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"Wir sind voll im Zeitplan"
Leiterin des Niemöller-Hauses freut sich auf Wiedereröffnung – Bibliothek künftig öffentlich zugänglich
Halbzeit bei der 6,5 Millionen Euro teuren Sanierung des Martin-Niemöller-Hauses: Seit Juli vergangenen Jahres laufen die Arbeiten, bereits im August sollen die ersten Gäste wieder empfangen werden. Ein spannendes Projekt – auch für Hausleiterin Ursula Schuchmann...
Von Matthias Pieren
Arnoldshain. ![]()
Ursula Schuchmann leitet derzeit nicht die Tagungsstätte Martin-Niemöller-Haus, sondern begleitet deren Sanierung. Foto: Matthias Pieren Ein Bagger mitten im Speisesaal oder eine Kapelle, die als Zwischenlager für Mobiliar umfunktioniert wurde – im Tagungshaus der Evangelischen Landeskirche (EKHN), dem Martin-Niemöller-Haus in Arnoldshain, war in den vergangenen Monaten so manches ganz anders, als es üblich ist. Hausleiterin Ursula Schuchmann hat statt Tagungsgästen seit Juli Bauarbeiter zu Gast. So ein Jahr hat die 60-Jährige noch nicht erlebt. Und das will schon was heißen – immerhin ist sie seit 1971 in dem renommierten Tagungshaus beschäftigt. Seit 1990 leitet sie das 1954 eingeweihte und nach dem EKHN-Gründungspräsidenten Martin Niemöller benannte Haus.
"Seit Baubeginn ist mein Alltag ein anderer geworden. Meine Aufgaben sind nicht mehr so straff durchorganisiert", meint die Hausleiterin, die sich an das Weniger an Leitung erst gewöhnen musste. "Am Anfang der Bauarbeiten war ich völlig irritiert. Ich meinte immer, irgendwo mit anpacken zu müssen." Doch nachdem das Haus geräumt war, bestimmten ab Juli Bauleitung und Bauarbeiter den Tagesablauf.
Freilich blieb Schuchmann als Vertreterin des Bauherrn, der Evangelischen Landeskirche, stets ansprechbar. So auch zuletzt, als Facharbeiter die letzten neuen Heizkörper installierten und Bauarbeiter mit dem Verputzen der Räume begannen. Die neue Heizungsanlage im Keller ist längst eingebaut und ein Blockheizkraftwerk installiert worden. Ein neuer zentraler Gang optimiert die Versorgungswege zu allen Lagerräumen.
Auch die Wärmedämmung und das Verputzen der Außenwände sind abgeschlossen, das Dach ist saniert und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, die Zimmer sind schallisoliert und die Balkone der Südseite komplett saniert. Statt 11 wird es künftig 13 Tagungsräume geben. Eine Dolmetscherkabine und das historische Kino wurden abgebaut und dafür ein neues Stuhllager eingerichtet.
Buchungen möglich
"Wir sind voll im Zeitplan. Ich bin zuversichtlich, dass wir wie geplant am 18. August die Gäste der ersten Tagung empfangen können", blickt Schuchmann optimistisch auf das gerade angebrochene Jahr. "Die offizielle Einweihung haben wir auf den 26. August terminiert." Damit der Tagungsbetrieb auch sofort wieder wirtschaftlich auf Hochtouren läuft, kümmert sich Schuchmann auch während der Bauarbeiten um die Buchungsanfragen.
Alle ursprünglich 14 festangestellten Mitarbeiter des Martin-Niemöller-Hauses sind während der Bauphase in anderen Einsatzgebieten innerhalb der Landeskirche beschäftigt oder in Weiterbildungsmaßnahmen. Nur der Hausmeister und Schuchmann sind ständig an Ort und Stelle. Ab August wird die Stamm-Belegschaft wie zuvor mit rund zehn befristet eingestellten Mitarbeitern verstärkt.
"Nach der Wiedereröffnung müssen wir uns auch erst an vieles Neue gewöhnen", blickt Schuchmann nach vorn. "Der Tagungsalltag findet zwar im gleichen Haus statt, doch die Abläufe werden sich zum Teil erheblich verändern." Von den ausgeführten Arbeiten wirken sich einzig die energetische Sanierung von Dach und Wänden nicht auf die internen Abläufe aus.
Der Eingangsbereich wurde erheblich ausgeweitet. "Das ist ganz im Sinne Niemöllers, der Raum schaffen wollte für Begegnung und Kommunikation", erläutert Schuchmann.
Allen Tagungsgästen wird künftig auch die Niemöller-Bibliothek an einem zentralen Platz nahe der Kapelle öffentlich zugänglich sein. "Wir wären froh, wenn sich für die 20 000 Euro teure Bibliothek noch Spender fänden", meint Schuchmann. "Die Bücher von Martin Niemöller werden hier einen angemessenen Platz erhalten, und jeder Gast soll hier die Möglichkeit haben, den Geist Martin Niemöllers auf sich wirken zu lassen."
Gelb statt Grau
Schuchmann zeigt sich froh, dass sie in die Planungen für die Sanierung mit einbezogen wurde und alles mitgestalten durfte. So konnte sich die Hausleiterin auch mit ihrem Wunsch durchsetzen, dass die Außenfassade nach erfolgter Isolierung wieder im ursprünglichen gelben Farbton gestrichen wurde. Der Architekt hatte eigentlich einen Grauton vorgesehen.
Schuchmann freut sich, in "ihrem" Tagungshaus nach der Komplettsanierung den Tagungsbetrieb wieder neu zu organisieren. In den darauffolgenden vier oder fünf Jahren will sie das neue Martin-Niemöller-Haus noch erfolgreich auf dem Tagungsmarkt positionieren und dann in den Ruhestand gehen.
Nähere Informationen im Internet unter http://www.martin-niemoeller-haus.de. Für Reservierungen für die Zeit vom 18. August an steht Ursula Schuchmann unter Telefon (0 60 84) 94 40 oder per E-Mail an office@martin-niemöller-haus.de zur Verfügung.



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