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Farbe für die Optik
. . . und zum Schutz des Fachwerks
Je dicker der Balken, desto reicher der Bauer! Beim Zurschaustellen des Wohlstandes wurde aber auch oft geschummelt.
Von Frank Saltenberger
Neu-Anspach. ![]()
Ob Ochsenblutrot oder Saftgrün, das Fachwerk wurde nach Geschmack und Geldbeutel ausgewählt. Foto: Saltenberger Das Thema des jüngsten Mittwochsvortrages zog überdurchschnittlich viele Besucher in das Haus aus Rörshain am Marktplatz des Hessenpark an. Einige Besitzer von Fachwerkhäusern kamen zu den Stammhörern des Hessenpark-Restaurators noch hinzu, denn es ging um "Farbe am Fachwerk".
Anschauungsobjekte gab es genug, man brauchte nur aus dem Fenster des Seminarraums zu schauen, und das alte Mühlengebäude ist ebenfalls aus Fachwerk und farbig gefasst, von außen jedenfalls. Außen allerdings herrschten frostige Temperaturen, so dass man es vorzog, das Thema im weiß getünchten Inneren des Gebäudes theoretisch aufzuarbeiten.
Das Fachwerk sei, so Referent Matthias Stappel, aus optischen Gründen und zum Schutz mit Farbe angestrichen worden. Aber in der Zeit des Fachwerkbaus, die über 1000 Jahre währte, gab es noch nicht die Auswahl an Farben, wie sie heute in Dosen und Eimern in jedem Baumarkt erhältlich ist. In Mittelhessen sind die Fachwerkhäuser der Dörfer meist rotbraun gewesen, und davon findet man auch im Freilichtmuseum die meisten.
"Bei den Balken wird häufig von Ochsenblut gesprochen", erklärte Stappel, aber dabei handele es sich um Eisenoxidpigment. "Echtes Ochsenblut wäre früher zu wertvoll und zu teuer gewesen." Außerdem bleiche es schnell aus, sei nicht witterungsbeständig, tauche aber im 19. Jahrhundert gelegentlich als Bindemittel auf. Eisenoxid dagegen lasse sich mit jedem anderen Bindemittel mischen, sei auch preisgünstig, und Eisenoxidpigmente träten in den Farben Gelb, Braun oder Schwarz auf.
Die seltenste Farbe auf Fachwerk sei Grün. "Dies liegt an den historischen Pigmenten. Entweder waren es Mischungen aus Blau und Gelb, oder es war Saftgrün, das nicht witterungsbeständig und teuer war." Das habe sich erst mit der Erfindung von Chromoxidfarben geändert, mit denen auch ein haltbares Grün zur Verfügung stand.
"Als historisches Bindemittel im Außenbereich kommt nur Leinölfirnis in Frage", erklärte der Fachmann, und der sei auch heute noch das beste Mittel für historisches Fachwerk. Moderne Bindemittel würden mit zunehmendem Alter polymerisieren und damit immer härter und spröder.
Auch für die Verarbeitung von Leinölfirnis gab Stappel Tipps, so dürfe er nur verdünnt verarbeitet und dünn aufgetragen werden. Pfützen müssten vermieden werden, und es müsse gut belüftet trocknen können.
Mit Farbe habe man auch dickere Balken vorgetäuscht, denn es galt: "Je dicker der Balken, desto reicher der Bauer." Daher habe man zwar auch zur Begradigung der oft krummen Balken über das Holz auf die Gefache hinaus gestrichen.
Außerdem waren die Verzierungen noch ein Gradmesser für den Wohlstand des Bauherren, und bei der Bemalung des Schnitzwerkes hat, wer es sich leisten konnte, auch nicht gespart.



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