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Trauriger Moment: Jungen der geretteten Fußballmannschaft und ihr Trainer Ekkapol Janthawong (links) zeigen auf der Pressekonferenz ein Bild des Tauchers, der an der Rettungsaktion beteiligt war und dabei starb.

Thailand

Erster Auftritt nach dem glücklichen Ende des Höhlendramas vor acht Tagen

Nach fast einem Monat sind die jungen Fußballer aus der thailändischen Höhle zurück bei ihren Familien. Beim Abschied aus dem Krankenhaus zeigen sie sich erstaunlich munter. Und jetzt? Schule – und dann vielleicht ins Kloster.

Wenn es 18 Uhr wird, läuft im thailändischen Fernsehen jeden Abend die Nationalhymne. Dann folgen auf den verschiedenen Sendern für eine halbe Stunde Nachrichten der Militärregierung. Gestern jedoch war alles anders. Statt Bildern von älteren Generälen gab es welche mit fröhlichen Kindern in Fußballtrikots – von den zwölf Jungen und ihrem Trainer, die nach dem glücklichen Ende des Höhlendramas und den Tagen im Krankenhaus endlich nach Hause durften. Alle großen Sender übertrugen live.

Der Titel der Übertragung war vorgegeben: „Dern Nah Prathet“ („Thailand kommt voran“). 45 Minuten sollte die große Rettungs-Show dauern. Sie ging dann fast doppelt so lang. Auf die Bergung der Kinder von elf bis inzwischen 17 Jahren sind die Thailänder immer noch enorm stolz.

Fast einen ganzen Monat lang ist das Schicksal der Kinder in Thailand nun schon das große Thema – noch viel, viel wichtiger als im Rest der Welt. Hier reden alle nur noch liebevoll von den „Moo Pah“, den „Wildschweinen“. So heißt der Verein, aus dem die Jungen kommen. Deshalb prangte auf den Trikots auch ein großer roter Keiler.

Zum Beweis dafür, wie gut es ihnen heute schon wieder geht, dribbelten alle kurz nach 18 Uhr mit Bällen in den Saal. Dann setzten sie sich wie für ein Mannschaftsfoto zusammen: links ein Bild des Königs und der Trainer in echt, in der Mitte zwei Ärztinnen und rechts noch einige Männer in Ärztekittel und Uniform. Und plauderten drauflos. Als ob die Tage in der Dunkelheit längst vergessen wären. Vor allem der 14-jährige Adul – der einzige, der passabel Englisch spricht – zeigte Entertainer-Qualitäten. Der Junge, der nicht einmal einen thailändischen Pass besitzt, berichtete noch einmal, wie sich die Entdeckung zugetragen hatte. Und dass sie eigentlich nur eine Stunde in der Höhle bleiben wollten. Es wurden 17 Tage daraus. Adul jetzt: „Diese Erfahrung hat mir deutlich gemacht, was das Leben für einen Wert hat. Und was für Folgen ein einziger Fehler haben kann.“

Dann kam der Trainer dran: Ekkapol Chantawong (25), verantwortlich dafür, dass das Team trotz aller Warnungen mitten in der Regenzeit in die Höhle stieg. Angeblich kam die Idee von ein paar Jungen, die zuvor noch nie dort waren. Als das Thema zur Schuldfrage wechselte, sprach der frühere Mönch in der Mehrzahl: „Wir sind uns bewusst, dass wir das verursacht haben.“ Heute würde er mit den Jungen nicht mehr in die Höhle gehen. Davon, dass er selbst strafrechtlich belangt werden könnte, redet in Thailand inzwischen niemand mehr.

Am größten ist die Verehrung jedoch für den Marinetaucher Saman Kunan (38), der bei den Vorbereitungen für die Rettungsaktion ums Leben kam. Der Ex-Militär wurde posthum vom König um sieben Ränge nach oben befördert. So etwas gab es in der jüngeren Geschichte des Landes noch nie. Auch die Kinder weinten, als sie – mit mehr als einer Woche Verspätung – von seinem Tod erfuhren. Mit einem Porträt in Goldrahmen erinnerten sie auch gestern an ihn. Es war der traurigste Moment der anderthalb Stunden.

Gegen die kollektive Entlassung der „Wildschweine“ – einen Tag früher als geplant – hatten schließlich auch die Mediziner nichts mehr einzuwenden. Die Ärztin Patchareewan Inta sagte: „Alle sind gesund. Auch mental können sie den Druck aushalten. Es gibt keinen Grund, sich irgendwelche Sorgen zu machen.“ Dann durften alle nach Hause zu den Familien. Bald ist auch wieder Schule. So beginnt langsam der Weg zurück in die Normalität. Es soll keinerlei Interviews mehr geben.

Es gibt auch schon weitergehende Pläne. Die Rede ist davon, dass sich die Jungen alle gemeinsam den

Kopf scheren lassen

und eine Zeit lang in ein buddhistisches Kloster gehen. Für Leute, die ein Unglück hinter sich haben, ist es in Thailand durchaus üblich, sich auf diese Weise zu „reinigen“.

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