Die Titelseite der Frankfurter Neue Presse vom 27.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Wie Hadschi Halef den Nemsi taufte
Jörg Kastner hat mit «Hadschi Halef Omar» quasi die Nullnummer für den Orientzyklus’ von Karl May vorgelegt: Eingereiht in die «Gesammelten Werke» kann der Band als Vorspann zu den sechs Bänden von «Durch die Wüste» bis «Der Schut» gesehen werden. Es ist kein lauer Aufguss geworden, sondern ein fesselndes Orient-Märchen ganz im typischen Duktus des sächsischen Meister-Fabulierers. Kastner erzählt darin, wie der Ich-Erzähler und Weltenbummler in Nordafrika landet, im Souk von Algier einen kleinen Beduinen mit dünnem Bartwuchs und großem Turban trifft und von ihm kurzerhand «Kara ben Nemsi» getauft wird, weil die zwei Silben seines wirklichen Namens dem Männchen «kürzer als der Ruf eines Fenneks» vorkommen. Ja, es ist Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abbul Abbas Ihn Hadschi Dawuhd al Gossarah, den Kara ben Nemsi hier kennenlernt und mit dem er bald der Spur der «Schwarzen Skorpione» durch die Sahara folgt, mit dem er auf marodierende französische Fremdenlegionäre trifft und mit dem er das Geheimnis der «Oase des Scheitans» lüftet.
Der Hannoveraner Autor Jörg Kastner, mit Thrillern wie «Engelspapst» und historischen Werken wie «Die Farbe Blau» erfolgreich, hat ein Karl-May-Abenteuer geschaffen, das den Erzählton und die lyrisch-philanthropische Grundeinstellung der Originale perfekt kopiert. Er beantwortet Fragen, die Karl May offen gelassen hat, und es gelingt ihm, in Sprache, Ideenreichtum und Farbigkeit zu verschwinden hinter den facettenreichen Figuren Karl Mays und der besonderen Pracht des Orientzyklus’, der zu den besten Schöpfungen des liebenswerten Erz-Schwadroneurs gehört. Für Fans ein Muss. hv
Jörg Kastner: «Hadschi Halef Omar», Karl-May-Verlag, Bamberg, 448 S., 19,90 Euro.


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