Originell behütet beim Seniorenfasching

O Rentnerzeit, O Faschingszeit, O Tannenbaum: Die Senioren nahmen es mit dem Text des ehrwürdigen Weihnachtsliedes nicht so genau – Helau!

Von Frank Saltenberger

Arnoldshain. Albrecht Dommes führte sangeslustig die Polonaise beim Senioren-Fasching an. Foto: Saltenberger Gut in Stimmung waren die Senioren, die gut behütet zum Kräppelnachmittag im evangelischen Gemeindezentrum Arnoldshain zusammenkamen.

Der Seniorenfasching der "Silbergrauen" ist ein fester Termin, da geht man hin und setzt einen zur Jahreszeit passenden Hut auf. Aber nicht etwa mit Pelz und Ohrenwärmern, nein, er musste zur fünften Jahreszeit passen, der närrischen, auch wenn er weder zum frostigen Wetter und manchmal auch nicht zur Kopfgröße passte.

Elisabeth Stiedl hatte einen kleinen handtellergroßen Tirolerhut auf mit zwei bunten Federn dran und berichtete unter dem von ihrem Leben als Oma. Zur Kaiserzeit geboren, aber noch lange nicht von gestern und schon gar nicht auf den Mund gefallen. Das habe ihr schon die Hebamme bescheinigt: "Das Kind ist gesund, hat aber schon jetzt einen großen Mund." Der verstummte erst mit einem Helau, als Stiedl das Publikum gehörig zum Lachen gebracht hatte.

Wer hat den Schönsten?

Gertrud Löws Hut war ebenfalls nicht viel größer und tirolerisch, aber grüner und zylindrischer und hielt mit Edelweißaufsteckern und einem roten Band am Kopf: ein heißer Kandidat für den Hutwettbewerb, der gleichzeitig lief. Löw liebt das Wortspiel und entschlüsselte in ihrem ersten Vortrag alles, was sich verschlüsseln ließ: Vom Schlüsselbund über das Schlüsselbein bis zur Schlüsselstellung entging ihr kaum ein Kompositum, aber der Schlüssel zu einem Herzen sei der Humor, war ihr Schlüsselergebnis. Und im zweiten Vortrag ging sie in ebensolcher humorvollen Art dem Begriff der Dose, von der Spar- bis zur Steckdose, auf den Grund.

Mit blinkenden Fühlern auf dem Haupt outete sich Marion Stiedl in der Bütt’ als Gangsterbraut, die alles klaut, wie es in ihrer Familie schon seit Generationen üblich ist. Das stimmte nicht ganz, denn als Schwiegertochter der Elisabeth Stiedl, der "Oma" mit dem kleinen Tirolerhut, scheint eher der Humor in der Familie Tradition zu sein. Die Schwiegertochter kommt schon seit Jahren zum Seniorenfasching mit: "Zum betreuten Schunkeln", wie sie flachste.

Literarisch brillant und historisch gefärbt waren die Vorträge von Ilse Perker-Mader, die einen Maskenball in Worte goss und Anekdoten vom Alten Fritz, dessen 300. Geburtstag gerade gefeiert wird, zum besten gab. Utta Dommes, Organisatorin des Spektakels, ging als Rotkäppchen in die Bütt’, aber nicht mit rotem Käppchen, sondern mit roter Hippie-Perücke. Damit konnte sie beim Hutwettbewerb nicht punkten, das gelang aber Christel Jäger. Sie bekam mit ihrem Florentinerhut die meisten Stimmen und gewann, obwohl es viele ähnlich schicke Modelle gab und die Konkurrenz entsprechend stark war.

Hutlos waren nur Christine und Natalie Müller. Die beiden machten die Musik zum bunten Faschingstreiben, spielten den Tusch und zur Polonaise auf und das Lied über die Rentnerzeit zu O Tannenbaum.

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