Die Trainerinnen der Artisten

Nadja Menke & Jasmin Wendnagel beschreiben ihre Arbeit und fordern mehr Personal für Kinderzirkus Zarakali

Seit dem Jahr 2000 können 6- bis 18-Jährige im Kinder- und Jugendzirkus Zarakali Erfahrungen in der Manege sammeln. Pädagogen, Artisten, Tänzer und Straßenkünstler schulen die Kinder in allen Zirkusdisziplinen. Im Interview mit FNP-Mitarbeiter Benjamin Kilb sprechen die Theaterpädagoginnen Nadja Menke und Jasmin Wendnagel über ihre Arbeit.

Nadja Menke (li.) und Jasmin Wendnagel zaubern so manche Überraschung aus dem Hut. Die Theaterpädagoginnen können auch mit Keulen umgehen und gehören zum Team des Kinderzirkus’ Zarakali. Hier können Kinder und Jugendliche für die Manege trainieren. Foto: Martin WeisWie ist die Idee der pädagogischen Zirkusarbeit entstanden?

MENKE: In Berlin gab es schon früh den Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi, der diesen Ansatz pädagogischer Arbeit verfolgte. Wir wollten hier einen Kinderzirkus etablieren. In Belgien, Holland und Frankreich wird dieses Konzept bereits seit 30 Jahren praktiziert.

Beschreiben Sie Ihre Arbeit?

WENDNAGEL: Wir unterteilen unsere Arbeit in Artistik, Gruppe und Darstellung. Es geht darum, dass sich Kinder und Jugendliche körperlich spüren können, sich in außerordentlichen Situationen wahrnehmen und eine eigene Form des Ausdrucks finden. Behinderten Kindern können das Training und die Auftritte vor Publikum dabei helfen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Wir möchten auch der Bewegungsarmut entgegenwirken und den Teamgeist fördern.

Was bedeutet Zirkus für die Kinder?

WENDNAGEL: Für viele ist es ein Zufluchtsort, ein Platz, an dem sie Stress abbauen können und Probleme vergessen. Sie dürfen sein, wie sie sind und sich darin Bestätigung abholen.

Was beinhaltet das Training?

MENKE: In 18 Trainingsgruppen bieten wir regelmäßiges Training in den verschiedenen Zirkussujets an. Das Spektrum reicht von Trapez, Einrad, Stelzenlaufen, Clownerie, Seil und Handstandakrobatik bis hin zu Capoeira. Die Jugendlichen trainieren in einer eigenen Zirkustheatergruppe und es gibt noch zwei integrative Gruppen, in denen Kinder mit und ohne Handicap miteinander trainieren. In den Ferien bieten wir auch Zirkus-Workshops an.

Mündet das von den Kindern und Jugendlichen Erlernte schließlich in Zirkusvorstellungen?

MENKE: Vor den Sommerferien veranstalten wir vier große Vorstellungen, nach den Herbstferien drei Shows der Jugendgruppe und vor Weihnachten eine Werkschau.

Welchen beruflichen Hintergrund haben die Mitarbeiter?

WENDNAGEL: Einige sind ausgebildete Artisten. Andere kommen aus pädagogischen und handwerklichen Berufen und haben Erfahrungen in der Theater- oder Zirkusarbeit.

Wie viele Mitarbeiter zählt das Team?

WENDNAGEL: Wir haben einst zu viert angefangen. Inzwischen sind wir eine Gruppe von 20 Mitarbeitern.

Wie schafften sie es, den Zirkus zu etablieren?

WENDNAGEL: Im ersten Jahr veranstalteten wir auf ehrenamtlicher Basis zwei mehrwöchige Workshops, um Erfahrungen zu sammeln und den Zirkus bekannt zu machen. Wir gewannen den Bund Deutscher Pfadfinder als Träger und hatten viel ehrenamtliche Unterstützung aus unserem Freundeskreis. Der Zirkus war für 40 Kinder konzipiert, doch schon bald waren wir sehr überlaufen. Mittlerweile haben wir 170 fest angemeldete Kinder, die hier pro Woche trainieren, die Warteliste ist genauso lang.

Wie sehen Sie ihre Arbeit im Vergleich zur Vereinsarbeit?

MENKE: Die Zirkuspädagogik ist in Deutschland ein sehr junger Zweig der Pädagogik. Unser Bestreben ist es, dass die Arbeit im Zirkus als eigene Kunstform angesehen wird. Da es in unserer Arbeit auch stark um den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit geht, grenzen wir uns vom Wettkampfsport ab und unterscheiden uns so von der Arbeit in Fußball- oder Turnvereinen.

Was erhoffen Sie sich in absehbarer Zeit für den Zirkus?

MENKE: Wir möchte das bereits Bestehende konsolidieren. Aber um die Arbeit auf lange Sicht befriedigend ausführen zu können, brauchen wir zwei weitere feste Stellen, zusätzlich zu der einen vorhandenen. Wir stoßen allein mit der Instandhaltung und Qualitätssicherung des Bestehenden an die Grenzen unserer Kapazität. Seit 2002 leisten wir circa 20 bis 25 Prozent der Arbeitsstunden kostenlos, doch der Dauerbetrieb eines solch großen und anerkannten Projektes kann nicht auf Idealismus und Engagement aufgebaut bleiben.

Glauben Sie, dass Ihre Arbeit genug Wertschätzung erfährt?

WENDNAGEL: Oh ja, sowohl von fachlicher Seite als auch von den Kindern und Eltern wird unsere Arbeit durchweg positiv bewertet. Wir erfahren noch immer sehr viel Bestätigung von außen. Seit 2001 haben weit über 2000 Kinder in unseren festen Gruppen trainiert oder am offenen Training und an Workshops teilgenommen. Wir haben also mittlerweile einiges an Erfahrung und erleben sehr viel positives Feedback.

Das Thema beschäftigt auch den Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) in seiner Sitzung am Donnerstag, 23. Februar, um 19.30 Uhr in der Mensa der Ziehenschule, Josephskirchstraße 9.

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