Verfassungsschutz sieht "Online-Dschihad"

Nach der Verurteilung des islamistischen Attentäters Arid Uka wegen zweifachen Mordes an US-Soldaten in Frankfurt hat der Verfassungsschutz vor einer zunehmenden Radikalisierung durch das Internet gewarnt.

Frankfurt. Uka vor während der Verhandlung. (Archivbild)Uka sei "ein typischer Fall für eine Selbstradikalisierung durch das Internet", sagte Alexander Eisvogel, Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.). "Das Web 2.0 leistet nun auch das, was zuvor allein Prediger, Gebetszirkel oder Koranschule boten: die Bildung einer sozialen Gruppe, die auf andere ausstrahlt."

Bildung einer sozialen Gruppe

Man könne heute bereits von einem "Online-Dschihad" - einem "Heiligen Krieg" via Internet - sprechen, sagte Eisvogel. Das Netz bewirke inzwischen zudem, dass individuelle Radikalisierungen stark zunähmen. Auch das Terrornetzwerk Al Kaida werbe im Internet dafür, dass Einzeltäter im Westen Anschläge verüben sollten. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass in der islamistischen Szene "Aktivisten darüber nachdenken, das Internet als Waffe zu nutzen, also eine Art von Cyber-Dschihad zu praktizieren", sagte der Verfassungsschützer.

Seine Behörde müsse ihre Ressourcen so konzentrieren, dass "wir noch besser verstehen, was sich im Netz abspielt". Das gelte nicht nur für den militanten Islamismus, sondern auch für den deutschen Rechts- und Linksextremismus, sagte Eisvogel.

Lebenslang in Haft

Uka muss wegen des tödlichen Anschlags lebenslang in Haft. Das Oberlandesgericht Frankfurt verurteilte den 22-Jährigen am Freitag wegen zweifachen Mordes und dreifachen Mordversuchs. Er hatte am 2. März 2011 in einem Bus am Frankfurter Flughafen auf die unbewaffneten Soldaten gefeuert und zwei von ihnen getötet. Zwei andere wurden schwer verletzt. Erst eine Ladehemmung seiner Pistole stoppte Uka - er hatte schon auf einen fünften Soldaten angelegt und abgedrückt.

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