Wenig Interesse am brisanten Thema

Das Internet ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Doch wie gehen Kinder damit um, und vor allem, wie sollten sie damit umgehen? Fragen, die bei einem Vortrag in der Wiesbachschule beantwortet wurden.

Von Monika Schwarz-Cromm

Sandra Pappert-Rausch von Pro Familia referierte zum Thema „Stark und fair im Cyberspace“. Foto: msc Grävenwiesbach. In Zeiten, in denen es fast schon normal ist, dass auch im Kinderzimmer ein Computer steht, sollten Eltern genau wissen, was ihre Kinder so im weltweiten Netz treiben. Daher lud die Wiebachschule in Zusammenarbeit mit Pro Familia zu einem Vortrag mit dem Thema "Stark und fair im Cyberspace" ein, hoffte auf zahlreiche interessierte Eltern und wurde am Ende herb enttäuscht.

Lediglich zehn Teilnehmer, darunter die an diesem Tag noch kurz vor ihrer Verabschiedung stehende Schulleiterin Stephanie Achatz und eine 13-jährige Schülerin, waren gekommen. Kein Thema also, das Eltern bewegt? Allein die Beiträge der jungen Schülerin hätten so manche Eltern aufhorchen lassen. Denn das Mädchen berichtete von seinem Internetverhalten und auch von dem der Freundinnen.

Sie selbst lehne allzu freizügige Informationen über ihre Person im Internet ab. Eine Haltung, die längst nicht jedes Kind oder Jugendlicher so einnehme, lobte Referentin Sandra Pappert-Rausch, die bei Pro Familia als Sexual- und Sozialpädagogin arbeitet.

Die Fachfrau appellierte an die Eltern, ihre Kinder in den medialen Lebenswelten zu begleiten. "Keiner setzt sein Kind auf ein Fahrrad, ohne vorher mit ihm zu üben", lautete ihre Begründung. Das Grundschulalter sei genau der richtige Zeitpunkt dafür.

Dann ging es los mit den Erklärungen zum Chatten und Surfen im Netz. "Das ist nichts anderes, als sich mit Menschen zu unterhalten", erklärte die Dozentin denen, die sich nicht so mit dem Fachjargon auskannten. Die Rede war von Ego-Shootern (Kampfspielen), Online-Rollenspielen, Smartphones (Handys mit Internetzugang), posten (Nachrichten ins Netz stellen), Videoplattformen und Online-Comunitys (Netzgemeinschaften).

Nie das komplette Geburtsdatum einstellen, die Botschaft von privaten Bildern beachten, lauteten die Warnungen der Fachfrau an die Jugend. Und ganz wichtig sei, sich niemals alleine mit jemandem zu treffen, den man über das Internet kennengelernt hat.

Warnung vor Treffen

So sah es auch die anwesende Schülerin. Ihre Freundin wolle sich bald schon mit einem tollen Mann aus dem Internet treffen, berichtete sie und wisse nicht, wie sie die Freundin davon abbringen könne. "Bei dem tollen Jungen könnte es sich auch um einen über 60-jährigen Mann handeln, der vielleicht nichts Gutes im Sinn habe", warnte auch Sandra Pappert-Rausch.

Ein weiteres brisantes Thema: Mobbing im Internet. Ein kurzer Film schilderte das Schicksal eines Schülers, der von den Klassenkameraden durch ein Bild im Netz bloßgestellt worden war. "Beängstigend, wie man ein junges Leben zerstören kann", fasste eine Mutter in der Wiesbachschule den Kurzfilm betroffen mit ihren Worten zusammen. Für den jungen Protagonisten waren die Folgen, bedroht und beleidigt zu werden. Gefühle, mit denen Jugendliche nicht zurecht kommen, weil sie keinerlei Schutzraum mehr hätten, so die Dozentin.

"Nehmen Sie die Lebenswelt Ihrer Kinder ernst", riet Pappert-Rausch. In einem solchen Fall sollten Eltern mit den Lehrern und auch mit der Polizei Kontakt aufnehmen und sich Rat holen.

Auf alle Fälle sollten Eltern sich von ihren Kindern zeigen lassen, welche Seiten sie im Internet besuchen. Nach Sandra Pappert-Rauschs Meinung gehöre kein Internetanschluss ins Kinderzimmer. Der Internetzugang solle mit Spezialsoftware gefiltert, die Nutzungszeiten abgesprochen werden. "Geben Sie die Rahmenbedingungen für Ihre Kinder vor", riet die Sozialpädagogin den Eltern.

Unter folgenden Internetadressen finden Eltern Hilfe: http://www.klicksafe.de, http://www.sexnsurf.de, http://www.sextra.de. Auch die Nummer gegen Kummer hilft unter (08 00) 1 11 05 50 am Elterntelefon und unter (08 00) 1 11 03 33 am Kindertelefon weiter.

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