Ein Zug geht auf Reisen

Verladung eines Wagenkastens der HLB mit zwei Kränen und einem Tieflader

33 Meter lang und rund 50 Tonnen schwer – für die Verladung eines im Juli 2011 entgleisten Zuges der Hessischen Landesbahn waren gestern ein Spezialtransporter und viele helfende Hände nötig.

Von David Schahinian

Königstein. Der verunglückte Zug wird zum Abtransport per Autokran auf einen Tieflader gehievt. Fotos: Jens Priedemuth (3)Knapp acht Monate ist es her: Am 1. Juli 2011 sprang ein Zug der Hessischen Landesbahn (HLB) am Königsteiner Bahnhof aufgrund eines Rangierunfalls aus den Gleisen. Menschen kamen damals nicht zu Schaden, doch mit den Sachschäden muss sich das Verkehrsunternehmen bis heute beschäftigen. "Die Schäden konnten wir hier, an Ort und Stelle, nicht reparieren", erklärt Gunther Dwelk, Standortleiter der HLB in Königstein. Aufgrund der spezifischen Schäden sei außerdem keine Überführung über das Schienennetz möglich gewesen.

Gestern nun startete der Transport des ersten der beiden Wagenkästen zu einer Spezialfirma, die die Reparaturen durchführen wird. Das erkläre auch den relativ langen Zeitraum, der vom Zeitpunkt des Unfalls bis gestern vergangen sei. Dwelk: "Zunächst musste der Schaden begutachtet und herausgefunden werden, wer die Schäden überhaupt reparieren kann." Außerdem mussten sich die Versicherung über die Schäden informieren und die Leistungen ausgeschrieben werden.

Herkulesaufgabe

Mechatronikerin Claudia Schwanz befestigt mit Kabelbindern lockere Teile des Zuges am Tieflader.Der Transport selbst ist für die Organisatoren ebenfalls eine Herkulesaufgabe. Zwei Kräne sowie ein Tieflader waren gestern im Einsatz, um den Wagenkasten zu verladen und auf die Straße zu bringen. Der Zug wurde zuvor in zwei Hälften geteilt und die schweren Bauteile bereits im Vorfeld ausgebaut. Alles in allem sei der Zug vor seiner Zerlegung 33 Meter lang gewesen und habe ein Gesamtgewicht von rund 50 bis 55 Tonnen gehabt, erklärt Dwelk. Probleme würden eher die Wagenkästen als das Gewicht machen: "Die Platzverhältnisse sind nicht üppig."

Hinzu komme, dass der Spediteur über umfangreiche Fachkenntnisse und Erfahrungswerte verfügen müsse. Die Mitarbeiter der HLB könnten ihr Know-how bezüglich der Statik einbringen, da man die Fahrzeuge nur an bestimmten Stellen heben dürfe. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass das Fahrzeug zusätzlich beschädigt werde. Dwelk: "Die Hauptarbeit besteht darin, den Zug auf dem Tieflader abzusetzen und ihn transportfähig zu sichern. Das sind alles Individualkonstruktionen." Der Spediteur habe zwar Erfahrungen mit Schwertransporten, doch der Transport dieses Wagentyps sei für alle Beteiligten Neuland.

Einfacher Rücktransport

Die bereits ausgebaute Achse.Wie lange die Reparatur dauern wird, lasse sich nicht genau abschätzen. Derzeit gehe man von rund vier Wochen aus, doch sei dies lediglich eine Schätzung, Stichwort: versteckte Schäden. Eine genaue Aussage kann nach Angaben von Gunther Dwelk erst erfolgen, wenn der Wagen in der Werkstatt steht. Der Rücktransport wird indes wesentlich geräuschloser über die Bühne gehen, und zwar über die Schiene. "Dafür ist ein Schienenfahrzeug schließlich da", so der Betriebsleiter lächelnd.

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