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Viel ausprobieren und eine Strategie finden, die für dich funktioniert

Noch gut zwei Wochen bis zum Mainova IRONMAN in Frankfurt, Patrick. Wie schätzt du deine Form ein, mit welchen Erwartungen und welchem Ziel gehst du in den Wettkampf?

Noch gut zwei Wochen bis zum Mainova IRONMAN in Frankfurt, Patrick. Wie schätzt du deine Form ein, mit welchen Erwartungen und welchem Ziel gehst du in den Wettkampf?

Patrick Lange: Meine sportlichen Ziele fur dieses Jahr liegen ganz klar auf dem Mainova IRONMAN Frankfurt und dem IRONMAN Hawaii. Beide Rennen sind klassische A-Rennen und stellen für mich die Highlights des Jahres dar, wenngleich der Fokus auf Hawaii liegen muss und auch mein Training derart gestaltet ist, dass ich zu diesem, dem wichtigsten Event des Jahres, in der Lage sein werde, meine Höchstleistung abzurufen. Dementsprechend wird der Mainova IRONMAN Frankfurt fur mich eine gute Überprüfung meines aktuellen Leistungsniveaus auf der Langdistanz darstellen.

Du bist 2018 bereits einige Male auf dem Treppchen gelandet, aber noch nicht ganz oben. Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Ich will ehrlich sein – da ich Perfektionist bin, fällt es mir oft schwer damit zurecht zu kommen, wenn ich nicht auf Platz 1 stehe. Allerdings genießt mein Trainer Faris Al-Sultan hier mein vollstes Vertrauen und er ist mit meinen bisherigen Leistungen zufrieden. Es ist interessant zu beobachten, inwiefern hier die mediale Wahrnehmung und diejenige der aktiven Sportler und Trainer auseinanderklaffen. Ein zweiter Platz bei einem 70.3 Kraichgau wird medial als Versagen wahrgenommen. In Trainer- und Sportlerkreisen hingegen wird das ganz anders wahrgenommen. Meine Herausforderung in diesem Jahr besteht darin, bei mir selbst und der Meinung meines Expertenteams zu bleiben.

2017 hattest du ein ziemlich aufregendes Jahr: Beim Mainova IRONMAN in Frankfurt lief es nicht wirklich gut für dich. Aber dann hast du deine zweite Chance ergriffen und hast den IRONMAN Hawaii mit neuem Streckenrekord gewonnen. Was für eine Bilanz hast du nach dieser Saison gezogen?

In erster Linie habe ich mitgenommen, dass man niemals aufgeben sollte, an sich selbst zu glauben. Hätte man mir nach dem Mainova IRONMAN Frankfurt gesagt, dass ich nur wenige Monate spater den Streckenrekord auf Hawaii brechen wurde, dann hatte ich diese Person wohl eher belächelt. Aus diesem Grund heißt es: Niemals aufgeben, an sich selbst zu glauben. Und genau diese Nachricht mochte ich nun auch mit der Message „Be the recordbreaker“ verteilen. Ich denke, es gibt zu viele Menschen, die nicht an sich selbst glauben oder zu fruh aufgeben. Und genau diese Menschen mochte ich darin unterstützen nicht aufzugeben.

Viele Spitzensportler erleben Höhen und Tiefen, so wie du letztes Jahr. Wie gehst du damit um? Wie kann man sich darauf vorbereiten?

Vorbereiten kann man sich auf so etwas gar nicht. Was aber hilft ist, sich aktiv damit auseinanderzusetzen, sei das durch Gespräche mit Freunden, das Lesen von Büchern oder aber der Reflexion der eigenen Ansprüche.

Welche Veränderungen hast du in der Vorbereitung auf diese Saison vorgenommen? Ihr müsst in Frankfurt ja auch fast zehn Kilometer länger fahren als 2017!

Grundsätzlich sieht meine Vorbereitung dieses Jahr so aus, dass sie überhaupt stattfinden kann. Im letzten Jahr musste ich meine Vorbereitung für Frankfurt einstellen, da ich verletzt war. Aus diesem Grund machen mir die zehn Kilometer mehr gerade keine Sorgen.

Mit der Mainova zusammen hast du über deine sozialen Kanäle einen Altersklasseathleten aus der Region gesucht, der in diesem Jahr eine „zweite Chance“ nutzen möchte. Warum hast du das gemacht und was hat dir an der Aktion besonders gut gefallen?

Eine tolle Aktion und eine Ehre für mich, jemandem mit einer bewegenden Geschichte eine zweite Chance auf einen Start beim Mainova IRONMAN Frankfurt zu geben. Ich war sofort dabei und musste gar nicht lange überlegen, als die Anfrage kam. Jetzt wünsche ich dem Gewinner natürlich eine gute Vorbereitung und dann werden wir uns in Frankfurt persönlich treffen und am Tag danach können wir hoffentlich bei einem kühlen Bier seine Finisher-Story hören.

