Stunk nach Pleite - Haas sauer auf Kohlschreiber

Bamberg. Tommy Haas (l) war nach der Davis-Cup-Niederlage frustriert. Foto: David EbenerNachdem sein "Kindheitstraum" vom Davis-Cup-Sieg wieder einmal frühzeitig geplatzt war, entlud sich bei Tommy Haas der Frust. Ziel seines Zorns: Teamkollege Philipp Kohlschreiber, der bei der klaren Pleite gegen Argentinien wegen eines Magen-Darm-Virus gefehlt hatte.

"Dass er nicht mal gekommen ist, finde ich sehr schade", grollte Haas in Bamberg. Dies sei für ihn "nicht verständlich", legte der Wahlamerikaner mit grimmigem Blick nach. Die schwarze Schildmütze tief ins Gesicht gezogen war dem Tennis-Routinier bei der Pressekonferenz anzusehen, wie sehr ihn die Erstrunden-Niederlage wurmte. "Es ist klar, dass das wehtut", gab der frustrierte Haas zu. Insgeheim habe er nach der Auslosung vor sich "hingeträumt", dass in dieser Saison richtig viel möglich sein könnte. Doch weit gefehlt. Abstiegsduell statt Viertelfinale hieß es stattdessen schon vor den beiden bedeutungslosen Einzeln am Sonntag.

Und so ist es gut möglich, dass das misslungene Heimspiel in Oberfranken Haas' letzter Davis-Cup-Auftritt war. Ob er vom 14. bis 16. September mithelfen wird, den Sturz in die Zweitklassigkeit abzuwenden, vermochte der langjährige Team-Leader nicht zu sagen: "Bis dahin ist noch lange hin." Ausschließen wollte Haas seinen Einsatz im Relegationsmatch aber auch nicht. Vielleicht gebe es ja noch mal das eine oder andere Spiel im Davis Cup, sagte der bald 34-Jährige und ließ sich damit alle Optionen offen.

Am 46. Geburtstag von Teamchef Patrik Kühnen gelang es dem einstigen Weltranglisten-Zweiten mit Doppelpartner Philipp Petzschner nicht, für die Trendwende zu sorgen. Trotz 2:0-Satzführung unterlag das Duo dem argentinischen Doppel David Nalbandian/Eduardo Schwank mit 6:3, 6:4, 4:6, 3:6, 4:6. Die Magnum-Flasche Sekt, die Kühnen vom Veranstalter bekommen hatte, blieb ungeöffnet. Stattdessen feierten die Gauchos eine Fiesta in "Freak City". "Wir können mit Gewissheit sagen, dass wir alles gegeben haben. Aber Argentinien steht nicht ohne Grund an Nummer drei der Weltrangliste", bilanzierte Kühnen.

Es fiel auf, dass sich der dreimalige Davis-Cup-Gewinner nach Haas' Kritik an Kohlschreiber nicht energisch darum bemühte, den Eindruck atmosphärischer Störungen zu zerstreuen. Im Gegenteil, auch Kühnen machte deutlich, dass ihm Kohlschreibers Fernbleiben missfiel: "Wir alle hätten uns gewünscht, wenn er er geschafft hätte, uns wenigstens einen Tag zu unterstützen." Seit der Absage am Mittwoch habe es keinen Kontakt mehr gegeben. "Philipp sagte mir, er sei zu schwach, um gegen Argentinien spielen zu können", berichtete Kühnen.

Der neue DTB-Vizepräsident Carl-Uwe-Steeb wollte zunächst keine Partei ergreifen: Falls der Augsburger Kohlschreiber gesund sei, "hat Tommy recht. Ist er ernsthaft krank, nicht", sagte Steeb "bild.de".

So oder so - es drängte sich der Eindruck auf, dass es im Team nicht hundertprozentig stimmt. Während sich die argentinischen Spieler gestenreich und lautstark anfeuerten, herrschte in der DTB-Box trotz des tollen Bamberger Publikums wenig Betriebsamkeit. Immerhin harmonierte das Doppel Petzschner/Haas - auch abseits des Platzes. "Ich bin tierisch froh, dass Tommy wieder da ist", sagte Petzscher. Sollte er in der Doppel-Weltrangliste unter die Top Ten vorstoßen und sich damit für Olympia in Wimbledon qualifizieren, sei "Tommy erste Wahl" als Partner, kündigte der Bayreuther an.

Für die neue Verbandsspitze um Präsident Karl-Georg Altenburg machte die Niederlage den verpatzten Einstand perfekt. Bereits am vergangenen Wochenende hatten Sabine Lisicki und Co. im Fed Cup das Halbfinale verpasst - beiden deutschen Teams droht damit der Abstieg. "Die sportliche Bilanz ist natürlich enttäuschend", räumte Altenburg ein und bat zugleich um "ein bisschen Zeit": "Wir sind noch keine 100 Tage im Amt", sagte der DTB-Chef im Politikerjargon.


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