Fußball auf der Baustelle
Zweitligist FSV Frankfurt will heute eine lange Durststrecke beenden. Die Bornheimer empfangen heute Abend (18 Uhr) den FC Ingolstadt. Dank einer funktionierenden Rasenheizung ist das Spiel nicht gefährdet.
Von Michael Helms
Frankfurt. ![]()
Auf dem Sprung: Chadli Amri will dem FSV Frankfurt in der Tabelle weiter nach oben klettern. Foto: Roskaritz Die Bagger wühlen sich immer noch durch einen riesigen Berg von Schutt und verursachen dabei unangenehme Staubwolken, die bei leichtem Schneetreiben, einem eisigem Wind und Temperaturen von fünf Grad unter Null den Bornheimer Hang gestern zu einem unwirtlichen Ort machten. Und ausgerechnet auf dieser ungemütlichen und nicht gerade stimmungsvollen Baustelle wollen die Profis des FSV heute ihre seit fast zehn Monate währende Leidenszeit beenden.
Am 15. April des vergangenen Jahres war den Bornheimern mit dem 2:1 über den TSV 1860 München nämlich der letzte Heimsieg gelungen. Die meisten der knapp 5000 Zuschauer verfolgten die muntere Begegnung damals bei frühlingshaften Temperaturen von der in die Jahre gekommenen Haupttribüne aus. Die ist mittlerweile abgerissen worden, im Sommer soll der Umbau des Frankfurter Volksbank Stadions dann endlich der Vergangenheit angehören.
Deshalb müssen in naher Zukunft unbedingt Siege her, damit der FSV Frankfurt in seiner Heimstätte auch weiterhin als Zweitligist – es wäre dann die fünfte Saison hintereinander – auftreten kann. "Das ist ein ganz besonderes Spiel. Aber nicht deshalb, weil wir gegen Ingolstadt spielen. Sondern weil man in einem erfolgreichen Abstiegskampf auch eine positive Heimbilanz braucht", sagt Benno Möhlmann, der diese Mission seit dem 21. Dezember des vergangenen Jahres leitet. Einige Wochen zuvor, am 9. November, war der "Trainer-Dino" der Zweiten Bundesliga beim FC Ingolstadt entlassen worden, den er in der Spielzeit zuvor nach einer furiosen Rückrunde noch vor dem Abstieg bewahrt hatte. Kurz nach der Entlassung von Möhlmann präsentierten die Ingolstädter schon seinen Nachfolger: Ausgerechnet Tomas Oral, der die Bornheimer einst aus der Hessenliga ins Bundesliga-Unterhaus führte und zwei Mal in Folge mit ihnen die Klasse hielt, ehe er im Herbst 2009 am Bornheimer Hang nach einer Serie von acht sieglosen Begegnungen zermürbt das Handtuch warf.
Aber nicht nur wegen dieser Konstellation ist das heutige Aufeinandertreffen ein in der Tat ganz besonderes Spiel. Die beiden vom Abstieg bedrohten Clubs trennt in der Tabelle nur ein Platz und zwei Punkte, beide Mannschaften wurden in der Winterpause offensichtlich gezielt verstärkt und legten auch gleich einen beachtlichen Start ins neue Jahr hin. Der FSV kletterte nach dem 2:1-Erfolg in Duisburg auf Rang 15 und überflügelte die Ingolstädter, die trotz des überraschenden 1:1 gegen den Tabellenführer aus Düsseldorf wieder auf den Relegationsplatz zurückfielen.
Gledson verletzt
Schon heute Abend könnte die Tabelle wieder ein ganz anderes Bild haben, denn Oral will bei seiner Rückkehr an den Bornheimer Hang natürlich gewinnen. "Im Fußball ist kein Platz für Sentimentalität, wir sind Konkurrenten im Abstiegskampf, also müssen drei Punkte her", lautet die Zielsetzung von Oral, der die noch im Aufbautraining befindlichen Caiuby und Moritz Hartmann nicht einsetzen kann. Möhlmann wird höchstwahrscheinlich Innenverteidiger Gledson ersetzen müssen. Der Brasilianer hatte sich in Duisburg eine Blockade im Rücken zugezogen und konnte am Mittwoch, als er erstmals wieder am Training teilnahm, nur unter Schmerzen die Übungseinheiten absolvieren. Für ihn dürfte Marc Heitmeier in der Defensivzentrale spielen, dessen Platz im Mittelfeld könnte Zafer Yelen einnehmen, der sich in Duisburg nach seiner in der Vorbereitung erlittenen Verletzung noch mit der Rolle des Einwechselspielers zufrieden geben musste.
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