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Willkommen in Babylon am Main!
Unsere Muttersprache verwenden wir so selbstverständlich wie wir ein- und ausatmen. Auf ihren kulturellen Wert sollte gestern der „Internationale Tag der Muttersprache“ aufmerksam machen.
Frankfurt. Als Initiatorin wies die Bildungsorganisation Unesco darauf hin, dass weltweit 6000 Sprachen gesprochen werden. In Frankfurt – einer Stadt, die nicht zuletzt für ihre Multikulturalität bekannt ist – sind es 170. Wir haben uns auf die Spuren der Vielsprachigkeit am Main gemacht und festgestellt, dass mancherorts babylonisches Stimmengewirr herrscht. Im Umgang damit zeigten sich die Frankfurter aber entspannt – vielleicht auch deshalb, weil sie schon genug Wolkenkratzer haben, die wie der biblische „Turm zu Babel“ gen Himmel streben.
Der polyglotteste Ort der Stadt ist der Flughafen. 150 000 Passagiere aus aller Welt sind dort täglich unterwegs. Darauf muss sich auch die Lufthansa einstellen: Die Check-in-Mitarbeiter der Fluggesellschaft kommen zusammen auf 40 Fremdsprachen, der Begleitservice für ausländische Reisegruppen wird sogar in 50 Sprachen angeboten.
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Auch die 2200 Mitarbeiter der Bundespolizei am Flughafen haben ständig mit Fremdsprachen zu tun. Wenn Beamte einen Gauner schnappen, mit dem sie sich nicht verständigen können, fordern sie einen Kollegen an, der die jeweilige Sprache beherrscht. Zur Not rufen sie einen Dolmetscher.
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An der Goethe-Uni kann man sich mit mehr 30 Sprachen befassen. Außer Studiengängen wie Englisch und Französisch gibt‘s auch Sammelfächer wie "Sprachen Südostasiens" und Skandinavistik. Die ausländischen Studenten bringen ebenfalls Sprachen in den Hochschulbetrieb ein. Derzeit sind 6800 "Internationals" eingeschrieben.
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Die Volkshochschule (VHS) ist hessenweit der größte Anbieter von Sprachkursen. In Frankfurt können Wissbegierige genau 31 Sprachen erlernen, auch exotische wie Nepali, Mongolisch und Isländisch. Allein die Frankfurter VHS vergibt 22 000 Sprachkursplätze im Jahr, die Hälfte davon entfällt auf "Deutsch als Fremdsprache".
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Die Europäische Zentralbank ist einer der vielsprachigsten Arbeitsplätze der Stadt. Dort sind Mitarbeiter aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten tätig. In der Kantine schalten viele Mitarbeiter in den "Privatmodus" um, so dass babylonisches Stimmengewirr herrscht. Nach dem Essen kehren alle wieder zur Arbeitssprache Englisch zurück.
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Ähnlich geht‘s in der Software-Schmiede Crytek zu. Das weltweit erfolgreiche Unternehmen beschäftigt mehr als 300 Leute aus 40 Nationen. Firmensprache ist Englisch, nicht mal am Empfang kommt man anders durch. Crytek setzt auf Internationalität, weil es nicht als deutsches Studio abgestempelt werden möchte.
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Schon die kleinsten Frankfurter sprechen in vielen Zungen: Von 23 verschiedenen Muttersprachen in den Kitas geht das Bildungsdezernat aus. So manches Kind spricht ausschließlich Türkisch, Arabisch oder Russisch, wenn es in die Kita kommt.
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Ohne Deutschkenntnisse geht‘s aber nicht. Das erfahren Kinder und Eltern spätestens, wenn die Einschulung ansteht. Laut Gesundheitsamt liegt die Zahl der Kinder, die bei der Schuluntersuchung noch kein Wort Deutsch sprechen, bei unter einem Prozent. Zwei Prozent der potenziellen Abc-Schützen reden ein flüssiges Deutsch mit erheblichen Fehlern. Völlig fehlerfrei sprechen 50 bis 60 Prozent.
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Die Günderrodeschule im Gallus ist die wohl multikulturellste Lehreinrichtung der Stadt: Unter den gut 250 Grundschülern, die dort unterrichtet werden, ist nicht einmal ein Dutzend ohne Migrationshintergrund; der Rest hat Wurzeln in 42 verschiedenen Nationen. Die Schulleiterin bezeichnet die Sprachenvielfalt als "Schatz": "Die Schüler müssen Deutsch reden, um sich zu verständigen."
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Fast vier Millionen Gäste übernachten pro Jahr in Frankfurter Hotels. Auf die damit verbundene Sprachenvielfalt hat sich die städtische Tourismus und Congress GmbH längst eingestellt. So bietet sie Stadtführungen in 22 verschiedenen Fremdsprachen an. Sogar auf Litauisch, Malayisch oder Indonesisch kann man sich Römer, Dom und Mainufer erklären lassen.
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Touristen, die gern auf eigene Faust unterwegs sind, hilft der Bahnhofsbuchhandel: Dort liegen Frankfurt-Reiseführer in gut 30 Sprachen vor.
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Für die Stadtbücherei ist Vielsprachigkeit seit den 1970er Jahren ein Thema. 24 000 fremdsprachliche Medien haben die Mitarbeiter seitdem gesammelt, außerdem haben sie eine internationale Bibliothek für Erwachsene im Gallus eröffnet.
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Vielsprachig ist in Frankfurt auch das Angebot an Zeitungen: Allein in der Zentralbibliothek liegen 20 internationale Titel aus. In den Läden im Hauptbahnhof werden Zeitungen in 20 Sprachen angeboten.chc/ing



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