Freemont – Augenwischerei mit leichter Sehschwäche

Lancia bedient sich mit neuen Modellen bei Chrysler, Fiat reiht Autos von Dodge in die Palette ein: Der italienische Freemont ist eigentlich ein amerikanischer Journey.

Frankfurt. Italiener mit amerikanischen Genen: Fiat Freemont. Foto: fnp Wir kennen das Auto von früher. Viel anders sieht es jetzt auch nicht aus, aber es trägt ein neues Logo. Wo einst Dodge draufstand, da klebt jetzt Fiat. Und so wurde aus dem Journey der Freemont. Kann das gutgehen? Es kann. Zum einen schadet das nur durch dezente Retuschen etwas gemilderte markige Erscheinungsbild auch einem Italiener nicht – und zum anderen sieht das allemal besser aus, als der delphinöse Multipla, den der Freemont beerbt.

Natürlich haben die Italiener bei der Technik selbst Hand angelegt. Klar also, dass unter der Haube ein hauseigener Zweiliter-Turbodiesel werkelt. Dessen 170 Pferde galoppieren nicht ganz geräuschlos, aber niemals störend laut. Sie ziehen dank eines satten Drehmoments bullig an, traben munter weiter und wirken erst bei höheren Drehzahlen etwas phlegmatisch. Insgesamt liefern sie gute Fahrleistungen ab und geben sich dabei mit einem Testverbrauch von rund achteinhalb Litern nicht allzu durstig.

Auch am Fahrwerk haben die Italos herumgedoktort, was dem einstigen Federsoftie gut tat. Der Fronttriebler (Allrad gibt es gegen 3500 Euro Aufpreis) federt ausgewogen, er zieht gutmütig seine Bahn durch Kurven und verkneift sich dabei Himmelsblick heischende Schräglagen. Geblieben sind allerdings die butterweiche Lenkung und als Kontrastprogramm dazu die festen Fuß und beherzte Hand verlangende Einheit aus Kupplung und Sechsgang-Schaltung.

Die amerikanische Mitgift im verfeinerten Innenraum kann sich sehen lassen: Dort wurde reichhaltige US-Ausstattung zum günstigen Preis in italienischem Ambiente verpackt. Es gibt zwei zusätzliche Sitze im Heck und ein bei umgelegten hinteren Sitzreihen 1461 Liter schluckendes Frachtabteil.

Dass die vorderen Ledersessel etwas wenig Seitenhalt bieten, sei dabei noch verziehen, nicht aber die erbärmliche Wischerei: Schon ab 140 km/h werden die Scheibenwischer trotz lautstarken Gewieners selbst bei sanftem Nieseln nicht mehr Herr der Tropfen und zaubern ausgerechnet direkt ins Sichtfeld des Fahrers dicke Wasserschlieren. Wir gehen nicht davon aus, dass dies als Maßnahme zur Geschwindigkeitsreduzierung bei Regen so gewollt ist.

Fazit: Bis auf ein paar Schönheitsfehler ist die Mutation vom Journey zum Freemont recht gut gelungen. Weniger Augenwischerei wünschten wir uns allerdings bei Regen.

Kurzsteckbrief

Fiat Freemont 2.0 Multijet 16V Urban: Vierzylinder, 1956 ccm, 170 PS, 350 Nm bei 1750 U/min, 0-100 km/h in 11,0 Sek, Spitze 195 km/h, EU-Normverbrauch 6,4 l/100 km (Diesel), Testverbrauch 8,4 l/100 km, CO2-Emission 169 g/km, Länge 4888 mm, Gewicht 1874 kg. Preis: 28 790 Euro. mahu

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