Wo kostet das Leben richtig viel Geld?

Von Gerrit Stolte

Usinger Land. Die Kommunen stehen miteinander in einem Wettstreit um die Bürger. Wer neue anlocken und Eingesessene halten will, muss ihnen etwas bieten: Am besten viel, und das zu einem niedrigen Preis. Doch die eierlegende Wollmilchsau gibt’s nicht. Wir haben uns angeschaut, was das Leben in Neu-Anspach, Schmitten, Wehrheim, Weilrod, Usingen und Grävenwiesbach kostet und die Kommunen in sechs Gebühren- und Steuerkategorien verglichen: Kindergarten, Friedhof, Hundesteuer, Frischwasser, Abwasser und Müll. Mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

So gelingt es Usingen und Wehrheim einen – negativen – Spitzenplatz zu vermeiden, während Schmitten und Grävenwiesbach in jeweils zwei Kategorien am teuersten sind. Für Weilrod und Neu-Anspach reicht’s immerhin einmal zur Tabellenführung.

Allerdings sind diese Aussagen ziemlich pauschal. Dass in Weilrod die Hundesteuer mit 75 Euro am höchsten ist, dürfte eben nur die Hundebesitzer interessieren. In der Kleeblattstadt schlägt hingegen der Tod richtig zu Buche: 2747 Euro kostet die Beerdigung in einem Reihengrab bei 30-jähriger Nutzung. Im Preis inbegriffen ist immerhin die Trauerhalle. Ziemlich üppig, wenn man es mit Grävenwiesbach vergleicht, wo dasselbe schlappe 785 Euro kostet. Allerdings wird wohl kaum jemand wegen dieses Schnäppchens nach Grävenwiesbach ziehen.

Dort ist das Leben nämlich ziemlich teuer, zumindest dessen alltägliche Hinterlassenschaften. Die Müll- und Abwassergebühren sind mit 23,80 Euro pro 120-Liter-Gefäß und 4,90 Euro pro Kubikmeter höher als in allen anderen Kommunen. Zudem reicht’s auch beim Frischwasser mit 3,30 Euro pro Kubikmeter für den zweiten Platz.

Spitzenreiter ist in dieser Kategorie Schmitten – mit satten 3,80 Euro pro Kubikmeter. Die Feldberggemeinde ist auch in einer anderen Kategorie Spitzenreiter. Hier kostet ein Ganztagsplatz im Kindergarten mit Mittagessen 302,30 Euro im Monat. Für ein Geschwisterkind müssen noch mal 252,30 hingelegt werden. Wobei der Begriff "ganztags" in Schmitten relativ ist, denn in den gemeindlichen Kindergärten wird nur bis 15 Uhr betreut, während die Kinder in Usingens neuem Betreuungszentrum bis 18 Uhr untergebracht werden können – und der Preis ist immer noch günstiger als in Schmitten.

Mit 220,50 Euro (140,25 Euro fürs Geschwisterkind) sind die Gebühren für die Betreuung von 7.30 bis 16 Uhr in Usingen ziemlich niedrig. In Neu-Anspach geht’s noch etwas günstiger: 201 Euro fürs erste Kind, 144,50 Euro fürs Geschwisterchen. Wie teuer die Betreuung in Grävenwiesbach ist, ist auf den ersten Blick nicht zu eruieren. Die reinen Betreuungsgebühren sind mit 198 und 139 Euro zwar am niedrigsten. Hinzu kommen allerdings noch die Kosten für die Verpflegung sowie Getränke-, Spiel-, Bastel- und Kochpauschalen. Die Höhe der Pauschalen wird von der Kindergartenleitung in Abstimmung mit den Eltern festgelegt und separat erhoben. Das Verpflegungsentgelt wird vom Gemeindevorstand festgelegt.

Die ehemalige Kreis- und Residenzstadt hat dafür die niedrigsten Müll- und Abwassergebühren. Bei den Beerdigungs- und Friedhofsgebühren sind die Usinger dafür wieder auf dem zweiten Platz. Die summieren sich auf 1905,72 Euro. Weilrod landet da mit 1550 Euro auf dem dritten Platz. Auch in den anderen Bereichen landet die Weiltalgemeinde im Mittelfeld – sieht man von den Abwassergebühren ab, die mit 4,65 Euro pro Kubikmeter den zweithöchsten Wert im Usinger Land erreichen.

Die liegen in Wehrheim bei moderaten 2,25 Euro, das Frischwasser ist sogar noch günstiger: 2,35 Euro pro Kubikmeter reichen für die positive Tabellenführung. Dafür gibt’s in Wehrheim Ärger wegen der Kindergartengebühren. Für Geschwisterkinder gibt’s nämlich keine Ermäßigung, wenn das Familieneinkommen höher als 43 000 Euro im Jahr ist.

Fazit: Auf Heller und Cent lassen sich die Unterschiede nur in einzelnen Kategorien ausrechnen. Wie günstig oder teuer das Leben in den Kommunen wirklich ist, hängt auch von anderen Kategorien ab: Freizeit-, Kultur- und Vereinsangebot, Einkaufsmöglichkeiten, Grundstückspreisen, Grundsteuern und vielem mehr. Da die kommunalen Haushalte jedoch überall defizitär sind, scheint der Dreh an der Gebührenschraube nicht wirklich viel zu bringen. Positiv oder negativ.

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