Handel, Handwerk und Gewerbe werden.
Das ist nicht der erste Versuch von Mercedes, in diesem Segment Fuß zu fassen. Doch über den Vorläufer des Citan spricht die Mannschaft um Mornhinweg nicht sonderlich gerne. Denn was heute ein gesuchter Gebrauchter mit überraschend hohen Restwerten ist, war damals ein absoluter Flop: der Vaneo. Von der ersten Generation der A-Klasse abgeleitet und damit nahe am Pkw gebaut, war er für die gewerblichen Kunden zu teuer, mit dem Sandwichboden viel zu unpraktisch und obendrein in der Produktion nicht gerade ein Ausweis schwäbischer Gründlichkeit. Nach nur vier Jahren und nicht einmal 60 000 Exemplaren wurde die Produktion deshalb 2005 wieder eingestellt.
Damit ihnen das diesmal nicht wieder passiert, haben sich die Schwaben einen profunden Partner gesucht: Als erstes Ergebnis der Kooperation von Daimler und Renault teilt sich der Citan deshalb die Technik mit dem nächsten Renault Kangoo. "Immerhin haben die Franzosen diese Fahrzeuggattung quasi erfunden", lobt Vertriebschef Andreas Burkhart die Kollegen aus Paris, von denen Mercedes offenbar noch viel lernen kann. Nicht, dass sie es alleine nicht auch hinbekommen hätten, sagt Mornhinweg. "Technisch wäre das eine lösbare Aufgabe gewesen", ist er überzeugt. "Doch am Ende zählt vor allem der Preis, den wir erst mit großen Stückzahlen und deshalb nur mit einem Partner erreichen können."
Vom Kangoo übernehmen die Schwaben vor allem die Motoren und die Plattform. Deshalb wird es auch den Citan in drei Radständen als Kombi, Kasten und teilverblechtes Auto, mit verschiedenen Dieseln und einem Benziner von etwa 60 bis 110 PS geben, stellt Mornhinweg in Aussicht. Doch schon bei den Motoren haben die Mercedes-Ingenieure Hand angelegt und zum Beispiel ein CO2-Paket vorbereitet, zu dem auch eine Start-Stopp-Automatik gehören wird.
Vor allem die Designer und die Ergnomen haben aber in den letzten drei Jahren viel dafür getan, dass der Citan eben kein Kangoo mit Stern, sondern ein eigenes Auto wird. Das Gesicht und das Heck seien unverwechselbar und im völlig umgestalteten Cockpit fühlt sich auch ein Sprinter- oder S-Klasse-Fahrer auf Anhieb zu Hause, verspricht Mornhinweg: "Der Citan sieht aus wie ein Mercedes, er fühlt sich so an, und er fährt auch so." Bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass er sich nicht auch so verkauft. Zumindest nicht wie der Vaneo.


