Am Anschlag: Emissions-Tetris in der Ausstellung „Umwelt, Klima und Du“ im Jungen Museum Frankfurt. Foto: Junges Museum Frankfurt.
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Am Anschlag: Emissions-Tetris in der Ausstellung „Umwelt, Klima und Du“ im Jungen Museum Frankfurt.

Ferien zu Hause

Junges Museum in Frankfurt: Ausstellung zu Wetter und Klima

  • VonGernot Gottwals
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Drucken, Papier oder Schmuck herstellen und das Wetter vorhersagen: Mit Werkstätten und Exkursionen in die Stadtteile bietet das Junge Museum Frankfurt Wissen zum Anfassen.

Seit rund 130 Jahren können Meteorologinnen und Meteorologen zunehmend bessere Vorhersagen zur Entwicklung von Wetter und Klima treffen. Selten zuvor waren ihre Beobachtungen so wichtig wie in diesem Sommer der Wetterextreme. „Umwelt, Klima und Du“ heißt passenderweise eine aktuelle Schau des Jungen Museums Frankfurt: Es ist eine spannende Nachhaltigkeitsausstellung mit Wetterstation im Historischen Museum – und Exkursionen quer durch die Stadt.

Wo geht es hin? Bis Freitag, 30. Juli, erforscht die Museumspädagogin Laura Hollingshaus mit Kindern ab sieben Jahren Fechenheim-Nord (Treffpunkt Spielplatz Wächtersbacher Straße Nord), von 2. bis 6. August ist sie in Praunheim unterwegs (Treffpunkt Heinrich-Lübke-Straße 54). In den Wochen danach geht es unter anderem nach Rödelheim, Preungesheim, Griesheim und ins Gallus, wo sich Wiesen und Bäume in der Julius-Munk-Anlage zwischen Schwalbacher Straße und Kleyerstraße ihre Nischen suchen.

Austellung zu Klima und Wetter: Ein Sensor sammelt Daten

„In der Nordweststadt haben wir begonnen, einen Klimaschal mit Warnstreifen gegen Überhitzung für die Museumsausstellung zu häkeln, im Riederwald Wildkräuter auf dem Cäcilie-Breckheimer-Platz gefunden“, erzählt die Museumspädagogin Hollingshaus. In Fechenheim-Nord biete sich eine Müllsammelaktion am nahe gelegenen Spielplatz an, und in Praunheim gebe es vegetationsfreundliche Innenhöfe und sehr engagierte Kinder: Vor zwei Jahren demonstrierten sie für mehr Umweltschutz.

Zurück im Haupthaus kann man sich im zweiten Stock des Jungen Museums in die Ausstellung „Klima, Wissen und Du“ alleine oder bei einer Führung vertiefen: Ergänzend zu den mobilen Wetterstationen der Stadtteilexkursionen erlaubt es hier ein Sensor auf dem Dach des Historischen Museums, Temperatur, Luftdruck und -feuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Niederschlagsmengen zu bestimmen. Zudem können Kinder und Jugendliche selbst in die Rolle eines Fernsehwetterfroschs schlüpfen und mit Hilfe einer Wetterkarte die Aussichten von Rostock bis Berchtesgaden bestimmen.

Stadtführunungen

Das Junge Museum lässt bei interaktiven Führungen auch die Frankfurter Stadtgeschichte aufleben. So wird etwa das Zusammenleben der Menschen im mittelalterlichen Frankfurt vom 8. bis zum 16. Jahrhundert bei einem Stadtspaziergang an Originalschauplätzen anschaulich.

Stationen sind die Altstadt und Ausgrabungen im Historischen Museum. Zurzeit gilt: Führungen und Stadtgänge können für Gruppen bis 25 Personen ohne Negativtest und Nachverfolgung gebucht werden. Gruppen ab 26 Personen benötigen einen tagesaktuellen Negativtest, und das Museum nimmt die Daten zur Nachverfolgung auf.

Ein Besuch der Ausstellung für Gruppen ohne Führung ist möglich nach Anmeldung. Bei größeren Gruppen (10 Personen) bittet das Museum um telefonische Anmeldung beim Besucherservice unter
069 212-35154. judo

Ausstellung zu Klima und Wetter: Anteil an Emissionen bestimmen

Aber auch für Erwachsene gibt es viel zu lernen. „Wir haben eine CO2-Waage aufgestellt, mit der jeder seinen Anteil an Emissionen durch sein Alltagsverhalten bestimmen kann“, sagt die Museumsleiterin Susanne Gesser. Wer viel Fleisch isst und lange Strecken im Auto oder Flugzeug mit Verbrennungs- und Kerosinmotoren zurücklegt, gehört eher zu den Schwergewichten. Das hat Folgen: Bei einer Klimaerwärmung von bis zu zwei Grad kommen sogenannte Jahrhundertfluten alle 33 Jahre, so Fachleute.

Bei der kleinen Apotheke und dem Kolonialwarenladen im dritten Stock sowie der Druckerei und dem Forschungslabor im Keller muss man sich coronabedingt auf das Schauen beschränken. Ein weiteres Highlight ist dafür die zweistündige Kostümführung „Wie man Kaiser macht“ zwischen Dom, Römerberg und Kaisersaal für Gruppen von 15 bis 20 Personen (ab 60 Euro).

Raus in die Stadtteile zieht es das Junge Museum seit vielen Jahren, hier 2019.

Ob draußen in der Natur, in den Frankfurter Stadtteilen oder auch im Historischen Museum: Das Junge Museum ist längst „erwachsen“ geworden, feiert nächstes Jahr sogar schon seinen 50. Geburtstag – 1972 wurde es als erstes deutsches Kindermuseum überhaupt gegründet. Die ersten Kindermuseen gab es schon um 1900 in den USA, doch in Deutschland und Europa betrat das Historische Museum mit der Idee einer eigenen kind- und später jugendgerechten Abteilung Neuland. Mit einer „Kindergalerie“ sollte aus dem Musentempel eine Spiel- und Lernausstellung mit Rollenspielen werden. Doch zunächst fehlten die finanziellen Mittel für größere Ausstellungen, in den 1970er Jahren wurden „Schulgeschichten“, „Struwwelpeter garstig“ oder „Robinson im Main“ gezeigt.

Junges Museum in Frankfurt: 2022 Jubiläumsjahr

1982 musste das Museum wegen Stellenvakanz für vier Jahre schließen. 1986 folgte „Circuskinder-Kinderzirkus“, 1999 wurde das Projekt „Kindermuseum unterwegs“ gegründet. Im April 2008 musste das Museum für die Sanierung des Saalhofes für zehn Jahre in die B-Ebene der Hauptwache ziehen. Ab 2015 wurde die Druckerei eingerichtet, die mit den historischen Läden 2018 im Bernusbau ihr Zuhause im Jungen Museum fand, wie es seit der Wiedereröffnung heißt.

Für das Jubiläumsjahr plant das Junge Museum die Ausstellung „Nachgefragt: Frankfurt und der NS“ über Kindheit und Jugend in der NS-Zeit für Kinder ab zehn Jahren: „Es wäre schön, wenn unsere Kinder und Jugendlichen die Ausstellungen und Mitmachangebote dann wieder ohne Corona-Einschränkungen besuchen können und eigene kleine Beiträge zur NS-Ausstellung einbringen könnten“, wünscht sich Gesser, die 2022 übrigens ihr 30-jähriges Dienstjubiläum feiert. (Von Gernot Gottwals)

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