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Stadtgeflüster

Vor Ehrfurcht nicht mal gebellt

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Hohe Auszeichnung für eine große Organisation: Der Verein Die Tiertafel hat im Kaisersaal des Römers die Walter-Möller-Plakette erhalten.

Hohe Auszeichnung für eine große Organisation: Der Verein Die Tiertafel hat im Kaisersaal des Römers gestern die Walter-Möller-Plakette erhalten. Dieser Preis wird an Bürgerinitiativen, Gemeinschaften oder Gruppen verliehen, die sich in Frankfurt in herausragender Art und Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht haben.

Sie ist nach dem früheren Frankfurter Oberbürgermeister Walter Möller benannt, der das Engagement der Bürgerschaft und deren Kooperation mit der Stadtverwaltung speziell gefördert hat. Und sie ist mit 10 000 Euro dotiert. Die Auszeichnung wird als Symbol für ein kritisches und fruchtbares Verhältnis zwischen aktiven Bürgern und der Stadtverwaltung angesehen. Sie wurde ab 1977 zunächst in jährlichem, seit 1986 in zweijährlichem Turnus vergeben. In den Jahren 1986, 1988, 1994 und 2000 wurde die Walter-Möller-Plakette an jeweils zwei Preisträger überreicht, das Preisgeld demzufolge geteilt. Die Tiertafel reiht sich nun ein in eine illustre Liste Preisgekrönter, zu denen unter anderem die Frankfurter Tafel, der Verein Hilfe für krebskranke Kinder, die Organisatorinnen des Pfennigbazars, Alexandra Prinzessin von Hannover , Renate von Metzler , Gerhild Börsig und Susie von Verschuer-Bär gehören

Das Geld hat die Tiertafel schon vor einiger Zeit erhalten. Gestern nun nahmen Gründerin und Chefin Conny Badermann , Uschi Pinsker , ihre Stellvertreterin, und Inge Böhm , Schriftstellerin, die Auszeichnung von Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler entgegen. „Ich freue mich, dass ich Ihnen die Walter-Möller-Plakette heute überreichen darf“, so Stefan Siegler. „Und wir freuen uns unendlich über die Wertschätzung, die uns durch diese Auszeichnung zuteil wird“, erwiderte Inge Böhm.

Was sie mit dem Preisgeld machen, wird spätestens dann klar, als Inge Böhm aufzählt, wie hoch die Kosten für den laufenden Betrieb im Jahr sind. „Bis jetzt haben wir Tierarztkosten in Höhe von 80 000 Euro in diesem Jahr und 20 000 Euro Kosten für Futter pro Monat“, rechnet die Schriftführerin vor. Teuer sei vor allem das Diätfutter für kranke Tiere. „Wir brauchen eine Menge Geld“, hob Inge Böhm hervor, die auch betont, dass der Verein vor allem auf Spenden angewiesen sei. Egal ob groß oder klein. Zwar freuten sich alle drei Damen über den Preis, aber sprechen musste Inge Böhm. Der Grund ist ganz einfach: „Mir versagt vor lauter Aufregung bei solchen Gelegenheiten immer die Stimme“, sagte Conny Badermann.

Dabei hätte sie soviel Lampenfieber gar nicht haben müssen. Und sogar der siebeneinhalb Jahre alte Willy bellte kein einziges Mal. „Ob Ramses so brav gewesen wäre, das wage ich zu bezweifeln“, sagte der Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf, der selbst einen kleinen Hund hat.

Momentan ist Wolf, der allen als Bäppi la Belle besser bekannt ist, noch kein Tiertafel-Mitglied. Er will seinen Status allerdings ändern und berichtete: „Wir sammeln auch so schon beim Apfelweinfestival immer für Futter.“,

In seiner Rede ging Siegler auf die Geschichte des Vereins ein, den Conny Badermann vor ungefähr elf Jahren aus der Taufe hob. Und er sagte auch, dass er anfangs zu den Kritikern der „Tiertafel“ zählte. „Aber wenn man sieht, wie sorgfältig sie Tiere und Halte prüfen, wie sie sich um Tiere und Besitzer kümmern, dann merkt man, wie wichtig dieses Engagement ist.“ Nicht nur der Umgang mit den Tieren stünde im Mittelpunkt. Für viele sei es auch der menschliche Kontakt, „das Babbeln während der Ausgabe bei der Tiertafel“.

Angekündigt hatte sich zur Feierstunde übrigens auch Eislauflegende Marika Kilius, die Schirmherrin der Tiertafel ist. Doch sie musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen.

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