Am liebsten hoch hinaus

Das ist bei CDU-Parteichefin Bettina Mertgen aber nicht nur beruflich der Fall

Seit zweieinhalb Monaten ist Bettina Mertgen Vorsitzende der Schmittener CDU. In der Feldberggemeinde dürfte die junge Frau bislang nur wenigen Menschen bekannt sein. Es ist also an der Zeit, sie einmal persönlich vorzustellen.

Von Anja Petter

Oberreifenberg. Ganz weit oben fühlt sich Bettina Mertgen am wohlsten. Mit zwei Jahren stand sie zum ersten Mal auf Skiern, hat als Skilehrerin gearbeitet, fährt drei bis fünf Mal im Winter in die Berge und unterrichtet noch heute beim Ski-Club Taunus. "Ich liebe den Schnee", sagt sie. Wo also zieht so jemand hin, der in Frankfurt arbeitet und sich selbst als "Bergziege" bezeichnet? Nach Schmitten natürlich, das für sich selbst bekanntlich mit dem Slogan "Das Höchste im Taunus" wirbt. "Das war eine bewusste Entscheidung", sagt Bettina Mertgen.

Und sie hat sich langsam nach oben gearbeitet: 2007 zog sie zunächst nach Arnoldshain, 2009 dann nach Oberreifenberg, wo sie mit ihrem Mann Olaf ein Haus kaufte – nur wenige Meter vom Skilift am Pechberg entfernt. Höher geht jetzt nicht mehr, und es hat sich gelohnt. "Die letzten beiden Winter waren toll", schwärmt sie noch immer. Mehr als 100 Schüler habe sie während der Saison jeweils unterrichtet. Enttäuschend waren allerdings die zurückliegenden Monate: "Ich leide ganz furchtbar", sagt sie. Und Zeit für einen Urlaub hat sie in diesem Winter auch nicht, ist sie doch beruflich stark eingebunden.

Bettina Mertgen wollte als Kind "entweder Verbrecherin oder Polizistin" werden, doch mit einer Größe von 1,58 Meter war sie für die Laufbahn bei der Polizei fünf Zentimeter zu klein. Verbrecherin kam dann doch nicht infrage, aber "etwas mit Recht" sollte es schon sein, und so entschied sie sich für ein Jura-Studium. Sie schnupperte in den Steuerbereich herein, fand das sehr interessant, hat noch eine Steuerberater-Ausbildung an das Studium drangehängt, und jetzt ist sie Fachanwältin für Steuerrecht und Steuerberaterin und arbeitet in einer internationalen Kanzlei in Frankfurt.

Ihre Arbeitstage sind lang, 12 Stunden sind es fast immer, manchmal auch 14 oder 15. Ein Problem ist das für sie nicht: "Solange es Spaß macht, macht es mir auch nichts aus." Zumal ihr Mann, mit dem sie seit 2008 verheiratet ist, ebenfalls Anwalt ist und sich beruflich sehr engagiert.

Und dann gibt es da ja noch die Politik: Mit 17 Jahren ist Bettina Mertgen, die damals noch Bettina Jacoby hieß, in Wehrheim lebte und in Bad Homburg zur Humboldtschule ging, bereits der Jungen Union beigetreten. Mit 18 Jahren wurde sie Mitglied des Vorstandes, mit 24 stellvertretende Vorsitzende. Zehn Jahre hat sie sich in Wehrheim politisch engagiert, und – anders als in anderen Familien, wo normalerweise die Eltern ihren Nachwuchs für die Politik begeistern – auch ihren Vater motiviert, Mitglied zu werden. "Er hat mich beerbt."

Gefragt, was der Auslöser für ihr Engagement war, so nennt die junge Frau ausgerechnet ihre "links angehauchten Lehrer". Sie habe immer hinterfragt, was diese sagten, und sei auf Konfrontationskurs gegangen. Kritik gab es dafür nicht, sondern vielmehr "Förderung durch Auseinandersetzung", wie sie im Rückblick anerkennend feststellt. "Sie sind immer fair geblieben, und so habe ich Spaß an der Politik gewonnen." Und noch heute hat sie kein Verständnis für die Interessenlosigkeit vieler Menschen an der Politik und deren "Vollpensionsmentalität". Als Bürger habe man auch Pflichten, findet sie, und müsse sich interessieren.

Frisches Blut

Und so engagiert sich die 34-Jährige, die seit 2000 auch im Kreistag sitzt und dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU ist, seit Ende 2007 auch in Schmitten in der Partei. Vorsitzende wollte sie eigentlich nicht werden, gibt sie zu, doch ihr Vorgänger Markus Töpfer konnte sie überreden, sich im November vergangenen Jahres zur Parteichefin wählen zu lassen. Der Ortsverband habe "frisches Blut" gebraucht, jemand, der mit den "uralten Querelen" nichts zu tun hat und unvoreingenommen an die Dinge herangeht, sagt sie.

Allerdings gibt es auch einen Nachteil, hat sie festgestellt. Sie sei nicht so vernetzt in der Gemeinde und auf Infos angewiesen. Sie wolle deshalb verstärkt auf Arbeitsteilung setzen: "Die Mitarbeit aller Mitglieder ist gefragt." Überhaupt müsse die CDU Schmitten wieder mehr Teil der Gesellschaft werden. Der Stand auf dem Weihnachtsmarkt sei ein Anfang gewesen. "Das war dezent, wir wollten einfach da und ansprechbar sein."

Neben Beruf und Politik bleibt da nicht mehr viel Zeit für Hobbys. Der letzte große Urlaub war die Hochzeitsreise im Februar 2009, und Bücher "hört" Bettina Mertgen meist im Auto auf dem Weg zur Arbeit, doch im vergangenen Sommer hat sie ihren Motorradführerschein gemacht und sich eine quietschgrüne Kawasaki Ninja gekauft. Und wo möchte sie künftig ihre Touren machen? Natürlich in den Alpen, denn die sind wenigstens schön hoch.

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