Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.
Land vermietete an Hells Angels
Vereinshaus an der Mainzer gehört der Helaba-Tochter OFB
Ausgerechnet eine Tochterfirma der Hessischen Landesbank hat den berühmt-berüchtigten Hells Angels mitten in Frankfurt jahrelang Obdach gewährt. Mit dem Vereinsverbot endete die Geschäftsbeziehung – fürs ehemalige Rocker-Domizil werden jetzt Nachmieter gesucht.
Von Thomas Ruhmöller
Frankfurt. ![]()
Zu vermieten: Das frühere Hauptquartier des Hells-Angels-Vereins Chapter "Westend" an der Mainzer Landstraße 86 steht seit dem Vereinsverbot leer. Foto: Martin Weis Es ist schon ein bisschen obskur: Jahrelang hat das Land Hessen indirekt von einer angeblich kriminellen Organisation auf ganz legalem Weg Geld kassiert. Weil den Behörden das wohl doch ein bisschen peinlich war, wurde eine dicke Decke des Schweigens darüber ausgebreitet. Am Ende aber kommt meist alles heraus:
Es geht um das Haus an der Mainzer Landstraße 86 mitten in Frankfurt: Hier residierte bis vor kurzem der Hells-Angels-Verein "Westend", der zu den größten und finanziell potentesten in Deutschland zählt. Das zentral gelegene Objekt direkt am früheren Polizeipräsidium ist im Besitz der "OFB Projektentwicklung GmbH", die wiederum zu hundert Prozent der Hessischen Landesbank (Helaba) gehört. Es heißt, die Rocker hätten der OFB jeden Monat rund 3500 Euro Miete überwiesen – für rund 400 Quadratmeter Mietfläche auf einem rund 300 Quadratmeter großen Grundstück.
Jetzt ist der dreistöckige Bau aus den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts wieder im Angebot. Das hessische Innenministerium hatte im Herbst 2011 gegen die Frankfurter Hells Angels ein Vereinsverbot verfügt, daraufhin kündigten die Rocker den Mietvertrag und zogen Ende letzten Jahres endgültig aus. Komplett leer geräumt worden waren da bereits alle Räume durch die Polizei: Die hatte den gesamten Vereinsbesitz – Möbel, technische Anlagen, aber auch gewaltige Mengen an Spirituosen und jede Menge Utensilien mit Hells-Angels-Emblem – beschlagnahmt und in Lastwagen abfahren lassen.
Vier Privatleute
Die "OFB Projektentwicklung" hatte den Mietvertrag vor sieben Jahren mit vier Privatmännern abgeschlossen. Man habe erst nicht gewusst, beteuert OFB-Sprecher Christian Munsch, dass es sich um Mitglieder der als kriminell verschrieenen Hells Angels gehandelt habe, die dann mit ihrem Motorradclub ins "Angels Place" einzogen. Als man dahinter kam, war‘s zu spät, die Rocker hatten einen rechtsgültigen Mietvertrag, sie rauszuwerfen ging nicht mehr.
So arrangierte man sich. In den Wohnhäusern nebenan heißt es, eigentlich seien es doch ganz angenehme Nachbarn gewesen – manchmal, wenn viele Harley-Davidson-Motorräder vorfuhren, war‘s zwar ein bisschen laut. Aber immerhin hätte die bloße Anwesenheit der Rocker dafür gesorgt, dass sich die Drogensüchtigen zurückzogen, die in diesem Bereich der "Mainzer" ihren Treffpunkt hatten. Und außerdem waren auch regelmäßig Polizeibeamte in der Gegend unterwegs, meistens unauffällig in Zivil, die die Rocker observierten. . .
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Milliarden-Portfolio
Zu den neuen Mietkonditionen wollte OFB-Sprecher Munsch keine Angaben machen. Für die Helaba-Tochter ist das ehemalige Rocker-Klubhaus sowieso nur eine kleine Nummer: Die "OFB Projektentwicklung" (180 Mitarbeiter, Vorsitzender der Geschäftsführung: Hessens ehemaliger Wirtschaftsminister Alois Rhiel, CDU) bezeichnet sich selbst als "eines der führenden Full-Service-Unternehmen für Projektentwicklung und Baumanagement von Gewerbeimmobilien in der Rhein-Main-Region"; das Leistungspaket reiche "von der Projektentwicklung über Baulandentwicklung bis zur Generalübernahme". Munsch: "Wir betreuen zur Zeit ein Investitionsvolumen von 2,4 Milliarden Euro in Deutschland."



Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.
Folge uns unter