Kannen statt Schläuche

Grävenwiesbacher Wehr bewirtet Senioren und informiert über ihre Arbeit

Zum vierten Mal veranstaltete die Freiwillige Feuerwehr Grävenwiesbach ihren traditionellen Seniorennachmittag im Schulungsraum des Feuerwehrgerätehauses, und auch dieses Mal blieb kaum ein Stuhl unbesetzt.

Von Micaela Nakatenus

Grävenwiesbach. Der Seniorennachmittag der Wehr war gut besucht. Foto: nak Kein Sirenengeheul und kein Martinshorn schreckte die Bürger auf. Alle Feuerwehrautos blieben am angestammtem Platz. Trotzdem waren Grävenwiesbachs Blauröcke voll im Einsatz und hatten es dabei auch noch brandeilig. In den Händen hielten sie jedoch keine Schläuche, sondern Kannen: Es galt, die vielen Gäste, die sich zum Seniorennachmittag im Schulungsraum des Feuerwehrgerätehauses versammelt hatten, immer wieder mit Kaffee zu versorgen.

Ausblick

Dass beim traditionellen Seniorennachmittag, zu dem auch ein Abendessen gehört, die Reden kurz und die Würste lang sind, scheint sich herumgesprochen zu haben. "Ich sehe jedes Jahr wieder neue Gesichter", sagte Katja Pauly, Vorsitzende des 505 Mitglieder zählenden Grävenwiesbacher Feuerwehrvereins, bei der Begrüßung. Ein paar kurze Statements, um die Senioren über die Aktivitäten der Freiwilligen Feuerwehr im vergangenen Jahr sowie die Zukunftsaussichten zu informieren, gab es natürlich trotzdem.

Die Blauröcke der Großgemeinde mussten in diesem Jahr bereits zu 153 Einsätzen ausrücken, wie der stellvertretende Wehrführer Michael Ullrich beim Seniorennachmittag berichtete. Eindrucksvolle Fotos von den Einsätzen zeigten die Schwerpunkte: Technische Hilfeleistung bei Unfällen und Unwettern standen im Vordergrund. "Wegen der zunehmenden Klimaerwärmung schlagen vor allem die Einsätze bei Sturm, Hagel und Gewitter immer stärker zu Buche. Demgegenüber haben sich die Zahl der Brände wohl wegen der besseren Prophylaxe und erhöhter Wachsamkeit der Bevölkerung deutlich verringert", ergänzte Kai Süssner, der in Vertretung von Gemeindebrandinspektor Markus Ullrich gekommen war.

Zum Nulltarif gab es die vielen Einsätze freilich nicht, und das wird sich natürlich auch in Zukunft nicht ändern. Ganz im Gegenteil: Viele Fahrzeuge der Wehr in der Großgemeinde müssen in den nächsten zehn Jahren wohl durch neue ersetzt werden. Zudem erfordere auch die Verpflichtung, Digitalfunk einzuführen, hohen finanziellen Aufwand, wie der Wehrführer aus Hundstadt weiter ausführte.

Doch die beste Technik hilft nicht, wenn Männer und Frauen fehlen, um sich ihrer zu bedienen. Immer weniger Menschen sind aber wegen der erhöhten Anforderungen im Beruf bereit, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Es bestehe die Gefahr, dass die Art der Feuerwehrleute gänzlich ausstirbt, meinte Süssner. "Wir können nur hoffen, dass sich die Lage wieder stabilisiert."

Dass die Hoffnung nicht ganz unberechtigt ist, zeigt ein Blick auf die Wehr in der Kerngemeinde, der zurzeit rund 40 Aktive angehören. "In den letzten beiden Jahren wechselten immerhin vier Mitglieder aus der Jugendwehr zur Einsatzabteilung", sagte Katja Pauly am Rande der Veranstaltung.

Ehrungen

An den rund 70 Senioren, die sich im Schulungsraum der Wehr zum gemütlichen Beisammensein eingefunden hatten, kann sich der Nachwuchs ein Beispiel nehmen: Viele gehören der Grävenwiesbacher Wehr schon seit Jahrzehnten an. Und so konnte Frontfrau Katja Pauly nach ihrem Rück- und Ausblick auf das Vereinsleben gemeinsam mit dem Zweiten Vorsitzenden Joachim Brych auch gleich mehrere Männer auszeichnen, die seit mindestens einem halben Jahrhundert der Grävenwiesbacher Feuerwehr die Treue halten. Geehrt wurden Kurt Einhäuser, Walter Klein, Kurt Reuter und Werner Wolf für 60 Jahre sowie Werner Knörr für 50 Jahre Feuerwehrmitgliedschaft.

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