"Es ist wie ein Raumschiff"

Exklusive Eröffnungsfeier mit viel Prominenz im neuen Städelmuseum

Es ist vollbracht: Nach 1619 Tagen Bauzeit präsentiert das Städel Werke der zeitgenössischen Kunst in den neuen unterirdischen Museumshallen. Am Mittwoch Abend stieß die Haute Volée aus Frankfurt und Umgebung exklusiv im Anbau auf das 52-Millionen-Objekt an.

Von Julia Rösch

Frankfurt. Futuristische Optik: Das Städel-Museum zieht den Besucher in seinen Bann. Foto: Martin Weis Es ist eng am roten Band. 13 Menschen drängen sich nebeneinander, lächeln ins Blitzlichtgewitter: Oberbürgermeisterin Petra Roth, Ministerpräsident Volker Bouffier, eine Auswahl der Mäzenen, die den Neubau des Städels möglich gemacht haben. Sie warten ein, zwei Fotos ab. Dann: Schnipp. Die neuen unterirdischen Räume des Städels, Gartenhallen genannt, sind eröffnet.

Die Geldgeber klopften sich gestern selbst auf die Schulter. Natürlich ist der rund 52 Millionen Euro teure Anbau ein Werk, das ohne die Spenden der breiten Bevölkerung nie realisiert worden wäre; das bestätigten gestern alle Redner. Ein bisschen Exklusivität darf trotzdem sein, bevor am Samstag die Pforten für alle geöffnet werden. Deswegen lud Städel-Direktor Max Hollein 450 Gäste aus Politik, Wirtschaft und der Frankfurter Gesellschaft ein, um einen Blick in die neuen Räume mit der gigantischen Bullaugen-Decke zu werfen.

Roman Herzog dabei

Städel-Chef Max Hollein (l.) und Ministerpräsident Volker Bouffier. Foto: Martin Weis Einer fehlte jedoch: Christian Wulff stand ursprünglich auf der Gästeliste, trat aber vom Amt zurück, bevor er einen Fuß in die Gartenhalle setzen konnte. Vertreter auf Zeit Horst Seehofer weilte beim Politischen Aschermittwoch in Passau – "eine Spanne, die weder thematisch noch zeitlich zu überbrücken gewesen wäre", bedauert Nikolaus Schweickart, Verwaltungschef des Museums. Über einen Ex-Bundespräsidenten durfte er sich dennoch freuen: Roman Herzog saß mit seiner Frau in der ersten Reihe.

Auch wenn Wulff fortblieb; ein fester Zeitplan muss sein. Pünktlich um 17.50 Uhr schreiten Petra Roth, Bouffier und eine Handvoll ausgewählter Begleiter die 35 Stufen herunter, die in die neuen Räume für zeitgenössische Kunst führt. Hier unten haben die wenigstens Handyempfang. Gut so, es gibt viel zu sehen. Die Decke mit den 195 Bullaugen fasziniert die meisten. "Ich bin begeistert", sagt Josef Ackermann, und seine Frau ergänzt: "Sensationell." Sylvia von Metzler, die sich als Vorsitzende des Museums-Vereins mit Herzblut für das Projekt eingesetzt und drei Millionen gespendet hat, muss sich eine Träne verdrücken. "Das ist überwältigend."

Lesen Sie weiter: Spender im Rampenlicht

Michael Endres (Hertie-Stiftung) und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann (rechts). Foto: Martin WeisDie kleine Gruppe macht Halt vor einer Figur, die ein bisschen aussieht wie ein schiefer Kegel mit orangefarbenem Kopf und bauchigem Körper. Das Lieblingsbild von Sylvia von Metzler hängt gleich daneben: Ein riesiges blaues Gemälde mit finster dreinblickenden Gestalten. "Die Horde" von Daniel Richter findet in diesem Augenblick jedoch wenig Beachtung von den Gästen.

Man zerstreut sich. Roth und Bouffier schlendern durch den Saal, schütteln Hände, betrachten Gemälde und Skulpturen.
Rund 20 Minuten haben sie dafür Zeit, dann bittet Hollein zur Feierstunde ins Nebengebäude. Dort werden die Spender noch einmal ins Rampenlicht gerückt.

35 Stufen geht es hinab: Ministerpräsident Volker Bouffier mit seiner Ehefrau Ursula, gefolgt von Oberbürgermeisterin Petra Roth mit ihrem Lebensgefährten Robert Raeber, waren die Ersten im unterirdischen Neubau. Foto: Martin Weis Zu Klängen der Jungen Deutschen Philharmonie bedanken sich Hollein und Schweickart ein weiteres Mal. Petra Roth verrät, dass sie als Jurymitglied bei der Wahl ihres Favoriten der eingesendeten Vorschläge für den Neubau Weitsicht bewiesen hatte:

Der preisgekrönte Entwurf von Michael Schumacher und Till Schneider habe ihr von vorneherein am besten gefallen.

Und was sagen die Gäste? "Sehr schön. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen und mir das in Ruhe ansehen", verspricht "Peanuts"-Bankmanager Hilmar Kopper, ehe er im Gedränge verschwindet. Das schönste Kompliment aber hat wohl Carlo Giersch parat: "Mein erster Eindruck? Es ist wie auf einem Raumschiff."

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