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Königin sein ist gar nicht einfach
Mit „Caesar und Cleopatra“ brachte das Ensemble „Lukas 14“ ein Lehrstück vom Erwachsenwerden auf die Bühne
Zwischen "Caesar und Cleopatra" lässt George Bernard Shaw weniger die Funken der Liebe sprühen. Aus dem Fünfakter über die gediegene Erziehung junger Königinnen machte das Frankfurter Ensemble "Lukas 14" jedoch ein unterhaltsames Vergnügen.
Von Ulrich Boller
Falkenstein. ![]()
Hat noch viel zu lernen: Cleopatra (Awa Boron, Mitte) mit Caesar (Dr. Lutz Riehl) und Amme Ftatateeta (Gisela Paluch). Foto: ysEs wäre ja zu schön gewesen. Mitten in Caesars traumverlorenes Parlando mit der erhaben lächelnden Sphinx platzt dieses unerzogene, vorlaute Kind. Schier um Kopf und Kragen plappert sich die jugendliche Cleopatra, gibt ausgerechnet dem Haupt der römischen Eroberer des schon reichlich ramponierten Pharaonenstaats ziemlich offenherzig ihr ganzes Denken und Fühlen preis. Der nimmt es allerdings staatsmännisch gravitätisch, ein wenig belustigt sogar. Sollte sich aus diesem kindlichen Geschöpf nicht eine veritable Königin formen lassen? Denkt es und beginnt sogleich mit dem selbst erteilten Erziehungsauftrag. So ganz genau nimmt es George Bernard Shaw mit den historischen Fakten des vorchristlichen Jahres 48 nicht in seinem Fünfakter "Caesar und Cleopatra", den die Frankfurter Theatergruppe "Lukas 14" ebenso kurzweilig wie schauspielerisch gekonnt auf die Bühne brachte. Die eine oder andere Szene hatte das Ensemble um den Regie führenden Kapuzinerpater Amandus Hasselbach gestrichen. Nicht zum Schaden des Stücks, das spätägyptisches Flair in den Pfarrsaal der katholischen Christkönigsgemeinde brachte. Denn ein trockenes Historiendrama schwebte dem Autor mit der oft satirisch spitzen Feder gar nicht vor. Vielmehr eine Art antiker Eliza Doolittle ("My Fair Lady"), die erst lernen muss, wie man erfolgreich Politik macht und sich als mächtige Frau durchsetzt. Wobei es alles andere als sanft zugeht. Amme, Bruder und dessen Erzieher müssen ihr Leben lassen, während draußen vor dem Palast die Schlacht um Alexandrien tobt. Keine Geringere als die glutrot gewandete Göttin Maat, mit weiser Würde verkörpert von Louisa Bouzelha, hatte das dramatische Geschehen angekündigt. Sie fungierte immer wieder als wissende Kommentatorin der Handlung.
Ein edler Römer
Glänzende Vorstellungen lieferten Awa Boron und Gemeindeorganist Dr. Lutz Riehl in den beiden Titelrollen. Dem römischen Staatslenker gab Riehl charaktervolles Profil. Ein Mann reifen Alters, den nichts aus der Ruhe bringt, der stets den Überblick wahrt und überlegen handelt. So wie man sich Ende des 19. Jahrhunderts einen edlen Römer dachte, der alle Fäden in der Hand hält. Da mochte die gereifte Ägypterin königlich auftreten, stolz und gebietend im schwarzen Kleid und mit funkelnder Krone – die leicht schnippische Jugendliche, aus deren Stimme mehr Angst als Vaterlandsliebe tönte, war gleichwohl unvergleichlich sympathischer.
Kräftige Farbakzente setzten außerdem Carl-Heinz Hauck (Caesars urwüchsiger Adlatus Britanus), Benedikt Richter als schnöseliger Prinzenerzieher Pothinus sowie Gisela Paluch in der Rolle der schlangenhaften Amme Ftatateeta. Der gewandte Teppichhändler Apollodorus schien Martin D. Washington wie auf den Leib geschrieben. Aber auch Sarah Gog und Carsten Petry gefielen als Kindkönig Ptolemäus und römischer Statthalter Rufio. Viel verdienten Beifall gab es für dieses dritte Gastspiel der Theatergruppe "Lukas 14".



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