Besonderer Gottesdienst – verwandelte Kirche

Die Stille entspannt und gibt innere Kraft

Gottesdienst kann auch anders sein – ohne Pfarrer zum Beispiel. Dafür ist aber das Mitwirken der Gläubigen nötig.

Von Monika Schwarz-Cromm

Grävenwiesbach. Oliver Kühlborn und Julia Schneweis sorgten für die etwas andere Kirche beim Taizé-Gottesdienst. Foto: msc Der Altar ist mit orangefarbenen Stoffbahnen verhüllt, und überall in der Kirche leuchten Teelichter und Kerzen. Es ist eine besondere Stimmung, die Oliver Kühlborn und Julia Schneweis in der katholischen Kirche St. Konrad gezaubert haben. Kein Wunder, es ist Taizé-Gottesdienst.

19 Gläubige sind gekommen, um diese etwas andere Feier zu zelebrieren. Als Elisabeth Meisemann sich an die Orgel setzt und mit klarer Stimme "Dominum Jesum" zu singen beginnt, liegt Spannung in der Luft. Die, die schon häufiger an einem Taizé-Gottesdienst teilgenommen haben, wissen, was sie erwartet und sind gelassen. Die, die so etwas zum ersten Mal erleben, sind gespannt, was jetzt geschieht.

"Lesungen stehen im Mittelpunkt", erklärt Elisabeth Meisemann mit leiser Stimme den Ablauf. Man sieht sie nicht, man hört sie nur. Und nur wenige Worte genügen, das Einzigartige der nächsten Stunde festzuhalten: "Stille, Lauschen, Gottes Wort, Nachwirken lassen, Lieder mit vielen Wiederholungen, Gelassenheit, Freude." Mehr braucht es tatsächlich nicht zur Erklärung.

Kurz darauf startet die Lesung, die auf den Gedenktag der heiligen Angela Merici hinweist. Sie wurde im Jahr 1474 geboren und hat 61 Jahre später die Gesellschaft der Heiligen Ursula, einer Gemeinschaft von Frauen im Dienste des Nächsten, gegründet, hören die wenigen Menschen in der Kirche.

Orgel stört die Ruhe

Es wird gemeinsam gebetet, und immer wieder herrscht zwischendrin kurze Stille nach den einzelnen Gottesdienst-Teilen. Fast stört schon die plötzlich erklingende Orgel die Ruhe, die immer mehr in das Gotteshaus einzieht und Besitz von den Menschen nimmt.

Elisabeth Meisemann gibt vor, was nun folgt. Es ist ihr gesungenes Halleluja, das sich wiederholt. Immer und immer wieder. Und immer mehr Anwesende stimmen mit ein, bis schließlich alle mitsingen. Auf dem Höhepunkt angelangt, hört die Sängerin auf zu singen, und es wird wieder still. Keiner singt mehr, keiner sagt etwas. Die Stille hat gesiegt. Sie hat etwas Beruhigendes, gibt innere Stärke und Kraft. Geräusche von außen scheinen immer leiser zu werden, dringen nur noch gedämpft ins Kirchenschiff.

Nach einer gefühlten Unendlichkeit raschelt hier und dort ein Kleiderstoff bei der kleinsten Bewegung. Jemand hüstelt, ein anderer atmet laut auf. Ein lautes dreimaliges Klopfen, und die Stille hat ein Ende. "Magnificat Anima Mea Dominum" erklingt wieder, von Elisabeth Meisemann angestimmt.

Der Taizé-Gottesdienst, dessen Ablauf sich auf den internationalen ökumenischen Männerorden Communauté de Taizé bezieht, der als Zeuge des Friedens lebt, ist nicht nur etwas Besonderes, er gibt auch jedem Teilnehmer, wenn er längst wieder zurück in den Alltag gefunden hat, etwas mit auf den Weg.

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