06.09.2010

Zwei Menschen, ein Wohnzimmer, ein Schicksal

«Silberfischchen» heißt ein Romandebüt von Inger-Maria Mahlke: ein Kammerspiel mit einer Polin und einem pensionierten Polizeibeamten.

Jana Potulski ist ausgeraubt worden und hat kein Geld für eine Fahrkarte. Hermann Mildt ist frühpensionierter Polizeibeamter und hatte im Bahnhof keine Zeit mehr für den Fahrkartenkauf. Im Bahnhof quatscht sie ihn an, erzählt ihm, dass ihr alles gestohlen wurde und bittet den Widerstrebenden um Aufnahme.

In der Wohnung von Hermann, einem wunderlich gewordenen Witwer, bekommt sie Platz auf einem Sofa im Wohnzimmer. Im Badezimmer entdeckt sie die Silberfischchen, die dem Roman als Titel-Tierchen dienen.

Zwischen den beiden entwickelt sich eine deutsch-polnische Symbiose, die von Geiz und Misstrauen, auch von nicht mehr auslebbarer Lüsternheit des Fahnders im Ruhestand und von der ihre Würde wie ihre Interessen gekonnt verteidigenden, vorübergehend mittellosen Jana gekennzeichnet ist. Die Situationen sind fast immer zum Zerreißen gespannt.

Die 1977 in Hamburg geborene Autorin hat eine spannende Drei-Tages-Geschichte geschrieben. Die fast surrealen Situationen und Bilder, die Mahlke erfindet, erinnern gelegentlich an Kafka. Ein glänzendes Debüt!

Inger-Maria Mahlke: «Silberfischchen».Aufbau, Berlin. 199 S., 16,95 Euro

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