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?Die Stimmung an der Strecke treibt mich richtig an?

Herzlichen Glückwunsch Laura zum erneuten Sieg beim Ironman 70.3. Was empfindest du heute, am Tag nach deinem Streckenrekord im Kraichgau? Laura Philipp: Ich freue mich total über meinen Sieg und natürlich auch sehr über den Streckenrekord. Am Tag nach so einem Rennen fällt die Anspannung von mir ab, denn es braucht viel Disziplin, um das zu erreichen. Ganz besonders toll waren die Zuschauer und dass zum ersten Mal eigene Fanklatschen für mich zu sehen und hören waren. Das war ein ganz besonderes Gefühl.

Herzlichen Glückwunsch Laura zum erneuten Sieg beim Ironman 70.3. Was empfindest du heute, am Tag nach deinem Streckenrekord im Kraichgau? Laura Philipp:Ich freue mich total über meinen Sieg und natürlich auch sehr über den Streckenrekord. Am Tag nach so einem Rennen fällt die Anspannung von mir ab, denn es braucht viel Disziplin, um das zu erreichen. Ganz besonders toll waren die Zuschauer und dass zum ersten Mal eigene Fanklatschen für mich zu sehen und hören waren. Das war ein ganz besonderes Gefühl.

Du musst während des Wettkampfs doch total fokussiert sein, bekommst du überhaupt mit, was am Rande der Strecke abläuft?

Ich hatte beim Laufen dann ja doch einen komfortablen Vorsprung, da kann ich es mir eher mal erlauben, mich ablenken zu lassen, als wenn es knapp ist. Der Beifall der Zuschauer und die Stimmung an der Strecke machen viel aus. Das treibt mich richtig an. Natürlich nehme ich nicht Einzelne wahr, aber die Atmosphäre, die kommt bei mir an und die ist sehr wichtig für mich.

Der Streckenrekord im Kraichgau ist schon Dein dritter Sieg auf der Mitteldistanz und der zweite Rekord in diesem Jahr. Auch 2017 hast Du kräftig abgeräumt. Wie bist Du mit dem Saisonstart zufrieden?

Drei Siege in drei Rennen, das sehe ich als Belohnung für meine Trainingssaison im Winter. In diesem Jahr wird mein Fokus darauf liegen, meine guten Leistungen aus dem Jahr 2017 zu bestätigen. Es ist schwer, gut zu werden und noch schwerer, gut zu bleiben. Ich bin ja im November und damit recht spät in die Winterpause gegangen, aber offensichtlich habe ich dieses Setting gut lösen können. Jetzt sind allerdings die Erwartungshaltungen hoch, meine eigene, aber auch die von außen.

Ein guter Auftakt ist toll, aber weckt eben auch diese Erwartungen. Wie gehst du damit um?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt, um erfolgreich zu bleiben. Da gibt es die physische Ebene, aber auch sehr wichtig: die Psyche. Ich trainiere natürlich viel und gründlich, um mich gut auf die Saison vorzubereiten. Aber nach all diesen Erfolgen schleichen sich schon auch mal Zweifel ein. Mit denen gut umzugehen, ist wirklich sehr wichtig, und das physische Training ist dafür nur eine Grundlage. Ich überlasse nur wenig dem Zufall und kümmere mich zusammen mit meinem Mann Philipp, der mich auch trainiert und berät, so gut wie möglich auch um die äußeren Bedingungen. Das gibt mir dann Sicherheit, um beispielsweise auch mal mit Zweifeln fertig zu werden. Mir sind meine Routinen sehr wichtig, ob nun beim Essen, Schlafen oder bei anderen äußeren Faktoren.

Am 8. Juli startest Du beim Mainova IRONMAN in Frankfurt erstmals auf der Langdistanz. Warum jetzt die volle Strecke?

Das ist einfach der Königswettkampf, den möchte ich unbedingt erleben. Der Ironman auf Hawaii stellt sogar Olympia in den Schatten.

Und warum hast Du dir das Rennen in Frankfurt fürs erste Mal ausgesucht?

Nach Hawaii ist Frankfurt DER Leuchtturm im Triathlon. Hier starten so viele Profis, die Kulisse und das Feld sind einfach Weltklasse. Außerdem ist es für mich als Heidelbergerin ja sozusagen das Heimrennen mit kurzer Anreise, das ist auch ein ganz praktischer Vorteil.

Mit welchem Wunsch startest Du in den Mainova IRONMAN in Frankfurt? Träumst du vom Überraschungssieg?

Ich kann mich dort mit den besten Frauen im Triathlon messen – da bin ich mit Sicherheit nicht unter den Favoritinnen. In Frankfurt starten Daniela Ryf, Sarah Crowley, Anne Haug und viele andere erfolgreiche und auf der Langdistanz erfahrene Frauen, die müssen zeigen, was sie drauf haben. Für mich ist es eine ganz neue Disziplin, in der ich noch keine Erfahrungen habe und deshalb gehe ich entspannt ins Rennen. Je weiter vorne ich lande, desto besser, aber mein Ziel ist, in allen drei Disziplinen eine gute Leistung abzuliefern. Über Platzierungen mache ich mir keine Gedanken.

