1800 Schüler ziehen um

Endgültiger Abschied von der alten Philipp-Reis-Schule und Wanderung zum neuen Gebäude

Nun kann die Zukunft der PRS endgültig beginnen. Den Startschuss gab eine symbolische Wanderung, mit der Schüler und Lehrer eine Brücke zwischen alter und neuer Schule gebaut und dabei auch einen Schulterschluss vollzogen haben.

Von Klaus Späne

Friedrichsdorf. Schüler von der 5F1 auf dem Weg zur neuen Schule. Die beiden Jungen mit dem selbst gemalten Plakat sind Pascal (11, links) und Luis (12). Fotos: ys (3)Nanu, ein Karnevalsumzug mitten in Friedrichsdorf? Zumindest die Länge des "Lindwurms", der sich durch die Stadt schlängelt, steht in nichts einem närrischen Straßentreiben nach. Dazu kommen die vielen bunten Schilder, die Kinder und Jugendliche vor sich hertragen oder an Stangen montiert in die Höhe halten, während sie am Freitagmorgen gegen 8 Uhr die Taunusstraße hinunter marschieren. Auch die Stimmung in der langen Schlange, die sich zwischen Hugenottenstraße und dem Hohen Weg entlang zieht, ist ausgelassen trotz der klirrenden Kälte.

"Das ist ein besonderes Gemeinschaftserlebnis", fasst Martina Schilling die Gefühle zusammen, die wohl so manchen beschäftigen, der in dem Zug mitmarschiert. Es sei schön, zusammen mit Kollegen und Schülern diesen Tag zu gestalten – "das schweißt zusammen", fügt die stellvertretende Leiterin der Philipp-Reis-Schule (PRS) noch hinzu, bevor sie und die anderen am Ende der Philipp-Reis-Passage von einer gelbgoldenen Wintersonne empfangen werden. Das wirkt fast schon symbolträchtig, als ob die Natur das Drehbuch für den langen Marsch der rund 1800 Schüler und ihrer etwa 135 Lehrer geschrieben hätte. Und um Symbolik geht es ja auch bei der Aktion der PRSler, die mit der Wanderung quasi eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft bauen wollen.

Perfekt eingelebt

Bei der "Vergangenheit" gab es kurz vorher gegen 8 Uhr einen letzten "großen Bahnhof". Unter dem abbröckelnden Logo am D-Bau der PRS im Hohen Weg ging es zu wie auf einem Ameisenhaufen. Sämtliche 69 Klassen der Gesamtschule gruppierten sich, um zum Neubau in der Färberstraße aufzubrechen. In diesem scheinen unterdessen viele schon längst angekommen zu sein.

"Die haben sich perfekt eingelebt und vom ersten Tag an wohlgefühlt", berichtet Lehrerin Maria Jungels über Michel, Svenja, Simon, Marlene und die anderen Mädchen und Jungen von der 5GR, die um sie herum stehen und von der neuen PRS schwärmen, in der sie seit Montag fürs Leben lernen.

Andere haben bei dieser Gelegenheit die Gesamtdimension des Projekts im Sinn wie etwa der Erste Stadtrat Norbert Fischer (CDU). "Das ist schon ein besonderer Tag", sagt der Politiker mit Blick auf die lange Vorgeschichte des Neubaus – und auch auf die eigene Vergangenheit. Er sei schließlich selbst einmal auf die PRS gegangen, sagt Fischer, Jahrgang 1966. Er sei jedoch gänzlich ohne Wehmut über das Ende des maroden Schulgebäudes.

Auch für Gernot Karner steht der Tag unter besonderen Vorzeichen, wie er am Rande der kollektiven Tour verrät. Nicht nur, dass der Schulleiter heute seinen 62. Geburtstag feiert. Auch sein erster Arbeitstag an der PRS vor rund acht Jahren sei mit seinem Geburtstag zusammengefallen. Ja, ein bisschen Wehmut komme bei ihm schon auf, "aber die Freude über den Neubeginn überwiegt".

400 Meter Textil

Die Schüler-Lehrer-Kolonne ist derweil, gesichert von Polizei und Ordnungsamt, am neuen Kreisel an der Cheshamer Straße angekommen. Dort drücken Lehrerin Monika Tylewski und ihre Kolleginnen Inge Moser und Christine Abel den Schülern und Lehrern ein Banner in die Hand, das unzählige bunte Handabdrücke zieren. Damit haben sich die PRSler verewigt.

400 Meter lang ist das Textil, das die Schlange nun die letzte Etappe bis zur Färberstraße mit sich führt. Eine Überraschung gibt es vor der Taunus-Residenz, vor der 20 Senioren dem Zug zuwinken und ein selbst fabriziertes Banner mit der Aufschrift "Viel Glück PRS" zeigen. "Wir haben Enkelkinder auf der Schule und finden den Zug eine großartige Idee", sagt Roswitha Waldmann, die zusammen mit Barbara Obermann die Idee zu dem Gruß hatte. Hinter zwei Schülern laufen, warm eingepackt, die stellvertretende Schulleiterin Martina Schilling (links), Schulleiter Gernot Karner und Erster Stadtrat Norbert Fischer (rechts).

Nach weniger als einer Stunde ist die PRS-Schlange schließlich in der Färberstraße angekommen. Dicht gedrängt ballen sich Schüler der 69 Klassen über zwei Stockwerke im Foyer, das Banner zieht sich entlang des Geländers. Ein Anblick, bei dem auch Jens Glatz, Leiter des Projekts beim Hochtaunuskreis, ins Schwärmen gerät: "Das ist doch Wahnsinn, wenn man sich jahrelang mit der Planung beschäftigt hat – und jetzt ist das Ding voll". Gänsehautstimmung inklusive.

Diese steigert sich noch, als die Schulband "Teachers & Friends" im Foyer aufspielt. "Es ist jetzt unsere Schule, es ist deine Schule, es ist eine Schule für everybody", leitet Gitarrist und Lehrer Günter Käberich den Bluesbrothers-Song "Everybody" ein, bei dem die neue Penne swingt.

Schließlich noch der offizielle Startschuss von Karner in einer kurzen Ansprache: "Mit der symbolischen Wanderung sind wir endgültig angekommen. Diese Schule wird sich entwickeln."

Und auch der Alltag holt die Schüler schnell ein. Denn kurz danach gibt‘s Halbjahreszeugnisse.

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