Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 27.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Offenkundige Differenzen unter den Eintracht-Fans
Die Fanszene von Eintracht Frankfurt ist weiter im Wandel. Seit dem Heimspiel des Zweitligisten gegen Braunschweig wirbt der Nordwestkurve Frankfurt e. V. aktiv um Mitglieder – und hat große Ziele.
Von Stefan Fritschi
Frankfurt. Andreas Hornung ist ein alter Hase der Eintracht-Fanszene. Seit 1973 geht er ins Stadion, hat seitdem kaum ein Fußballspiel, auch auswärts, verpasst und viele Jahre als Fansprecher oder Fanbeauftragter fungiert, zuletzt aber nur noch bei den U 23-Spielen.
Seit Beginn des Jahres agiert Hornung als einer von drei Sprechern des Nordwestkurve-Rats. Anlass, nochmals größer einzusteigen, sah der 49-Jährige geboten. "Wir haben im Nordwestkurve-Rat festgestellt, dass es ein Vakuum gibt bei der Kommunikation innerhalb der Fanszene", sagt Hornung. Das sind große Wort und ist auch Kritik an den aktuellen Strukturen.
Die Entstehung des Nordwestkurve e. v. ist gewissermaßen eine Reaktion auf die Aufarbeitung der Ereignisse während der Abstiegssaison.
Fans, vornehmlich Ultras, gerieten nicht nur mit der Staatsgewalt in Konflikt, sondern auch mit der Eintracht-AG um ihren Vorsitzenden Heribert Bruchhagen. Das dehnte sich später auf den Eintracht-e.V. aus, daher werden trotz des sportlichen Erfolgs die Spiele der U 23 in der Regionalliga seit Saisonbeginn von den Ultras boykottiert.
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Differenzen, die sich in unterschiedlichen Perspektiven zwischen Ultras und der Eintracht-AG erklären. Viele Fans, nicht nur Ultras, sehen sich nicht durch die Eintracht-AG vertreten.
Im Zuge der Auseinandersetzungen kam es auch zu keiner konstruktiven Arbeit mehr im installierten Fanbeirat. Diesem gehören Vertreter des Fansprechergremiums, der Fan- und Förderabteilung und der Ultras, das Fanprojekt sowie Fanbeauftragte der Eintracht-AG und AG-Vize Klaus Lötzbeier an. Offiziell existiert der Fanbeirat noch. Doch nach dem Rückzug der Ultras wegen "Differenzen innerhalb des Fanbeirats", so Hornung, hat er an Bedeutung verloren.
Mit der Gründung des Nordwestkurve-Rats nimmt man die Dinge offensichtlich selbst in die Hand. Inwiefern aber letztlich Einfluss ausgeübt werden kann, bleibt abzuwarten. Der elfköpfige Rat wird nicht nur durch Ultras repräsentiert, sondern auch durch Mitglieder von traditionellen und jüngeren Fanclubs sowie der Fan- und Förderabteilung.
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Prallen unterschiedliche Sichtweisen aufeinander?
Prallen bei so einer Mischung nicht unterschiedliche Sichtweisen aufeinander? "Ja und Nein. Es wird schwierig, einen gemeinsamen Nenner zu finden, aber ich sehe das auch als Chance, damit sich die Fans nicht alles gefallen lassen", sagt Hornung.
"Wir sprechen jeden an, auch unorganisierte Fans, wollen niemanden ausgrenzen." Primäres Ziel sei, sich für den "Erhalt der Fankultur aktiv einzusetzen und dies mit Argumenten ausfüllen", führt Hornung fort.
Themen wie Kommerzialisierung des Fußballs, Legalisierung von Pyrotechnik und die Vergabe von Stadionverboten werden laut Hornung zentrale Punkte sein.
Doch auch um ganz Banales wie Bierpreise werde sich gekümmert. Das Eintracht-"Urgestein" hofft, dass im Laufe der Jahre mehrere Tausend in den Nordwestkurve e.V. eintreten. Die Mitgliedschaft kostet fünf Euro im Jahr. "Das ist ein rein symbolischer Preis."
Innerhalb der Fanszene, rund 26 000 sind in fast 600 Fanclubs organisiert, sieht man mitunter den Nordwestkurve e. V. kritisch.
Der Hauptgrund: Es bestehe eine zu große Nähe zu den Ultras, da der für eine Vereinsgründung notwendige Vorstand nur aus Ultras bestehe. Im aktuellen Fanbrief des Fansprechergremiums wird auf die neue Organisation erst gar nicht eingegangen. Probleme innerhalb der Eintracht-Fanszene seien aber offensichtlich. Wenn Fans von anderen bedroht werden, weil sie eine Anti-Gewalt-Initiative starten, "stellen wir einen Graben fest".



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