Warum wir streiken!

Vorfeld-Lotsen haben gestern ihre Follow-Me-Fahrzeuge stehen lassen – sie fordern mehr Geld

200 Vorfeld-Lotsen behindern den Flugverkehr. Wegen ihres Streiks sind gestern 151 Flüge ausgefallen. Heute wollen die Vorfeld-Lotsen von 8 bis 22 Uhr im Ausstand sein.

Frankfurt. Ein Streiklokal in Kelsterbach: Hier sind Jörg Vogel, Tom Wagner und Markus Schreiner (von links) gestern in den Arbeitskampf getreten. Foto: Rainer Rüffer Jörg Vogel, Tom Wagner und Markus Schreiner sind drei umgängliche Männer. Zwei von ihnen sind verheiratet und haben Kinder, der dritte, Schreiner (42), ist Single. Ja, sie sind bereit, für ihre Forderungen öffentlich zu sprechen – anders als viele ihrer Kollegen, die sich gestern im Streiklokal der Vorfeld-Lotsen versammelt haben. Die Stimmung ist angespannt unter den Lotsen im Streik. Sie sind nur wenige, und sie haben den mächtigen Fraport-Konzern als Tarifpartner – oder genauer Tarifgegner.

200 Vorfeld-Losen gibt es in Frankfurt. 80 davon gehören zur sogenannten Vorfeld-Aufsicht – wie Vogel, Wagner und Schreiner. Vorfeld-Aufsicht ist das, was man aus Filmen und von Fotos kennt: In "Follow-Me"-Fahrzeugen dirigieren sie die Flugzeuge auf ihre Parkpositionen. Mit Signalkellen dirigieren sie die Piloten auf den letzten Metern. Der Vorfeld-Aufsicht obliegt es auch, nachts Baustellen auf dem Vorfeld abzusichern und Flugzeuge, die zur Wartung geschleppt werden, um die Baustellen herum zu führen. "Immer, wenn Verantwortung ins Spiel kommt, sind wir dabei", sagt Markus Schreiner. Sein Kollege Tom Wagner (45) ergänzt: "Alles, was rollt, fällt in unsere Zuständigkeit. Ob ein Flugzeug, ein Auto, ein Klapprad, egal."

Die Vorfeld-Aufsicht lotst Flugzeuge zu ihrer Parkposition.Das geschieht, wie Jörg Vogel (40) sagt, in drei Schichten: "Früh, spät und nachts." Jeweils sieben Tage hat man Dienst, ergänzt Markus Schreiner, "danach drei oder vier Tage frei". "Wir sind verpflichtet, 24 Stunden Dienst zu machen, egal ob Sonntag oder Werktag. Die Sicherheit auf dem Vorfeld und den Bahnen muss immer gewährleistet sein", so Wagner.

Ein Beruf allerdings, für den es keine wirkliche Ausbildung gibt. Vogel ist seit 15 Jahren auf dem Flughafen, Wagner seit 26 und Schreiner seit 18 Jahren. Sie haben alle angefangen als Arbeiter auf dem Vorfeld. "Das ist die Voraussetzung. Man muss sich auf dem Vorfeld sehr gut auskennen", sagt Schreiner. Dann kann man sich bewerben und Vorfeld-Lotse werden.

Es gibt drei Gruppen: Die Vorfeld-Aufsicht, zu der Schreiner, Wagner und Vogel gehören, ist physisch auf den Bahnen präsent. Der Verdienst eines Mitarbeiters dieser Gruppe schwankt laut Markus Siebers, Gewerkschaftsvorstand bei der Gewerkschaft der Fluglotsen, zwischen 25 000 und 40 000 Euro pro Jahr – jetzt. Bestimmt nicht schlecht – doch die Mitarbeiter streiken für einen Lohn von bis zu 50 000 Euro jährlich.

Die Mitarbeiter der Verkehrszentrale, der zweiten Gruppe, verdienen zwischen 30 000 und 45 000 Euro pro Jahr. Künftig sollen es bis zu 55 000 Euro sein. Spitzenverdiener sind schon heute die Mitarbeiter der Vorfeld-Kontrolle. Sie sitzen am Funk und entscheiden, welchen Weg ein Flugzeug am Boden zu nehmen hat. Zwischen knapp 40 000 Euro und 60 000 Euro verdient man hier laut Siebers momentan, künftig vielleicht bis zu 80 000 Euro.

Dieser Tage werden die Vorfeld-Lotsen Frankfurts oft mit denen in München verglichen. Die Münchener verdienen mehr als Vogel und seine Kollegen. In München, Düsseldorf, Hamburg, überall seinen die Verantwortlichkeiten anders verteilt. Jörg Vogel ergänzt: "Frankfurt ist ein kleiner Flughafen, bei dem jedoch auf vier Bahnen sehr viel Flugbewegungen zu koordinieren sind" – auch am Boden. Wahrscheinlich sei die Arbeit der Vorfeld-Lotsen nirgends so anspruchsvoll wie in Frankfurt. Vogel, Wagner und Schreiner sind überzeugt: Für ihre tägliche Leistung sollten sie so viel Geld verdienen, wie ihre Kollegen in München auch – rund 50 000 Euro pro Jahr. Und wer als Vorfeld-Kontrolleur die Verantwortung trägt, soll bis zu 80 000 Euro bekommen. tjs

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