Laura, Du setzt dich dafür ein, dass mehr Frauen auch mal Triathlon als Sportart ausprobieren. Warum machst Du das?

Ich möchte ganz allgemein Frauen für Sport begeistern, das ist nicht nur auf den Triathlon bezogen. Beim Ironman beträgt der Frauen-Anteil etwa zehn Prozent, und in vielen anderen fordernden Disziplinen ist er ähnlich niedrig. Ich möchte Frauen zeigen, dass auch anstrengender Sport und Wettkämpfe Freude machen können. Das kann Triathlon sein, aber auch eine andere Sportart. Das ist mein Ziel und deshalb unterstütze ich auch die Mainova-Staffel.

Was verbirgt sich hinter dieser Frauenstaffel?

Frauen sind im Sport heute gleichgestellt, etwa bei den Preisgeldern, das kann man also nicht mit Initiativen in der Politik oder Wirtschaft vergleichen. Ich sehe das als Empowerment: Frauen zu stärken, ihre Teilnahme an Wettbewerben zu fördern, Freude am ambitionierten Sport zu vermitteln. Es geht nicht darum, jede Frau auf die Ironman-Distanz zu bringen.

Und wer ist bei der Staffel dabei?

Ich kann heute schon mal einen Namen verraten: Fabienne Amrhein, die amtierende Deutsche Meisterin im Marathon, wird auf einem Teil der Laufstrecke dabei sein. Die nächsten Namen werden ab Ende dieser Woche nach und nach über meine Social-Media-Kanäle bekannt gegeben.

Du bist auf spielerische Weise zum Profisport gekommen. War das eine große Umstellung?

Natürlich kann ich nur mit viel Disziplin die Leistungen erbringen, die von einem Profi gefordert werden. Aber ohne die tief in mir verwurzelte Freude am Laufen und Radfahren und dann auch am Kraulen könnte ich diese Disziplin nicht durchziehen. Als Profi muss man das weiterentwickeln, und ohne Talent geht es natürlich auch nicht, aber meine innere Freude ist die Grundvoraussetzung, damit ich mich mit Hilfe von außen, mit Systematik und mit Trainingsplänen weiterentwickeln kann.

Wenn die Wettkampfsaison endet, geht das Training los. Machst Du auch mal Urlaub?

Ich vergleiche mich da mit jemandem, der einen sehr verantwortungsvollen Job hat oder der besonders vorankommen will in seiner Arbeit. Das erfordert eben manchmal, für eine gewisse Zeit auf manches zu verzichten. Im Moment tickt mein Jahreskalender nach dem Sport, das ist ganz klar.

Wie sieht Deine weitere Saisonplanung aus?

Es kommen viele spannende Rennen, die 70.3-Weltmeisterschaft steht an, die Ironman-WM auf Hawaii, X-Terra, Zell, Nizza. Aber ich konzentriere mich im Moment auf den Mainova Ironman in Frankfurt und wir werden danach alles neu bedenken und die Weichen stellen. Ich kann mich in Frankfurt für Hawaii qualifizieren, aber dafür muss ich ziemlich weit vorne landen. Und wie gesagt, ich gehe ohne Erwartungen ins Rennen. Wir werden sehen, wo ich lande, und dann auch weitersehen, wie die zweite Saisonhälfte ablaufen wird.

Vielen Dank für das Gespräch, Laura, und natürlich viel Erfolg am 8. Juli.

Drei Fragen an Fabienne Amrhein

  1. Was treibt dich im Sport an?

Früher hatte ich einfach nur Spaß daran. Ich habe mich immer schon den ganzen Tag bewegt, saß nie still. Meine eigenen Grenzen auszutesten und immer weiter zu verbessern gibt mir heute ein Gefühl von Selbstzufriedenheit. Mittlerweile habe ich klare Ziele, die ich ohne harte Arbeit nicht erreichen kann. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio werde ich nur schaffen, wenn ich Tag für Tag an mir arbeite. Ich möchte wissen, wie weit ich kommen kann, was mein Körper und mein Geist hergeben.

  1. Warum findest du Frauen, die Sport treiben, cool?

Ganz gleich ob Frauen oder Männer, Menschen, die Sport treiben haben nicht nur schöne Körper, sie strahlen auch eine gewisse Stärke aus und wirken selbstbewusst. Sport gibt einem Menschen das Gefühl, Dinge aus eigener Kraft schaffen zu können. Die Selbstwirksamkeit wird so gefördert und der Mensch zufriedener. Sportler sind häufig eigenartig, aber in aller Regel sehr angenehm im zwischenmenschlichen Umgang (außer unmittelbar vor Wettkämpfen).

  1. Was fällt dir zum Thema Ironman ein?

Um einen Ironman zu bewältigen muss man schon ein bisschen verrückt sein. So viele Stunden ununterbrochen am Limit zu sein, davor habe ich höchsten Respekt. Den Mainova Ironman in Frankfurt habe ich schon des Öfteren verfolgt und bin immer wieder beeindruckt davon, wie viele Menschen diese Herausforderung meistern. Wer weiß, vielleicht werde ich eines Tages, am Ende meiner Läuferkarriere, auch einmal selbst an der Startlinie stehen.

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