In den deutschen Klinikmarkt kommt Bewegung

Nach Jahren der Flaute kommt mit Übernahmen kommunaler Krankenhäuser wieder Bewegung in den deutschen Krankenhaussektor: Neues Beispiel ist eine Klinik in Wiesbaden, doch das Geschäft ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Von Elke Pfeifer

Kommunale Krankenhäuser bringen oft Verluste. Deshalb denken viele Träger an einen Verkauf. Der Markt belebt sich. (Symbolbild) Frankfurt. Der fränkische Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum hat sich im Wettbewerb mit den Konkurrenten Helios und Sana Kliniken um die Übernahme von 49 Prozent an den Wiesbadener Dr. Horst-Schmidt-Kliniken (HSK)durchgesetzt.

Die Stadtverordneten der hessischen Landeshauptstadt stimmten am Donnerstagabend dem Verkauf des Minderheitsanteils der HSK an den MDax-Konzern zu. Nun müssen die Aufsichtsbehörden noch zustimmen. Außerdem läuft gegen den Verkauf ein Bürgerbegehren, dessen Fristen mit der Angebotsfrist von Rhön bis zum 31. März kollidieren könnten.

"Mit der Übernahme der HSK durch Rhön und dem Verkauf der norddeutschen Damp-Gruppe an Helios können wir eine klare Belebung bei den Privatisierungen in Deutschland feststellen", sagt Ulrich Huwald, Analyst bei der Hamburger Privatbank MM Warburg.

Nach Einschätzung von Branchenexperten gibt es derzeit etwa ein Dutzend Kliniken, über deren Verkauf verhandelt wird. Die Kommunen wollen ihre klammen Kassen füllen und denken verstärkt über Privatisierungen nach. "Beim Großteil der Objekte dürfte es sich allerdings um kleinere Häuser mit einer Bettenzahl von um die 200 handeln", schätzt der Experte. Größere Übernahmen fingen bei Krankenhäusern mit einer Bettenzahl von 1000 und mehr an.

Und dazu gehört die HSK: Mit 1027 Betten und 3100 Mitarbeitern erzielte die Klinik zuletzt einen Jahresumsatz von über 200 Millionen Euro. Bei Rhön soll die Wiesbadener Klinik erstmals im zweiten Quartal 2012 in die Konzernbilanz einfließen. Rhön-Chef Wolfgang Pföhler will die HSK wieder in die schwarzen Zahlen führen.

Der private Krankenhauskonzern ist in Wiesbaden kein Unbekannter: Er betreibt dort die Deutsche Klinik für Diagnostik und die Aukamm-Kliniken. Auch das Universitätsklinikum Gießen/Marburg gehört zur Rhön-Gruppe.

Rhön will durch die Übernahme zwar weiter an Stärke gewinnen. Zunächst wird die defizitäre HSK aber eine Belastung für die Franken. Der Konzerngewinn wird 2012 auf 145 Millionen Euro zurückgehen, teilte Rhön nach der Entscheidung mit. Im Vorjahr standen dank einer Steigerung der Patientenzahl um rund zwölf Prozent noch 161 Millionen Euro in den Büchern.

Erst im Oktober hatte der Fresenius-Konzern mit seiner Kliniksparte Helios die Übernahme von knapp 95 Prozent an der im Norden starken Damp-Gruppe bekanntgegeben, dem mit 4000 Betten siebtgrößten privaten Klinikbetreiber in Deutschland. Durch die Damp-Übernahme entstand der mit Abstand größte deutsche Klinikverbund mit über drei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Im Markt kursiert für Damp ein Barkaufpreis von 290 Millionen Euro. Einschließlich der Übernahme von Schulden wird mit rund 450 Millionen Euro gerechnet.

Der Druck auf die verschuldeten Kommunen nimmt zu. Bis zum Jahr 2020 werden ohne Gegenmaßnahmen voraussichtlich etwa zehn Prozent von derzeit rund 2000 deutschen Kliniken ihre Pforten schließen, heißt es in einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Seit dem Jahr 1991 hat sich in den Kliniken nach RWI-Berechnungen ein Investitionsstau von 14 Milliarden Euro angehäuft. Besonders für kleine Häuser in kommunaler Trägerschaft werden die nächsten Jahre hart.

Beim Verkauf kommunaler Kliniken an private Klinikbetreiber schlagen immer wieder die Emotionen hohe Wellen. Kritiker warnen vor Arbeitsplatzabbau und hohem Arbeitsdruck. In Wiesbaden soll es Berichten zufolge bis 2015 keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Betriebsrat und Gewerkschaften haben sich nicht gegen den Verkauf gestellt.

In der Stadtpolitik war umstritten, ob der Verkauf eines Minderheitsanteils nicht eine vollständige Privatisierung bedeutet. Die Stadt werde kaum noch Einfluss auf das Krankenhaus haben, befürchteten Kritiker. Ob das Bürgerbegehren zulässig ist, muss kommende Woche das Verwaltungsgericht Wiesbaden entscheiden.

"Selbstverständlich wollen und können wir dem Ergebnis des angekündigten Bürgerbegehrens nicht vorgreifen, aber das Votum der Stadtverordneten ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", erklärte Rhön-Vorstandschef Pföhler.

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