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"Der Bedarf an Hilfsgütern ist immens"
Seth Clarkson, Mitarbeiter der in Neu-Anspach ansässigen Organisation Partner Aid, berichtet von seiner Arbeit im krisengebeutelten Somalia
Somalia ist eines der ärmsten Länder der Welt. Besonders in diesen Tagen wird die Region im Osten Afrikas durch eine anhaltende Dürreperiode erschüttert. In Neu-Anspach gibt es seit einigen Jahren das internationale Büro der christlichen Hilfsorganisation Partner Aid, die zurzeit ein besonderes Augenmerk auf Somaliland legt, einen de facto unabhängigen, aber international nicht anerkannten Staat im Norden Somalias. Über ihre Arbeit dort wird Partner Aid auch am kommenden Sonntag an ihrem Stand beim Internationalen Fest in der Kleeblattstadt berichten (siehe auch Seite 16). Seth Clarkson, Mitarbeiter von Partner Aid, ist seit 2008 in Somaliland tätig. Im Gespräch mit TZ-Mitarbeiterin Eva Oppermann gibt der 27-Jährige einen Einblick in seine Arbeit.
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Seth Clarkson arbeitet seit drei Jahren in Somaliland.Wie empfanden Sie die Situation im Krisengebiet Somaliland, als Sie dort zum ersten Mal hinreisten?
SETH CLARKSON: Ich habe damit gerechnet, dass die Menschen sehr arm sind, nicht genug Nahrung haben und der Wassermangel ihnen sehr zu schaffen macht. Und das entspricht auch den Tatsachen. Die Hütten in den Dörfern sind von außen stark verwittert, weil die Materialien und auch die Kraft fehlen, sie instand zu halten. Aber als ich die Hütten dann betrat, konnte ich sehen, wie bunt und liebevoll sie eingerichtet sind. Die Menschen wissen zwar um ihr schweres Schicksal, aber für sie ist es zur Normalität geworden.
Beschreiben Sie doch kurz die Projekte, an denen Sie arbeiten.
CLARKSON: Wir arbeiten mit fünf Dörfern im Krisengebiet zusammen. Dort haben wir überall gemeinsam mit den Dorfführern das Village Health Project ins Leben gerufen, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Dazu wurden Freiwillige in grundlegenden Behandlungsmöglichkeiten und Vorsorge geschult. In Sharmaarke bauen wir gerade gemeinsam mit den Dorfbewohnern ein Hühnerzuchtprogramm auf. Außerdem sollen in den Dörfern verschiedene Gemüsesorten wie Tomaten, Karotten und Spinat angebaut werden. In Bali Mataan arbeiten die Menschen an einem Schaf- und Ziegenzuchtprogramm, und in Hadiq Hadiq soll bald eine Bäckerei eröffnet werden. Mit dem Verkauf dieser Produkte an die Nachbarorte und die Städte soll das Einkommen der Dörfer aufgebessert werden. Außerdem wollen wir eine konstante Wasserversorgung sichern, um kommenden Dürreperioden standhalten zu können. Zwar transportieren wir Wasser in die Dürregebiete, aber zum einen ist das sehr teuer, und zum anderen reichen diese Wassermengen nicht. Aber durch den Verkauf der Lebensmittel können die Menschen dort selbst Wasser kaufen.
Was ist wichtig, damit diese Projekte erfolgreich anlaufen und vor allem auch weitergeführt werden, wenn Sie die Dörfer verlassen?
CLARKSON: Bei all diesen Projekten ist es wichtig, dass die Initiative und die Motivation von den Dorfbewohnern ausgeht. Wenn wir nur hingehen und ihnen sagen, was zu tun ist, haben die Projekte keinen Erfolg. Natürlich besteht auch ein großer Bedarf an finanziellen Mitteln. Außerdem müssen Helfer und Betroffene auf einer Augenhöhe stehen. Andernfalls haben die Menschen dort das Gefühl, dass wir über ihnen stehen und legen die komplette Verantwortung in unsere Hände. Das hätte dann zur Folge, dass die Projekte nicht weitergeführt würden, wenn wir die Gebiete verlassen. Deswegen achten wir darauf, wirkliche Partner zu sein und die Dinge gemeinsam zu verändern.
Abseits von der Wasser- und Nahrungsarmut, mit welchen anderen Schicksalsschlägen haben die Menschen in Somalia noch zu kämpfen?
CLARKSON: Besonders schlimm für die Menschen ist der Verlust von Familienmitgliedern. Ich kenne niemanden dort, der nicht mindestens ein Kind verloren hat. Vor einiger Zeit erzählte mir ein Freund, dass er sieben Geschwister hatte, aber außer ihm nur noch ein Bruder überlebt hat.
Was ist für Sie persönlich die größte Herausforderung bei der Arbeit im Krisengebiet Somaliland?
CLARKSON: Als ich 2008 in Somaliland ankam, hatte es gerade einen Terroranschlag in Hargeisa gegeben, und ich fragte mich, ob ich meine Familie wirklich dieser Situation aussetzen will. Aber wir fühlten uns berufen zu helfen, also blieben wir. Die zweite große Herausforderung war, dass einfach so viel zu tun ist, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll zu helfen.
Am kommenden Sonntag findet ein Internationales Fest in Neu-Anspach satt. Gibt es etwas, was die Menschen hier unbedingt erfahren sollten?
CLARKSON: Am Horn von Afrika geschehen furchtbare Dinge, und der Bedarf an Hilfsgütern ist immens. Aber die Menschen in Somaliland haben die Kraft und die Hoffnung, das durchzustehen.


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