Martin Falk aus Marburg ist dieser Altersklasseathlet. Er betreibt seit 2002 Triathlon und war davor mehrfach an der deutschen Spitze der Kickboxer. Martin hat den IRONMAN Frankfurt 2006 gefinisht, musste danach aber zweimal abbrechen, weil er Probleme mit dem Magen hatte. Du ernährst dich vegetarisch – kannst du Martin und unseren Lesern Tipps geben, wie du eine ausgewogene und ausreichende Energiezufuhr erreichst und worauf du bei deiner Ernährung in der Wettkampf- und in der Trainingsphase besonders achtest?

Na klar habe ich da einige Tipps für Martin. Allerdings muss jeder seine eigene Strategie entwickeln und auch durch das Try-and-Error-Prinzip selbst von Wettkämpfen lernen. Ich freue mich aber natürlich immer, wenn ich meine Erfahrungen, die ich aus 15 Jahren Leistungssport gesammelt habe, weitergeben kann.

Wie du den Flüssigkeitsverlust während des Rennens ausgleichst, interessiert Martin ebenfalls sehr. Kannst du uns dein Vorgehen verraten, vielleicht auch im Hinblick auf einen empfindlichen Magen? Oder ist da bei dir immer alles stabil?

Ich habe glücklicherweise kaum Magenbeschwerden während des Rennens. Und gerade die Ernährung vor, während und nach einem Wettkampf ist eine unglaublich individuelle Nummer. Was für den einen funktioniert, kann beim anderen zum kompletten Leistungseinbruch führen. Mein Tipp an Martin daher: So viel wie möglich im Training ausprobieren und dann die Strategie finden, die für dich funktioniert.

Martin fragt sich auch, welchen Anteil in deinem Trainingsplan das Koppeltraining hat. Hältst du es für wichtig oder trainierst du die Disziplinen hauptsächlich getrennt?

Ich denke, das Koppeltraining hat durchaus eine gesteigerte Wichtigkeit. Gerade Einsteigern hilft es ungemein, wenn sie Koppeltraining in ihren Trainingsplan integrieren und damit nach dem Umstieg vom Rad aufs Laufen das Gefühl, auf rohen Eiern zu laufen, besser eindammen konnen. Dabei helfen am Anfang schon 10 bis 15 Minuten. Auch ich habe regelmäßig Einheiten mit Koppeltraining auf meinem Trainingsplan stehen.

Was möchtest du Martin Falk für den 8. Juli und für seine künftigen Triathlons mit auf den Weg geben?

Verlier niemals den Spaß am wohl schönsten Sport der Welt!

Und wie geht es bei dir selbst weiter? Welche Pläne und Ziele hast du für 2018?

Klar, erst mal ist mein Kopf und mein Herz zur Zeit hundertprozentig beim Mainova IRONMAN Frankfurt. Danach geht die volle Fokussierung auf den IRONMAN Hawaii los. Zunächst mit einem Höhentrainingslager, dann beim 70.3 IRONMAN auf Rügen und danach geht es schon über den großen Teich nach Amerika, um am Feinschliff für das Saisonhighlight zu arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch, Patrick, und natürlich viel Glück für die Rennen in Frankfurt und auf Hawaii.


Patrick Lange

Dass Patrick Lange zu den besten Triathleten Deutschlands und der Welt gehört, hat er 2017 mit dem Streckenrekord beim IRONMAN Hawaii bewiesen – obwohl er nach dem Schwimmen noch auf Platz 16 lag. Er gewann im vergangenen Jahr auch den IRONMAN 70.3 auf Rügen sowie drei weitere Triathlon-Wettkämpfe. Seit 2011 hat er zahlreiche Siege und vorderste Platzierungen bei IRONMAN-Wettkämpfen und anderen Triathlons belegt.

Der in Bad Wildungen in Nordhessen geborene Athlet trainiert seit seinem zwölften Lebensjahr Marathon und war als Jugendlicher ein erfolgreicher MTB-Wettkämpfer. Nach einem schweren Sturz wechselte er 2002 zum Triathlon und errang seit 2004 erste Erfolge (Hessenmeister). 2016 startete er in Texas erstmals auf der Langdistanz und gewann auch gleich den IRONMAN Texas. Er lebt heute in Darmstadt.

Martin Falk

Der Marburger konnte im Kickboxen (Junioren und Senioren) mehrfach in der deutschen Spitze platzieren. Seit 2002 betreibt Martin Triathlon, er ist während seines Studiums (Sport und Sozialkunde für das Lehramt an Gymnasien) über das Laufen zu dem Sport gekommen.

Seinen ersten IRONMAN hat Martin 2006 in Frankfurt gefinisht. Schon damals zeigte sich, dass er im Wettkampf häufig Probleme mit dem Magen bekommt. Deshalb musste er den IRONMAN Frankfurt 2008 vorzeitig beenden, ebenso 2017.

Martin experimentiert bereits seit 2006 mit verschiedenen Ernährungsstrategien und arbeitet seit 2017 mit einem Trainer zusammen. Von seinen Trainingsleistungen her versucht er, eine Zielzeit unter 11 Stunden zu erreichen, strebt in Frankfurt aber nur ein einfaches Finishen innerhalb der Cut-off-Zeit an. Er trainiert in der Woche zwischen sieben (Winter) und 16 Stunden (Sommer).

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