+
Schülerin Emma Gonzales ist wütend auf die Waffenlobby.

Kriminalität

Amoklauf: Schülerin hält Wutrede

Nach dem Massaker in Florida wenden sich Schüler wütend gegen die laschen Waffengesetze in den USA. Bildungsministerin Betsy DeVos hingegen schlägt eine komplett andere Lösung vor. Derweil gerät das FBI wegen einer Kommunikationspanne massiv unter Druck.

Mit großer Empörung haben Überlebende des Massakers an einer High School im Bundesstaat Florida den Waffen-Lobbyismus in den USA angeprangert und für striktere Gesetze demonstriert. „An jeden Politiker, der Spenden von der (Waffenlobby-Organisation) NRA annimmt: Schande über euch!“, rief die Schülerin Emma Gonzales am Samstag bei einer Protestkundgebung vor Hunderten Menschen. Wegen einer Kommunikationspanne einige Wochen vor den tödlichen Schüssen geriet am Wochenende zudem die Bundespolizei FBI massiv unter Druck.

An der Demonstration in Fort Lauderdale (Florida) nahmen zahlreiche Menschen von der betroffenen Schule teil, die das Blutbad mit 17 Toten am Mittwoch überlebt hatten. Lehrer und Vertreter mehrerer Gemeinden schlossen sich an. In leidenschaftlichen Reden brachten junge Leute neben ihrer Trauer um Schulkameraden den Zorn darüber zum Ausdruck, dass sich trotz einer nicht abreißenden Serie von Bluttaten an Schulen und anderen Einrichtungen nichts an den laschen Waffengesetzen in den USA geändert habe.

„Sie sagen, dass striktere Waffengesetze nichts an Waffengewalt ändern würden – wir nennen das Blödsinn!“, rief Emma Gonzales, während sie sich Tränen aus den Augen wischte. „Genug ist genug!“

Einen gänzlich anderen Blick auf die Problematik offenbarte hingegen US-Bildungsministerin Betsy DeVos. Sie sagte auf Nachfrage in einer konservativen Radio-Talkshow, dass Bundesstaaten die Möglichkeit hätten, Lehrer an ihren Schulen zu bewaffnen.

Am Mittwoch hatte der 19-jährige Nikolas Cruz in der Marjorie Stoneman Douglas High School in Parkland – etwa 50 Kilometer von Fort Lauderdale entfernt – mit einer halbautomatischen Waffe das Feuer eröffnet, nachdem er kurz vor Schulschluss einen Feueralarm ausgelöst hatte. Seine Opfer kamen wegen des Alarms arglos aus den Klassenzimmern, als er um sich schoss. 17 Menschen starben. Der Täter ließ sich danach widerstandslos festnehmen. Medien berichteten unter Berufung auf das FBI, er habe seine Waffe legal erworben.

Das FBI musste inzwischen auch zugeben, hinsichtlich des späteren Todesschützen frühzeitig gewarnt worden zu sein. Ein Anrufer hatte auf dessen Obsession für Waffen hingewiesen – und darauf, dass Cruz womöglich einen Überfall auf eine Schule plane, wie FBI-Chef Christopher Wray vor dem Wochenende einräumte. Weil der Anruf des Zeugen vom 5. Januar aber nicht weitergegeben wurde, erreichte er die Polizei vor Ort nicht. Justizminister Jeff Sessions ordnete eine Untersuchung der Polizeiarbeit vor den tödlichen Schüssen an. Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, forderte den Rücktritt von FBI-Chef Wray.

US-Präsident Donald Trump hat bislang jede Äußerung zu den Waffengesetzen vermieden. Stattdessen kritisierte er am Samstag (Ortszeit) das FBI. Es habe zu viele Ressourcen auf den Versuch verwendet, Verbindungen seines Wahlkampfteams mit Russland zu beweisen – und deshalb den Tipp zu Cruz verpasst. „Geht zurück zu den Grundlagen und macht uns alle stolz!“, schrieb er auf Twitter. Politiker aus beiden großen politischen Lagern kritisierten die Bundespolizei und forderten Aufklärung.

Der Sender CNN berichtete am Samstag, dass sich der Todesschütze zuvor in einem Gruppenchat mit Bekannten seit einem halben Jahr oft rassistisch, schwulenfeindlich und antisemitisch geäußert habe. Cruz sprach demnach mehrfach über seinen Hass auf Juden, Menschen mit dunkler Haut und Einwanderer. Mexikaner wollte er töten, schwarze Menschen in Ketten legen und ihren die Köpfe abschneiden. Weiße Frauen, die Beziehungen zu Schwarzen führten, seien Verräterinnen. Auf eine Beleidigung von Homosexuellen antwortete er: „Schieß ihnen in den Hinterkopf.“

(dpa,afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare