Eine Region erhebt sich

Fluglärmgegner und Polizei rüsten sich für bislang größte Terminal-Demo – 10 000 Protestler erwartet

Morgen ist das Terminal 1 fest in der Hand der Fluglärmgegner: Das Bündnis der Bürgerinitiativen ruft zu einer Großkundgebung auf, die die Montagsdemos am Airport weit in den Schatten stellen soll. 10 000 Protestler werden erwartet, mit Beeinträchtigungen des Reiseverkehrs ist zu rechnen.

10000 Demonstranten werden am Samstag im Terminal 1 erwartet. Frankfurt. Fünf vor zwölf. Das ist die Uhrzeit, die sich das Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) für den Beginn seiner Großdemonstration am morgigen Samstag ausgesucht hat. Die Zeit soll signalisieren, dass jetzt sofort gehandelt werden muss, dass der Protest gegen den Fluglärm und den Flughafenausbau nicht auf die lange Bank geschoben werden darf. Ähnlich symbolträchtig wie die Uhrzeit ist der Plan der Demonstranten, das Terminal 1 (Halle B) zu verlassen, um sich im Freien zu versammeln: „Der Protest“, so erläutert BBI-Sprecherin Ingrid Kopp, „soll nach außen getragen werden.“

Seit dem 14. November gab es im Terminal 1 neun Montagsdemos, die Großkundgebung morgen soll sie alle in den Schatten stellen. Bis zu 10 000 Protestler aus Frankfurt und der Region erwartet das BBI, bei der bestbesuchten Montagsdemo seien es 6000 gewesen. Besonders freut sich Ingrid Kopp über die Unterstützer von auswärts: „Zum ersten Mal werden auch Berliner Fluglärm-Initiativen und Stuttgart 21-Gegner vertreten sein“, sagt sie. Dem Ziel, die Initiativen in Deutschland zu vernetzen, komme man damit wieder ein Stück näher.

Der Flughafenbetreiber bricht angesichts der Großdemonstration natürlich nicht in Jubel aus: „Mit Beeinträchtigungen im Reiseverkehr muss gerechnet werden“, sagt Fraport-Sprecher Wolfgang Schwalm. Flugreisenden rät er, mehr Zeit einzukalkulieren und falls möglich früher einzuchecken. Während der Demo will Fraport Dutzende zusätzliche Mitarbeiter einsetzen: Sie sollen dafür sorgen, dass die Passagiere im vollen Terminal durchkommen und ihren Schalter finden.

Schwieriger Einsatz

Polizeisprecher Alexander Kießling räumt auf Nachfrage ein, dass der Einsatz am Flughafen „nicht einfach“ wird. Es gelte, Tausende Menschen vom Terminal 1 über eine Straßenschleife zum Busbahnhof zu geleiten und dabei den Flughafenbetrieb zu gewährleisten. Um die schwierige Aufgabe zu stemmen, würden unter anderem Beamte eingesetzt, die den Demonstranten als Ansprechpartner dienen. Bislang habe es bei den Flughafen-Demos keine Probleme mit Protestierenden gegeben, die Polizei versuche deshalb, „den Einsatz freundlich zu gestalten“; Kießling betont jedoch, dass auch für schwierige Situationen genug Personal vorgehalten werde.

Zu längeren Straßensperrungen auf der Ankunfts- und Abflugsebene wird es laut Polizei nicht kommen, die Parkhäuser können wie üblich benutzt werden. Einem Gedränge in Zügen zum Flughafen wird nach Angaben von RMV-Sprecher Peter Vollmer entgegengewirkt: „Die Bahn hält Züge vor, die auf der Strecke vom Hauptbahnhof über den Flughafen und Mainz bis nach Wiesbaden flexibel eingesetzt werden können.“

Auch das BBI muss Personen zur Verfügung stellen, die den reibungslosen Ablauf der Kundgebung bis 16 Uhr gewährleisten: Für je 50 Demonstranten ist nach Angaben des Ordnungsamts ein Ordner vorgeschrieben, für 10 000 müssen es also 200 sein. Angst, eine so große Zahl nicht zusammenzubekommen, hat BBI-Sprecherin Kopp nicht: „Da bieten sich immer genug Leute an – und falls nicht, nehmen wir diejenigen, die gerade des Weges kommen, in die Pflicht.“

Neues Protestlied

Eröffnet wird die Großdemo übrigens musikalisch: Die Flughafen-Ausbau-Gegner haben einen Protestsong in Auftrag gegeben, den Sängerin Eva Simonis und Gitarrist Jürgen Dorn darbieten werden. Der Refrain ist aus einem Sprechgesang der Montagsdemo abgeleitet: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns unsere Ruhe klaut.“ chc

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